Moin, ihr Lieben. Ich habe hier einen V6 mit 4,3 Litern auf der Bank stehen, von unten geöffnet. Und was da drin zu sehen ist, sollte sich jeder ansehen, der sein Öl erst im Frühjahr wechseln will.

Rost auf der Kurbelwelle. In allen sechs Zylindern der Honschliff weg. Die Maschine ist hinüber, und bei einem 4,3er lohnt sich die Aufarbeitung kaum.

Der Grund dafür ist kein Materialfehler und kein Pech. Der Grund ist ein Ölwechsel, der nicht gemacht wurde.

Warum altes Öl über Winter gefährlich wird

Frisches Öl ist sauber. Gebrauchtes Öl nicht. Da sind Verbrennungsrückstände drin, da sind Säuren drin, und vor allem ist Wasser drin. Kondenswasser, das sich bei jedem Warm- und Kaltwerden im Motor niederschlägt.

Solange die Maschine regelmäßig läuft, ist das halb so wild. Das Öl wird heiß, das Wasser verdampft, es geht wieder raus.

Und jetzt stellt euch vor, dieses Öl steht ein halbes Jahr still im Motor. Bei fünf Grad. Ohne dass je wieder etwas warm wird.

Dann setzt sich das Wasser ab und arbeitet. An Kurbelwelle, Nockenwelle, Lagerstellen. Und es reicht wirklich wenig davon. Was ich hier an Rost sehe, kommt nicht von einem Liter Wasser, das kommt von ein paar Tropfen, die sechs Monate Zeit hatten.

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Emulsion im Öl, Rost an der Kurbelwelle, Honschliff weg: Wer das beurteilen soll, braucht Erfahrung mit Bootsmotoren. Der Bootsdoktor hat sie.
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Der Honschliff, und warum er über den Motor entscheidet

Jetzt wird es kurz technisch, aber das müsst ihr einmal verstanden haben, dann macht ihr den Herbstölwechsel von allein.

Guckt in einen Zylinder. Die Wand ist nicht glatt, da ist ein feines Kreuzmuster eingeschliffen. Das nennt sich Honschliff oder Kreuzschliff, und der ist kein Schönheitsfehler, den hat der Motorenbauer da absichtlich hineingebracht.

Seine Aufgabe: Das Öl soll an der Zylinderwand stehen bleiben und nicht nach unten weglaufen. In den feinen Riefen hält es sich fest. Deshalb hat der Kolben immer einen Ölfilm unter sich, auch nach dem Start.

Und was passiert, wenn statt Öl eine Emulsion im Motor steht, also Öl mit Wasser vermischt? Die schmiert nicht mehr richtig. Die Reibung steigt um ein Vielfaches. Und dann schleift sich der Honschliff weg.

Die Zylinderwand sieht danach aus wie eine Glasscheibe. Glatt und glänzend. Das klingt gut, ist aber das Ende: Auf Glas hält kein Öl. Der Motor läuft im Frühjahr noch ein paar Stunden, und dann frisst er.

Genau diesen Ablauf seht ihr in dem Block, der hier steht.

Deshalb Herbst und nicht Frühjahr

Die Frage kommt jedes Jahr: Warum soll ich im Herbst wechseln, das Boot fährt doch gar nicht?

Ganz einfach: Der Schaden entsteht nicht beim Fahren. Der Schaden entsteht beim Stehen.

Ölwechsel im HerbstÖlwechsel im Frühjahr
Was über Winter im Motor stehtfrisches Öl, sauber, ohne Wasseraltes Öl mit Säuren und Kondenswasser
Was daraus wirdnichts, genau richtigEmulsion, Rost, verlorener Honschliff
Aufwandzwei Stunden im Oktoberzwei Stunden im April plus eventuell ein Motor

Im Frühjahr zu wechseln ist nicht falsch. Es ist nur sinnlos, wenn der Schaden über Winter schon passiert ist.

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So macht ihr es richtig

  • Motor vorher warmfahren. Warmes Öl fließt, kaltes bleibt zur Hälfte im Block. Und warm gelöste Schwebstoffe kommen mit raus, genau die wollt ihr loswerden.
  • Öl absaugen oder ablassen, dann den Filter wechseln. Beides, nicht nur eins davon. Im alten Filter steht ein halber Liter altes Öl mit allem, was ihr gerade entsorgt habt.
  • Guckt euch das Altöl an. Kaffeebraun und cremig heißt Wasser im Öl, und dann habt ihr ein zweites Problem und solltet die Ursache suchen, bevor das Boot steht.
  • Frisches Öl einfüllen, dann kurz laufen lassen. Fünf Minuten reichen, damit überall ein Film aus frischem Öl liegt. Ein Ölwechsel, nach dem die Maschine nie wieder angelaufen ist, verteilt das neue Öl nicht.
  • Ölstand danach nochmal prüfen. Nach dem Laufen steht er anders als direkt nach dem Einfüllen.

Und weil die Frage sicher kommt: Getriebeöl gehört genauso dazu. Da ist derselbe Mechanismus am Werk, nur dass Wasser im Getriebeöl meist noch ein undichtes Dichtsystem als Ursache hat.

Merksatz für den Oktober: Über Winter steht frisches Öl im Motor, nicht das vom Sommer. Zwei Stunden Arbeit gegen einen Motorblock. Ich weiß, wie ich rechne.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut, und macht den Ölwechsel jetzt.

Häufig gestellte Fragen


Ölwechsel im Herbst oder im Frühjahr?

Im Herbst. Der Schaden entsteht nicht beim Fahren, sondern beim Stehen. Altes Öl enthält Säuren und Kondenswasser, und beides arbeitet ein halbes Jahr lang im stillstehenden Motor an Kurbelwelle und Lagerstellen. Über Winter gehört frisches Öl in die Maschine.


Was ist der Honschliff und warum ist er so wichtig?

Der Honschliff, auch Kreuzschliff genannt, ist ein feines Kreuzmuster in der Zylinderwand. Es sorgt dafür, dass der Ölfilm an der Wand stehen bleibt und nicht abläuft. Steht statt Öl eine Emulsion aus Öl und Wasser im Motor, steigt die Reibung stark an und der Honschliff schleift sich weg. Die Wand wird glatt wie Glas, dort hält kein Öl mehr, und der Motor frisst.


Woran erkenne ich Wasser im Motoröl?

Am Altöl beim Ablassen: Kaffeebraun und cremig statt dunkel und flüssig bedeutet Emulsion. Auch ein heller Belag an der Unterseite des Öldeckels ist ein Hinweis. Findest Du das, such vor dem Einwintern die Ursache, sonst steht das Problem den ganzen Winter im Block.


Muss der Motor nach dem Ölwechsel noch einmal laufen?

Ja, fünf Minuten reichen. Erst dann liegt überall ein Film aus frischem Öl. Ein Ölwechsel, nach dem die Maschine nicht mehr angelaufen ist, verteilt das neue Öl nicht und lässt die alten Reste an den Bauteilen stehen. Danach den Ölstand noch einmal prüfen, er steht anders als direkt nach dem Einfüllen.


Weiterlesen: Bootsmotor einwintern: Schritt für Schritt · Öl-Wasser-Emulsion im Motor: ist der Zylinderkopf hinüber?