Sicherheitsausrüstung ist die Sorte Material, die man kauft und hofft, sie nie zu brauchen. Genau darin liegt die Tücke. Weil sie selten zum Einsatz kommt, gerät sie leicht in Vergessenheit, verstaubt in einer Backskiste und ist im Ernstfall abgelaufen, verbaut oder schlicht nicht griffbereit. Dabei entscheidet gerade diese Ausrüstung in dem einen kritischen Moment darüber, wie eine Situation ausgeht. Ein Überblick, was an Bord gehört, was Pflicht ist und was die Erfahrung empfiehlt.

Pflicht und Empfehlung sind zweierlei

Vorweg eine wichtige Unterscheidung. Was an Sicherheitsausrüstung vorgeschrieben ist, hängt vom Revier, von der Bootsgröße und von der Flagge ab, unter der ein Boot fährt. Die genauen Vorgaben solltest Du für Dein Revier immer aktuell prüfen. Daneben steht die Empfehlung aus der Praxis, und die geht fast immer über das gesetzliche Minimum hinaus. Wer nur das Nötigste an Bord hat, erfüllt vielleicht die Vorschrift, ist aber noch lange nicht gut vorbereitet.

Die Rettungsweste: das wichtigste Stück an Bord

Keine andere Ausrüstung rettet so viele Leben wie die Rettungsweste. Entscheidend sind drei Dinge. Sie muss zur Person passen, also zu Gewicht und Größe. Sie muss regelmäßig geprüft werden, vor allem die automatischen Modelle mit ihren Auslösepatronen. Und sie muss getragen werden, nicht im Schapp liegen. Eine Weste in der Backskiste hat noch niemanden über Wasser gehalten. Moderne automatische Westen sind leicht und kaum spürbar, es gibt also kaum noch einen guten Grund, sie abzulegen.

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Signalmittel: gesehen werden, wenn es zählt

Wer in Not gerät, muss auf sich aufmerksam machen können. Dazu dienen pyrotechnische Seenotsignale wie Handfackeln, Fallschirmraketen und Rauchsignale, die je nach Revier vorgeschrieben sein können. Sie haben ein Verfallsdatum und müssen rechtzeitig erneuert werden. Mindestens ebenso wichtig ist heute das UKW-Seefunkgerät mit DSC, über das sich auf Knopfdruck ein Notruf mit Position absetzen lässt. Für längere Fahrten kommen Notsender wie EPIRB oder PLB dazu, die über Satellit Alarm schlagen.

Feuer an Bord: der unterschätzte Notfall

Ein Brand auf einem Boot ist eine der gefährlichsten Situationen überhaupt, denn der Fluchtweg ist begrenzt. An Bord gehören geeignete Feuerlöscher, griffbereit und an mehr als einer Stelle, vor allem in der Nähe von Motorraum und Kombüse. Eine Löschdecke in der Pantry ergänzt sie sinnvoll. Wichtig ist, dass die Löscher gewartet und nicht hinter Gepäck begraben sind. Im Brandfall zählt jede Sekunde, in der man nicht erst suchen muss.

„Sicherheitsausrüstung nützt nur, wenn sie funktioniert, griffbereit ist und jeder an Bord weiß, wo sie liegt. Alles andere ist falsche Sicherheit.“

Erste Hilfe und Bordapotheke

Auf dem Wasser ist der nächste Arzt oft weit entfernt. Eine durchdachte Bordapotheke gehört deshalb auf jedes Boot, abgestimmt auf die Crew und das Revier. Verbandmaterial, Mittel gegen Seekrankheit, persönliche Medikamente und eine Grundausstattung für kleinere Verletzungen sind das Minimum. Wer länger und weiter unterwegs ist, erweitert sie entsprechend. Genauso wichtig wie der Inhalt ist das Wissen, ihn zu benutzen. Ein Erste-Hilfe-Kurs mit Bezug zum Wassersport ist gut investierte Zeit.

Wasser im Boot und Mensch über Bord

Zwei Szenarien verdienen besondere Aufmerksamkeit. Gegen eindringendes Wasser braucht es funktionierende Lenzpumpen, idealerweise elektrisch und manuell, dazu Material, um ein Leck provisorisch zu stopfen. Für den Fall, dass jemand über Bord geht, gehören Rettungsring, Wurfleine und eine Möglichkeit, die Person wieder an Bord zu bekommen, zur Grundausstattung. Beides will nicht nur vorhanden, sondern auch geübt sein, denn im Ernstfall bleibt keine Zeit zum Nachdenken.

Was die Erfahrung zusätzlich empfiehlt

Über die einzelnen Geräte hinaus gibt es eine Ausrüstung, die nichts kostet und doch entscheidend ist: das Wissen der Crew. Jeder an Bord sollte wissen, wo die Westen liegen, wie der Funk bedient wird und was im Notfall zu tun ist. Eine kurze Sicherheitseinweisung zu Beginn jedes Törns, gerade für Gäste, ist gelebte Seemannschaft. Dazu kommt die regelmäßige Kontrolle aller Verfallsdaten, von den Signalmitteln über die Westenpatronen bis zur Bordapotheke.

Rettungsmittel für den Ernstfall über Bord

Geht eine Person über Bord, zählt jede Sekunde, und es zählt das Material, das sofort zur Hand ist. Ein Rettungsring mit Leine, eine schwimmfähige Wurfleine und idealerweise ein automatisch ausgelöstes Licht oder eine Boje markieren die Stelle und geben der Person etwas zum Festhalten. Genauso wichtig ist eine durchdachte Möglichkeit, einen erschöpften Menschen wieder an Bord zu holen, denn aus eigener Kraft gelingt das aus dem Wasser oft nicht. Eine Badeleiter allein reicht bei Welle und Kälte selten. Wer hier vorab eine Lösung hat und sie einmal ausprobiert, gewinnt im Ernstfall wertvolle Minuten.

Für Fahrten weiter hinaus kommt die Rettungsinsel dazu, die im Notfall ein letztes sicheres Refugium bietet. Sie muss regelmäßig gewartet werden, sonst öffnet sie sich im entscheidenden Moment womöglich nicht. Eine ungewartete Insel ist eine teure, gefährliche Scheinsicherheit.

Gesehen werden: Lichter und Reflexion

Ein großer Teil der Sicherheit auf dem Wasser besteht schlicht darin, von anderen gesehen zu werden. Die vorgeschriebene Lichterführung muss funktionieren und korrekt sein, gerade in der Dämmerung und bei Nacht. Ein Radarreflektor hilft, dass kleinere Boote auf den Schirmen der Berufsschifffahrt überhaupt erscheinen. Und eine leistungsfähige, wasserdichte Handlampe gehört griffbereit, nicht nur zum Suchen, sondern auch, um sich im Notfall bemerkbar zu machen. Diese Dinge kosten wenig und wirken viel.

Der Sicherheits-Check vor der Saison

Damit aus guter Ausrüstung auch verlässliche Sicherheit wird, gehört einmal im Jahr ein gründlicher Durchgang dazu. Diese Punkte solltest Du dabei abhaken:

AusrüstungWorauf Du prüfst
RettungswestenPassform, Auslösepatrone und Verfallsdatum, sichtbare Schäden
SignalmittelVerfallsdatum, vollständige Anzahl, trockene Lagerung
FeuerlöscherDruck, Wartungsstand, freie Erreichbarkeit
Funk und NotsenderFunktion, Akku, registrierte Daten aktuell
BordapothekeVerfallsdaten, Vollständigkeit, persönliche Medikamente
LenzpumpenFunktion elektrisch und manuell, freie Ansaugung
Prüf- und Serviceplan als PDF herunterladenKostenlos: Was an Bord muss (nach Personenzahl und Bootsgröße) und in welchen Abständen du es prüfst.

Dieser eine Termin im Frühjahr ist gut investierte Zeit. Er sorgt dafür, dass im Notfall nichts abgelaufen, leer oder verbaut ist.

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Sicherheit ist kein Zustand, sondern Pflege

Die beste Ausrüstung verliert ihren Wert, wenn sie nicht gewartet und nicht beherrscht wird. Wer einmal im Jahr alles durchgeht, abgelaufene Teile ersetzt und die Handgriffe mit der Crew durchspielt, fährt mit einem ganz anderen Gefühl hinaus. Nicht aus Angst, sondern aus Souveränität. Genau das ist der eigentliche Sinn der ganzen Ausrüstung: dass man sich aufs Wasser konzentrieren kann, weil man für den Fall der Fälle vorbereitet ist.

Weiterlesen: Ostsee-Törn für Einsteiger

Häufig gestellte Fragen


Welche Sicherheitsausrüstung ist an Bord Pflicht?

Was vorgeschrieben ist, hängt von Revier, Bootsgröße und Flagge ab und sollte für das eigene Revier immer aktuell geprüft werden. Die Empfehlung aus der Praxis geht fast immer über das gesetzliche Minimum hinaus.


Worauf kommt es bei der Rettungsweste an?

Auf drei Dinge: Sie muss zur Person passen (Gewicht und Größe), regelmäßig geprüft werden (bei Automatikwesten die Auslösepatrone) und vor allem getragen werden – eine Weste in der Backskiste hat noch niemanden über Wasser gehalten.


Welche Signalmittel gehören an Bord?

Je nach Revier pyrotechnische Seenotsignale wie Handfackeln, Fallschirmraketen und Rauchsignale (mit Verfallsdatum), dazu ein UKW-Seefunkgerät mit DSC für den Notruf auf Knopfdruck. Für längere Fahrten kommen Satelliten-Notsender wie EPIRB oder PLB dazu.


Wie oft sollte man die Sicherheitsausrüstung prüfen?

Einmal im Jahr, am besten vor der Saison: Rettungswesten, Signalmittel, Feuerlöscher, Funk und Notsender, Bordapotheke und Lenzpumpen auf Funktion, Verfallsdaten und freie Erreichbarkeit kontrollieren.