Moin, ihr Lieben. Im April steht der Eigner vor mir und sagt, die Kajüttür klemme plötzlich. Vorher ging sie ein halbes Leben lang auf und zu, jetzt schleift sie oben in der Ecke.

Die Tür ist nicht das Problem. Die Tür ist der Zeiger.

Das Boot hat sich über den Winter verzogen, und zwar da, wo es aufgelegen hat. Kein Frost, kein Sturm, kein Unfall. Nur sechs Monate falsch abgestellt.

GFK ist geduldig, aber es vergisst nichts

Viele denken, ein Rumpf sei so etwas wie ein Stück Stahlblech. Ist er nicht. Ein Laminat ist ein Verbund aus Glasfaser und Harz, und der gibt unter Dauerlast nach. Langsam, über Wochen, ganz ohne Krach.

Ein Alltagsvergleich: Legt eine Plastikschale in den Schrank und stellt ein schweres Buch darauf. Nach einem Tag passiert nichts. Nach einem halben Jahr hat die Schale die Form vom Buch.

Genau das macht euer Rumpf, wenn sein Gewicht sechs Monate lang auf zu wenigen und den falschen Punkten hängt. Und es geht nicht wieder weg, wenn ihr ihn ins Wasser lasst.

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Delle im Rumpf, weicher Laminatbereich, Schaden nach dem Winter: Wer das beurteilen soll, braucht Erfahrung mit GFK. Der Bootsdoktor hat sie.
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Der Fehler Nummer eins: die Trailergurte bleiben stramm

Fangen wir bei den Trailerbooten an, weil das der Fehler ist, den ich am häufigsten sehe und der am schnellsten behoben ist.

Zum Fahren gehört das Boot fest auf den Trailer gezurrt. Klar. Der Gurt zieht den Rumpf nach unten auf die Kielrollen, damit unterwegs nichts wandert.

Nur: Wenn der Trailer im November in der Ecke steht und der Gurt bis April stramm bleibt, dann drückt eine schmale Kielrolle ein halbes Jahr lang mit voller Vorspannung von unten in den Rumpf. Der Gurt macht keine Pause.

Das Ergebnis kennt ihr, wenn ihr wisst, wonach ihr guckt: eine flache Mulde über der Rolle. Manchmal sieht man sie nur im Streiflicht, wenn die Sonne flach über den Rumpf geht.

Also, ganz einfache Sache: Im Winterlager die Gurte lösen. Nicht abnehmen, nur so weit lockern, dass keine Spannung mehr drauf ist und das Boot frei auf seinen Auflagen steht. Bei Sturmwarnung zieht ihr sie wieder an. Das war’s.

Wo die Last hingehört

Jetzt zum Bock. Die Regel ist in einem Satz gesagt und wird trotzdem ständig gebrochen:

Das Gewicht trägt der Kiel oder eine tragende Struktur. Die Stützen halten das Boot nur senkrecht.

Stützen sind Stabilisatoren, keine Tragwerke. Wer sie hochkurbelt, bis das Boot ein bisschen angehoben ist, hat den Rumpf zur Tragkonstruktion gemacht. Und der ist dafür nicht gebaut.

  • Setzt die Stützen dort an, wo innen etwas dahintersteht: auf Höhe eines Schotts, eines Stringers, einer Kojenkante. Das findet ihr, indem ihr innen nachschaut, nicht indem ihr außen schätzt.
  • Immer paarweise gegenüber. Eine Stütze backbord ohne Gegenstück steuerbord drückt den Rumpf schief.
  • Große Auflagefläche. Ein gepolsterter Kopf mit Holz und Filz verteilt die Kraft. Ein kleiner blanker Metallteller macht einen Punkt daraus, und Punkte sind genau das, was Dellen erzeugt.
  • Niemals auf eine ausgebesserte Stelle. Wo schon mal gespachtelt oder laminiert wurde, ist die Struktur nicht mehr die alte. Da gehört keine Stütze hin.
  • Freiland heißt Bodenplatten. Der Boden hebt und senkt sich bei Frost, und eine Stütze, die in den Matsch sackt, nimmt ihren Anteil an der Last mit nach unten.

Bei einem Kielboot ist die Sache vergleichsweise entspannt, das steht auf seinem Kiel und braucht die Stützen wirklich nur zum Ausbalancieren. Beim flachen Motorbootrumpf ohne echten Kiel wird es kniffliger, da verteilt sich das Gewicht auf die Auflagen und deren Zahl und Lage entscheidet alles.

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Nachziehen nicht vergessen

Eine Sache, die kaum einer macht: Zwei, drei Wochen nach dem Aufbocken noch einmal hingehen und kontrollieren.

Das Boot setzt sich. Filz drückt sich zusammen, Holz gibt nach, der Boden auch. Was im Oktober satt anlag, hat im November Luft, und dann trägt plötzlich eine andere Stütze mehr, als sie soll.

Und nach jedem ordentlichen Sturm einmal hinfahren und rundherum gucken. Nicht nur wegen der Plane. Auch, weil ein Windstoß eine Stütze verschieben kann, und die trägt danach nichts mehr oder das Falsche.

Wenn ihr schon da seid

Zwei Kleinigkeiten, die bei dem Gang sowieso mitgehen und die ich immer wieder predige, weil sie im Frühjahr Geld kosten:

Guckt euch die Stecker an. Kombistecker, Kabelschuhe, Masseanschlüsse. Wenn da der kleine grüne Teufel sitzt, also Oxidation an den Kontakten, dann sitzt er im Frühjahr fester. Das ist der Grund, warum der Motor im Mai orgelt und keiner weiß, warum.

Batterien raus und abklemmen. Nicht nur wegen der Ladung. Eine Batterie, die den Winter über an Bord bleibt, ist ein Risiko, über das ich an anderer Stelle schon ausführlich geschimpft habe.

So, und jetzt der Merksatz, den ihr euch für den Herbst aufhebt: Der Kiel trägt, die Stützen halten, die Gurte gehen lose. Wer das befolgt, holt im Frühjahr denselben Rumpf aus der Halle, den er im Herbst reingestellt hat.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Und wenn die Kajüttür im Frühjahr klemmt: Ihr wisst jetzt, wo ihr nachgucken müsst.

Häufig gestellte Fragen


Müssen die Spanngurte im Winterlager gelöst werden?

Ja. Zum Fahren gehört das Boot fest verzurrt, im Winterlager nicht. Ein stramm gezogener Gurt drückt den Rumpf monatelang mit voller Vorspannung auf die schmalen Kielrollen, und dort entsteht eine bleibende Mulde. Lockere die Gurte so weit, dass keine Spannung mehr anliegt, und zieh sie nur bei Sturmwarnung wieder an.


Wo dürfen die Stützen am Rumpf angesetzt werden?

Auf Höhe einer tragenden Struktur, also an einem Schott, einem Stringer oder einer Kojenkante. Schau dafür innen nach, statt außen zu schätzen. Die Stützen müssen immer paarweise gegenüberstehen, brauchen eine große gepolsterte Auflagefläche und gehören niemals auf eine gespachtelte oder reparierte Stelle.


Tragen die Stützen das Gewicht des Bootes?

Nein, und das ist der häufigste Denkfehler. Das Gewicht trägt der Kiel beziehungsweise die dafür vorgesehene Kielauflage. Die Stützen halten das Boot nur senkrecht. Wer sie so weit hochkurbelt, dass das Boot angehoben wird, macht den Rumpf zur Tragkonstruktion, und dafür ist er nicht gebaut.


Woran erkenne ich eine Rumpfverformung?

Oft an Kleinigkeiten im Innenausbau: Türen und Schubladen klemmen plötzlich, Verkleidungen stehen ab, Fugen reißen. Am Rumpf selbst sieht man flache Mulden am besten im Streiflicht, wenn die Sonne flach über die Bordwand streicht. Prüfe dabei besonders die Stellen, an denen Auflagen, Rollen oder Stützen gesessen haben.


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