Moin. Die Bucht ist traumhaft, der Anker ist gefallen, der Sonnenuntergang bestellt. Und dann kommt die Nacht, und mit ihr die Frage, die jeden Ankerlieger irgendwann wachhält: Hält der Haken da unten eigentlich noch? Wer darauf keine belastbare Antwort hat, schläft schlecht. Oder schlimmer: Er schläft gut, während sein Boot längst auf Wanderschaft ist.

Ruhig schlafen vor Anker ist keine Frage des Gottvertrauens, sondern der Vorbereitung. Zwei Begriffe entscheiden darüber: Schwojen und Ankerwache. Beide werden regelmäßig unterschätzt, beide kosten Dich keine 20 Minuten Aufwand. Gehen wir sie durch.

Schwojen: Dein Boot fährt nachts Karussell

Ein Boot vor Anker liegt nicht still. Es pendelt mit Wind und Strom um seinen Anker, wie ein Hund an der Laufleine. Diesen Kreis nennt man Schwojkreis, und er ist größer, als die meisten denken: Kettenlänge plus Bootslänge, also bei 40 Metern Kette und einem Zehn-Meter-Boot ein Kreis von rund 100 Metern Durchmesser. Dreht der Wind in der Nacht, wandert Dein Boot auf diesem Kreis einmal quer durch die Bucht.

Daraus folgen drei Regeln, die Du beim Ankern abends durchgehen solltest:

  • Denk den Kreis zu Ende: Nicht die aktuelle Position zählt, sondern jede mögliche. Liegt in irgendeiner Windrichtung ein Felsen, eine Untiefe oder die Boje des Nachbarn in Deinem Schwojkreis, liegst Du falsch.
  • Rechne mit den Nachbarn: Boote schwojen unterschiedlich. Ein leichter Segler tanzt anders um seinen Anker als ein schwerer Verdränger, ein Boot an der Boje dreht enger als eins an 50 Metern Kette. Halte mehr Abstand, als Dir tagsüber nötig erscheint.
  • Kette raus, und zwar richtig: Die Faustregel bleibt die Faustregel: mindestens drei- bis fünffache Wassertiefe an Kette, bei Starkwind mehr. Eine zu kurze Kette macht aus dem flachen Zugwinkel einen steilen, und dann bricht der beste Anker aus. Was Dein Geschirr können muss, steht im Ratgeber zur Ankerketten-Dimensionierung.

Eingraben und Beweis sichern

Der wichtigste Moment der ganzen Nacht passiert schon am Nachmittag: das Eingraben. Anker fallen lassen, Kette stecken, und dann mit halber Kraft rückwärts einfahren, bis die Kette steif kommt und das Boot spürbar stehen bleibt. Nimm Dir dafür Peilpunkte an Land oder schau auf den Plotter: Bewegt sich nichts mehr, hält der Anker. Erst jetzt hast Du Dir das Anlegerbier verdient. Ein Anker, der nur auf dem Grund liegt statt drin, ist keine Verankerung, sondern eine Verabredung mit dem Wecker um drei Uhr nachts. Welcher Haken in welchem Grund am besten hält, klärt unser großer Anker-Vergleich.

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Die Ankerwache: vom Ankeralarm bis zum echten Wachegehen

Jetzt zum zweiten Baustein, der Ankerwache. Die gibt es in drei Ausbaustufen, und welche Du brauchst, entscheiden Wetter und Umgebung:

  • Stufe 1, der GPS-Ankeralarm: Plotter oder App überwachen Deine Position; verlässt das Boot den erlaubten Radius, schrillt der Alarm. Das ist heute Standard und gehört in jeder Ankernacht aktiviert. Wichtig: Radius großzügig genug setzen, dass normales Schwojen keinen Fehlalarm auslöst, und den Ankerpunkt möglichst beim Fallenlassen markieren, nicht erst vom Liegeplatz aus.
  • Stufe 2, der Kontrollblick: Bei unklarem Wetter oder viel Nachbarschaft stellst Du Dir zusätzlich den Wecker, alle zwei bis drei Stunden einmal Rundumblick: Peilpunkte checken, Nachbarn checken, Wind fühlen. Fünf Minuten, dann weiterschlafen.
  • Stufe 3, die echte Wache: Bei angekündigtem Starkwind, Gewitterlage oder Legerwall (Land in Lee) bleibt jemand wach, angezogen und mit klarem Plan. Maschine startklar, Positionen im Kopf, Rettungswesten griffbereit. Klingt streng? Frag mal jemanden, der nachts um zwei mit slippendem Anker zwischen Felsen manövriert hat, ob er die Stunde Schlaf vermisst.

Und wenn der Anker wirklich slippt: Ruhe bewahren, Maschine an, langsam gegen den Wind vorfahren, Kette einholen und neu ankern, mit mehr Kette und besserem Grund. Kein Drama, wenn Du vorbereitet bist. Ein Drama, wenn Du im Halbschlaf erst die Hose suchen musst, während die Brandung näher kommt. Wie Du Dich bei aufziehendem Unwetter generell verhältst, liest Du im Ratgeber Gewitter auf See.

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Meine Abend-Checkliste für ruhige Ankernächte

  • Anker richtig eingefahren, Peilpunkte notiert?
  • Schwojkreis in alle Richtungen frei, Abstand zu Nachbarn großzügig?
  • Kette mindestens 3- bis 5-fache Wassertiefe, bei Wind mehr?
  • Ankeralarm aktiv, Radius sinnvoll gesetzt?
  • Wetterbericht für die Nacht gecheckt, Plan B (Maschine, Ausweichbucht) im Kopf?

Fünf Fragen, fünf Haken, und die Nacht vor Anker wird das, was sie sein soll: der ruhigste Schlaf, den es auf dem Wasser gibt. Denn mal ehrlich: Sanft schaukelnd in einer stillen Bucht einzuschlafen ist der eigentliche Grund, warum wir uns das alles antun. Also mach es richtig, dann darfst Du es auch genießen.

Häufig gestellte Fragen


Was bedeutet Schwojen?

Schwojen ist das Pendeln eines ankernden Boots um seinen Anker, angetrieben von Wind und Strom. Der Schwojkreis hat als Radius etwa Kettenlänge plus Bootslänge. Beim Ankern muss dieser gesamte Kreis frei von Untiefen, Felsen und Nachbarbooten sein, denn nachts drehender Wind bewegt das Boot auf dem ganzen Kreis.


Wie viel Kette muss beim Ankern gesteckt werden?

Als Faustregel mindestens die drei- bis fünffache Wassertiefe, bei Starkwind deutlich mehr. Eine längere Kette sorgt für einen flachen Zugwinkel am Anker, der ihn im Grund hält. Zu kurze Kette lässt den Anker bei Böen ausbrechen.


Was ist ein Ankeralarm und wie stelle ich ihn ein?

Ein GPS-Ankeralarm auf Plotter oder Smartphone überwacht die Bootsposition und schlägt an, wenn das Boot einen festgelegten Radius verlässt. Den Ankerpunkt am besten beim Fallenlassen des Ankers markieren und den Radius so setzen, dass normales Schwojen keinen Fehlalarm auslöst.


Wann reicht der Ankeralarm nicht aus?

Bei angekündigtem Starkwind, Gewitterlagen oder Land in Lee sollte zusätzlich eine echte Ankerwache gegangen werden: regelmäßige Kontrollblicke oder eine wache Person mit startklarer Maschine. Der Alarm meldet nur, dass das Boot wandert, retten muss die Crew es selbst.


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