Moin, ihr Lieben. Es gibt Schäden, die sieht man. Ein geplatzter Block, ein gerissener Faltenbalg, ein durchgegammelter Froststopfen. Und dann gibt es den Schaden, der sich den ganzen Winter über in aller Ruhe im Dunkeln bildet, ganz unten in eurem Tank.

Die Dieselpest. Klingt nach Seemannsgarn, ist aber ein handfestes biologisches Problem, und im Frühjahr steht ihr damit bei uns auf dem Hof.

Das Ärgerliche daran: Der Winter ist genau die Zeit, in der das Zeug wächst. Und die Entscheidung, ob es wächst oder nicht, trefft ihr jetzt im September.

Was da unten eigentlich passiert

Der Diesel, den ihr an der Tankstelle bekommt, ist an den meisten Zapfsäulen B7. Das heißt: bis zu sieben Prozent Biodiesel sind drin, sogenanntes FAME, und das schreibt die Norm DIN EN 590 so vor. Für den Motor ist das kein Drama. Für einen Tank, der ein halbes Jahr steht, schon.

Denn der Bio-Anteil zieht Wasser. Er ist hygroskopisch, wie der Chemiker sagt. Und Wasser ist schwerer als Diesel, es sammelt sich unten am Tankboden.

Genau an dieser Grenze zwischen Wasser und Diesel wird es lebendig. Da sitzen Bakterien und Pilze, allen voran ein Geselle namens Hormoconis resinae, im Volksmund schlicht der Dieselpilz. Der frisst den Kraftstoff und scheidet einen braunschwarzen Schleim aus.

Der Schleim ist das, was ihr am Ende zu sehen bekommt. Meistens im Filter. Manchmal auch als Belag an der Tankwand, wenn wir die Inspektionsöffnung aufmachen.

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Warum der halbvolle Tank der Fehler ist

Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten das Boot falsch abstellen. Der Tank ist im Oktober noch zu einem Drittel voll, und man denkt sich: Passt schon, im Frühjahr wird sowieso frisch getankt.

Über dem Diesel stehen dann zwei Drittel Luft. Und Luft hat Feuchtigkeit drin.

Was dann passiert, kennt jeder von der Bierflasche im Sommer: Tagsüber wird es warm, nachts kalt, und an der kalten Tankwand schlägt sich die Feuchtigkeit als Kondenswasser nieder. Es läuft nach unten und sammelt sich. Über einen Winter mit hundert solcher Temperaturwechsel kommt da ordentlich was zusammen.

Ganz einfache Rechnung: Je weniger Luft im Tank, desto weniger Kondenswasser. Deshalb gehört der Tank vor dem Winter voll.

Aber, und das ist mir wichtig, weil im Netz immer nur die halbe Wahrheit steht: Volltanken allein ist keine Versicherung. Wenn unten im Tank schon Wasser steht und der Salat bereits wächst, dann konserviert ihr das Problem nur mit frischem Diesel obendrauf. Erst gucken, dann füllen.

Die Reihenfolge, die wirklich funktioniert

  • Wasserabscheider ablassen und angucken. Was da unten im Glas steht, sagt euch alles. Klarer Diesel ist gut. Eine trübe Schicht, Tropfen oder brauner Schmodder heißen: Da ist schon was im Gange.
  • Filter wechseln, bevor das Boot steht. Nicht im Frühjahr. Ein zugesetzter Filter, der den ganzen Winter voll Schleim im Boot hängt, wird nicht besser.
  • Frischen Diesel tanken, und zwar dort, wo Durchsatz ist. An der kleinen Zapfsäule am Steg, an der im Jahr dreimal jemand tankt, steht das Zeug selbst schon ewig.
  • Additiv rein, bevor ihr volltankt. Dann verteilt es sich beim Befüllen von selbst. Es gibt sie von allen möglichen Herstellern, wichtig ist ein Produkt mit biozider Wirkung, nicht nur ein Fließverbesserer.
  • Motor danach laufen lassen. Zehn, fünfzehn Minuten, damit das behandelte Zeug einmal komplett durch Leitungen, Filter und Einspritzung geht. Ein Additiv, das nur im Tank schwimmt, hilft der Einspritzpumpe genau nichts.

Das ist eine halbe Stunde Arbeit. Wirklich, mehr ist das nicht.

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Was der Spaß kostet, wenn ihr es lasst

Ich mache das ungern an Zahlen fest, weil jeder Tank anders sitzt. Aber die Größenordnung sollt ihr kennen, sonst wirkt so ein Additiv-Kanister für dreißig Euro wie unnötiger Luxus.

Was anstehtWas passiert
Vorsorge im HerbstAdditiv, ein Filter, frischer Diesel. Eine halbe Stunde Arbeit.
Filter zu, Motor stirbt abFilterwechsel, System entlüften, Fehlersuche. Meist ein Werkstatttag.
Tank kontaminiertDiesel abpumpen, Tank reinigen oder ausbauen, Leitungen spülen. Schnell ein vierstelliger Betrag.
Entsorgung des AltdieselsKommt obendrauf. Sondermüll wird nach Menge abgerechnet, nicht nach Mitleid.

Und der Ausbau ist bei vielen Booten das eigentliche Problem. Der Tank sitzt unter dem Boden, festlaminiert, mit der Kabineneinrichtung obendrauf. Wer da rankommen will, baut erst mal ein halbes Boot auseinander. Das ist keine Materialrechnung, das ist eine Stundenrechnung.

Traut eurer Nase

Eine Sache noch, weil sie uns hier tatsächlich passiert ist. Wir hatten einen Diesel in der Hand, der roch nach Petroleum. Nicht falsch getankt, nicht verwechselt, einfach komisch.

Wir sind damit zur DEKRA gefahren und haben eine Analyse machen lassen. Ergebnis: Der Diesel war Schrott.

Also: Wenn euch am Kraftstoff etwas komisch vorkommt, riecht hin. Nehmt eine Probe im Marmeladenglas, stellt sie einen Tag hin und guckt euch an, was sich absetzt. Zwei Phasen im Glas sind eine Ansage. Das kostet nichts und spart im Zweifel eine Menge Ärger.

Merksatz für den Herbst, und den schreibt euch hinter die Ohren: voll, sauber, behandelt und einmal warmgefahren. Dann hat der kleine Pilz im Tank nichts zu feiern.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut, und guckt heute Abend mal in euren Wasserabscheider.

Häufig gestellte Fragen


Soll der Dieseltank über Winter voll oder leer sein?

Voll. Je weniger Luft über dem Kraftstoff steht, desto weniger Kondenswasser schlägt sich beim Temperaturwechsel an der Tankwand nieder, und Wasser am Tankboden ist die Grundlage für die Dieselpest. Wichtig ist die Reihenfolge: erst den Wasserabscheider prüfen und ablassen, dann Additiv zugeben, dann mit frischem Diesel volltanken.


Woran erkenne ich Dieselpest im Tank?

Am deutlichsten am Wasserabscheider: eine trübe Schicht, Wassertropfen oder brauner bis schwarzer Schleim im Glas. Im Betrieb zeigt sie sich durch Filter, die viel zu schnell zusetzen, durch Leistungsverlust unter Last und einen Motor, der ohne erkennbaren Grund abstirbt. Eine Kraftstoffprobe im Glas, die sich über Nacht in zwei Schichten trennt, ist ein klares Zeichen.


Hilft ein Additiv auch, wenn der Tank schon befallen ist?

Nur begrenzt. Ein Biozid tötet den Bewuchs ab, aber die abgestorbene Masse bleibt im Tank und wandert weiter in Richtung Filter. Bei starkem Befall führt kein Weg an Abpumpen, Tankreinigung und einem Spülen der Leitungen vorbei. Das Additiv ist ein Vorsorgemittel, kein Reinigungsmittel.


Warum ist moderner Diesel anfälliger als früher?

Weil an den meisten Zapfsäulen B7 verkauft wird, also Diesel mit bis zu sieben Prozent Biodiesel nach DIN EN 590. Dieser Bio-Anteil zieht Wasser an und ist außerdem eine gute Nahrungsgrundlage für Bakterien und Pilze. Reiner mineralischer Diesel war in dieser Hinsicht deutlich gutmütiger.


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