Moin, ihr Lieben. Wir hatten hier eine Kiste auf dem Hof, bei der alles vorhanden war. Bilgenpumpe drin, Schwimmerschalter dran, Sicherung gesetzt, Schlauch verlegt. Alles da.

Und trotzdem hätte das Boot absaufen können.

Warum? Weil es nicht reicht, dass eine Pumpe da ist. Es kommt darauf an, wann sie anspringt, wo sie sitzt und ob überhaupt Strom auf ihr liegt, wenn ihr nicht an Bord seid. Und genau da liegt bei den meisten Booten der Hund begraben.

Der Schwimmerschalter kommt zu spät

Guckt euch so einen klassischen Schwimmerschalter mal an, diesen Kasten mit dem Klappdeckel, der neben der Pumpe sitzt. Der hat eine Bauhöhe, und er schaltet erst, wenn der Schwimmer oben ist.

Das heißt im Klartext: Bis das Ding überhaupt loslegt, steht euch schon eine ordentliche Menge Wasser in der Bilge. Nicht ein Schlückchen. Eine Menge.

Und damit sind wir bei dem, was mich daran ärgert: In der Zeit, in der der Schalter noch schläft, steht das Wasser längst da, wo es nichts zu suchen hat. An der Lichtmaschine. Am Anlasser. An den Steckverbindungen unten. Der kleine grüne Teufel bedankt sich, und im Frühjahr wundert ihr euch, warum nichts mehr geht.

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Pumpe unerreichbar unter der Maschine, Sieb zugesetzt, Kabel zu dünn: Solche Einbauten ordentlich neu zu machen, ist Werkstattarbeit. Der Bootsdoktor macht sie.
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Und dann sitzt sie auch noch unter der Maschine

Jetzt kommt der zweite Teil, und da rege ich mich ehrlich gesagt gern mal auf.

Bei vielen Booten sitzt die Bilgenpumpe unter dem Motor. Nicht daneben. Darunter. Der Grund ist die Bauweise ab Werk: Erst wird unten alles reingelegt, ganz zum Schluss kommt die Maschine obendrauf. Ob da später noch ein Mensch mit einer Hand hinkommt, spielt bei der Planung keine Rolle.

Das Ergebnis seht ihr bei uns in der Werkstatt: Eine Pumpe, an die man nicht rankommt, mit einem Ansauggitter, das seit Jahren nicht gereinigt wurde. Das Gitter soll den Dreck draußen halten. Wenn es zu ist, hält es das Wasser draußen.

Also: Wenn ihr eh mal an der Bilge seid, greift einmal hin. Kommt ihr an die Pumpe ran? Kommt ihr an das Sieb ran? Wenn nicht, gehört das auf die Liste. Eine Pumpe, die man nicht warten kann, ist keine Sicherheit, die ist Dekoration.

Was ich stattdessen einbaue

Es gibt heute schlanke, flach bauende Pumpen mit elektronischer Wassererkennung. Kein Schwimmer, kein Klappdeckel, sondern ein Sensor unten im Gehäuse.

Das Ding merkt, dass Wasser da ist, und pumpt ab. Bei wenig Wasser. Und weil es flach ist, saugt es wirklich am tiefsten Punkt, statt zwei Fingerbreit darüber. Manche Modelle lassen sich sogar seitlich legen und haben drehbare Abgänge, was in einer engen Bilge Gold wert ist.

Der zweite Punkt ist mir noch wichtiger als die Bauform.

Die Pumpe gehört auf Dauerplus. Direkt an die Batterie, mit eigener Sicherung dicht am Pluspol, nicht über den Hauptschalter.

Ihr kennt doch diese Schalter im Cockpit mit den drei Stellungen: Aus, Automatik, Ein. Nun stellt euch vor, euer Boot liegt im Hafen, ihr seid 200 Kilometer weg, es kommt Wasser rein, und dieser Schalter steht auf Aus. Weil ihn beim Aufräumen jemand umgelegt hat.

Dann ruft euch der Hafenmeister an. Und das ist kein Anruf, den ihr haben wollt.

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Die Literangabe auf dem Karton ist geschönt

Noch etwas, das kaum einer weiß und das beim Kaufen wichtig ist.

Auf der Verpackung steht zum Beispiel 2.000 Liter pro Stunde. Diese Zahl wird bei freiem Auslass gemessen, ohne Schlauch, ohne Höhe, bei perfekter Spannung. So läuft aber keine Pumpe in einem Boot.

In echt zieht ihr das Wasser einen Meter oder mehr nach oben, durch einen langen Schlauch mit Bögen, und die Bordspannung sackt auch noch ab. Was unten ankommt, ist deutlich weniger als das, was draufsteht.

  • Rechnet großzügig. Wer knapp dimensioniert, hat im Ernstfall gar nichts.
  • Vernünftiger Kabelquerschnitt. Zu dünn heißt Spannungsabfall, und Spannungsabfall heißt weniger Förderleistung. Genau dann, wenn es zählt.
  • Schlauch mit Schwanenhals nach oben führen, damit nicht alles zurückläuft, sobald die Pumpe aus ist.
  • Zwei Pumpen sind besser als eine. Unten die kleine Sensorpumpe für Schwitz- und Regenwasser, darüber eine große Notpumpe mit eigenem Kreis. Die kleine arbeitet das ganze Jahr, die große hoffentlich nie.

Das billigste Bauteil an Bord

Wenn ihr aus dem ganzen Text nur eine Sache mitnehmt, dann diese: Baut euch einen Bilgenwasseralarm ein.

Ein Fühler unten, ein Piepser oben, fertig. Das kostet ein paar Euro und sagt euch, dass Wasser kommt, bevor die Pumpe den Kampf allein verliert. Eine Pumpe, die still vor sich hin arbeitet, verheimlicht euch nämlich das eigentliche Problem: dass da irgendwo Wasser reinkommt.

Und das gilt besonders für alle, deren Boot über Winter im Wasser bleibt. Da sammelt sich Regenwasser unter der Persenning, läuft rein, die Pumpe arbeitet, die Batterie zieht Saft, und irgendwann ist die Batterie leer. Dann arbeitet nichts mehr.

Merkt euch das so: Eine Bilgenpumpe hält euer Boot trocken. Sie hält es nicht über Wasser. Wer ein echtes Leck hat, braucht andere Mittel, und die sollten an Bord liegen, bevor ihr sie braucht.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Geht heute Abend mal in die Bilge und guckt nach, auf welcher Stellung euer Schalter steht.

Häufig gestellte Fragen


Warum schaltet ein Schwimmerschalter zu spät?

Weil er eine Bauhöhe hat und erst auslöst, wenn der Schwimmer oben angekommen ist. Bis dahin steht bereits eine erhebliche Menge Wasser in der Bilge, oft schon auf Höhe von Lichtmaschine, Anlasser und Steckverbindungen. Flach bauende Pumpen mit elektronischem Sensor erkennen Wasser deutlich früher und saugen am tiefsten Punkt ab.


Soll die Bilgenpumpe auf Dauerplus liegen?

Ja. Sie gehört direkt an die Batterie, mit eigener Sicherung dicht am Pluspol, und nicht hinter den Hauptschalter. Ein Cockpitschalter mit den Stellungen Aus, Automatik und Ein ist eine Fehlerquelle: Steht er versehentlich auf Aus, während das Boot unbeaufsichtigt im Hafen liegt, läuft die Pumpe im Ernstfall nicht an.


Stimmt die Literangabe auf der Verpackung?

Nur unter Laborbedingungen. Gemessen wird bei freiem Auslass ohne Schlauch, ohne Förderhöhe und bei voller Spannung. Im Boot kommen Förderhöhe, Schlauchlänge, Bögen und Spannungsabfall dazu, sodass real deutlich weniger ankommt. Dimensioniere deshalb großzügig und achte auf einen ausreichenden Kabelquerschnitt.


Brauche ich zwei Bilgenpumpen?

Auf allen Booten, die unbeaufsichtigt liegen, ist das sinnvoll. Unten arbeitet eine kleine Sensorpumpe gegen Schwitz- und Regenwasser, höher gesetzt sitzt eine leistungsfähige Notpumpe mit eigenem Stromkreis. Dazu gehört ein Bilgenwasseralarm, denn eine Pumpe, die unbemerkt läuft, verdeckt die eigentliche Ursache des Wassereinbruchs.


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