Moin, ihr Lieben. Hier steht ein 4,3-Liter-V6 mit Einspritzung, also eine Maschine mit Hirn, mit Steuergerät. Und die läuft, wie man bei uns sagt, wie ein Sack Nüsse. Unrund, stotternd, keine Freude.

Marcel hat den großen Kombistecker am Steuergerät abgezogen. Und da sitzt er: ein Pin, der nicht mehr schön ist. Von innen kaputt. Der kleine grüne Teufel hat sich da reingefressen.

Jetzt fragt euch mal ehrlich: Wie oft habt ihr diesen Stecker in eurem Leben schon abgezogen? Eben. Nie. Und genau das ist das Problem.

Warum Elektronik im Bootsmotor so empfindlich ist

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen elektronisch gesteuerte Maschinen. Ob 4,3er oder 5,7er, ob MerCruiser oder Volvo, egal. Die laufen ruhig und verbrauchen deutlich weniger als die alten Vergasermotoren. Das macht Sinn.

Nur bei der Reparatur sind sie schlechter dran. Weil es viel mehr Stellen gibt, an denen etwas kaputtgehen kann. Und viele Teile dieser Elektronik kommen aus dem Autobereich.

Im Auto ist das kein Problem. Da ist der Motor von unten geschützt, von oben geschützt, und rundherum kommt ganz viel Luft ran und wieder raus. Im Boot macht ihr den Motorraumdeckel zu, und dann bleibt die Feuchtigkeit da drin. Tagelang. Den ganzen Winter.

Feuchtigkeit im Boot ist immer schlecht. Feuchtigkeit im Motorraum mit Elektronik ist richtig, richtig schlecht.

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Einspritzer läuft unrund? Fehlersuche an Steuergerät, Steckern und Einspritzventilen gehört in Hände, die Bootsmotoren kennen.
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Unrunder Lauf: der Stecker ist nur eine Möglichkeit

Ich will euch nichts vormachen. Wenn ein Einspritzer unrund läuft, ist die Liste der Verdächtigen lang. Das können genauso gut die Einspritzventile sein, die nicht mehr die richtige Menge bringen. Das kann ein Sensor sein. Oder eben ein Stecker. Das ist Puzzlearbeit, und da sucht man auch mal länger.

Aber korrodierte Kontakte kommen bei uns in der Halle häufiger vor, als man denkt. Und weil keiner nachguckt, findet sie auch keiner, bevor die Maschine anfängt zu spinnen.

Soll man also selbst mal an den Steckern vom Steuergerät rumziehen und nachgucken? Ehrliche Antwort: Wer nicht weiß, was er da tut, lässt die Finger davon. Steuergeräte sind sehr empfindlich, und ein abgebrochener Verriegelungshaken oder ein verbogener Pin macht aus einem kleinen Problem ein teures. Was ihr selber machen könnt, ist hingucken: Grüner oder weißer Belag am Stecker, Wasserspuren am Kabelbaum, Rost an den Halterungen. Dann ab damit in die Werkstatt.

Wo das Wasser herkommt

Bei diesem Boot sieht man es von außen, wenn man nur hinten auf die Ecke guckt. Da ist die Badeplattform, aber kein Süllrand, nichts, was das Wasser aufhält. Und da ist eine Laufspur. Klick, klack, Tropfen für Tropfen läuft das Regenwasser genau dahin, wo die Maschine sitzt.

Ganz ausschalten könnt ihr Feuchtigkeit im Motorraum nicht. Das funktioniert nicht, oder nur sehr schwer. Aber ihr könnt sie stark reduzieren, und darum geht es.

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So haltet ihr den Motorraum trocken

  • Automatische Bilgenpumpe rein. Eine Pumpe, die man nur von Hand einschalten kann, hilft nichts, wenn das Boot zwei Wochen allein liegt. Wie man die richtig auswählt und einbaut, steht in meinem Stück zur Bilgenpumpe.
  • Lüftung frei lassen. Bei diesem Boot freut mich eins: Die Luftein- und -auslässe sind da und frei. Ich sehe so viele Maschinenräume, die komplett zugebaut sind. Da frage ich mich, wie die Maschine überhaupt noch Luft kriegen soll. Und die Feuchtigkeit kommt da auch nicht raus.
  • Laufwege fürs Regenwasser suchen. Einmal bei Regen ans Boot gehen und gucken, wo es hinläuft. Eine Laufspur am Gelcoat zeigt euch den Weg.
  • Im Winterlager richtig abdecken. Dicht von oben, aber mit Luft drunter. Eine Plane, die alles luftdicht einpackt, züchtet euch die Feuchtigkeit. Mehr dazu im Text zur Winterplane.
  • Sichtprüfung bei jedem Service. Stecker, Kabelbaum, Masseverbindungen angucken lassen. Was früh gefunden wird, ist billig.

Wie ihr normale Kabelverbindungen und Klemmen an Bord gegen Salzwasser und Feuchtigkeit schützt, habe ich in einem eigenen Stück aufgeschrieben: Kabel und Klemmen gegen Salzwasser schützen.

Merksatz: Feuchtigkeit und Elektronik vertragen sich nicht. Im Auto zieht sie weg, im Boot bleibt sie drin.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut, und guckt euch den Stecker hinten mal an. Angucken, nicht dran rumreißen.

Häufig gestellte Fragen


Warum läuft mein Einspritzer-Bootsmotor unrund?

Die Liste der möglichen Ursachen ist lang: verschlissene oder verschmutzte Einspritzventile, defekte Sensoren oder korrodierte Steckverbindungen am Steuergerät. Gerade Korrosion an den Pins wird oft übersehen, weil diese Stecker selten gelöst werden. Die Fehlersuche gehört bei elektronisch gesteuerten Motoren in eine Fachwerkstatt.


Kann ich die Stecker am Steuergerät selbst reinigen?

Ohne Erfahrung besser nicht. Steuergeräte und ihre Steckverbindungen sind empfindlich, Verriegelungen brechen leicht und Pins verbiegen. Selbst prüfen kannst Du per Sichtkontrolle: grüner oder weißer Belag, Wasserspuren am Kabelbaum oder Rost an Halterungen sind ein Grund für den Werkstattbesuch.


Wie verhindere ich Feuchtigkeit im Motorraum?

Ganz vermeiden lässt sie sich nicht, aber stark reduzieren: mit einer automatischen Bilgenpumpe, freien Lüftungsöffnungen, dem Abstellen von Laufwegen für Regenwasser und einer Winterabdeckung, die von oben dicht ist und darunter Luft zirkulieren lässt.


Sind elektronisch gesteuerte Bootsmotoren schlechter als Vergasermotoren?

Nein. Sie laufen ruhiger und verbrauchen weniger Kraftstoff. Sie haben aber mehr mögliche Fehlerquellen und reagieren empfindlicher auf Feuchtigkeit, weil viele Elektronikbauteile aus dem Autobereich stammen und dort für einen offenen, gut belüfteten Motorraum ausgelegt sind.


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