Moin. Es gibt einen Geruch, den jeder Bootseigner sofort erkennt und den niemand beschreiben kann. Man macht im April den Niedergang auf, und er ist da. Muffig, klamm, ein bisschen erdig.

Das ist der Moment, in dem Du weißt: Der Winter hat gearbeitet, und zwar gegen Dich.

Die gute Nachricht ist, dass Schimmel an Bord kein Schicksal ist, sondern eine Rechnung mit drei bekannten Größen. Wenn Du die kennst, kannst Du sie beeinflussen.

Die drei Größen

Feuchtigkeit. Schimmel wächst, sobald die relative Luftfeuchte dauerhaft über etwa 70 Prozent liegt. Darunter passiert wenig, darüber geht es los.

Kalte Flächen. Warme, feuchte Luft trifft auf einen kalten Rumpf, und das Wasser fällt aus. Genau an den Stellen, an denen es niemand sieht: hinter Polstern, in Schapps an der Außenwand, unter der Matratze in der Achterkoje.

Stehende Luft. Ein Boot ohne Luftbewegung ist eine Schimmelkiste. Nichts trocknet ab, alles bleibt, wo es hinfällt.

Und hier liegt der Denkfehler, den die meisten machen: Sie bekämpfen die Feuchtigkeit und lassen die Luft stehen. Dabei ist die stehende Luft der Teil, den Du am einfachsten ändern kannst.

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Woher die Feuchte kommt, wenn das Boot doch abgedeckt ist

Das fragen mich Leute jedes Jahr: Das Boot steht trocken unter der Plane, wo soll das Wasser herkommen?

  • Aus dem Boot selbst. Polster, Holz, Teppich und Segel geben monatelang Restfeuchte ab. Ein Schaumpolster trocknet nicht in zwei Wochen durch.
  • Aus der Bilge. Ein paar Liter Restwasser verdunsten langsam und füllen den ganzen Innenraum mit Feuchte.
  • Von außen durch Undichtigkeiten. Fenstergummis, Decksdurchbrüche, Relingstützen, der Mastfuß. Nach jedem Regen tropft es ein bisschen, und über einen Winter summiert sich das.
  • Aus der Luft selbst, bei jedem Temperaturwechsel. Auch ohne dass jemand an Bord ist.

Deshalb ist die dichte Abdeckung Teil des Problems und nicht die Lösung. Wie Du die Plane so legst, dass Luft von unten nach oben ziehen kann, steht ausführlich im Persenning-Artikel.

Weiterlesen: Persenning und Winterplane: was Dein Boot wirklich schützt

Schimmel bekämpfst Du nicht mit Chemie, sondern mit Luft. Alles andere behandelt die Flecken und nicht die Ursache.

Was tatsächlich hilft

  • Alles öffnen, was Türen hat. Schranktüren, Schapps, Backskisten, die Kühlbox. Geschlossene Fächer sind die Orte, an denen es zuerst anfängt.
  • Polster hochkant stellen, damit Luft an beide Seiten kommt. Noch besser: mit nach Hause nehmen. Sie sind der größte Feuchtespeicher an Bord.
  • Bodenbretter anheben und die Bilge trocken wischen, nicht nur auspumpen.
  • Matratzen aufstellen oder wenigstens ein Lüftungsgitter darunterlegen. Eine Matratze, die flach auf einer kalten Fläche liegt, schimmelt von unten.
  • Ein Entfeuchter dazu, aber als Ergänzung, nicht als Ersatz. Granulatentfeuchter sind wartungsarm und stromlos, elektrische arbeiten stärker, brauchen aber Strom und einen Ablauf oder regelmäßiges Leeren.

Und einmal im Winter hinfahren. Ein Boot, in dem im Januar jemand für eine Stunde alles aufreißt, sieht im April anders aus.

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Was im Tank steht, ist ein eigenes Thema

Beim Thema Feuchtigkeit denken alle an die Kabine. Der zweite Ort, an dem über den Winter etwas wächst, ist das Frischwassersystem, und den sieht man nicht.

Standwasser in Tank, Leitungen und Boiler ist über Monate ein Nährboden. Deshalb gehört das System entweder vollständig entleert oder mit Frostschutz gefüllt, und im Frühjahr gründlich gespült, bevor Du das erste Mal trinkst.

Wie Boiler und Leitungen richtig eingewintert werden, steht in Dieters Sprechstunde. Und wie das Wasser über die Saison sauber bleibt, haben wir an Bord ausprobiert, in einem Test in eigener Sache, weil das getestete Mittel aus unserem eigenen Haus kommt.

Weiterlesen: Boiler einwintern: das Bauteil, das nicht von selbst leerläuft · Frischwasser an Bord sauber halten (Test in eigener Sache)

Wenn er schon da ist

Dann gilt die Reihenfolge: erst entfernen, dann trocknen, dann die Ursache abstellen. Wer nur wischt, wischt im nächsten Jahr wieder.

Arbeite mit Handschuhen und offenen Luken, und trag bei größeren Flächen eine Maske. Schimmelsporen atmet man nicht freiwillig ein, und ein Boot ist ein kleiner Raum.

Danach kommt der eigentliche Teil: Finde heraus, warum es an genau dieser Stelle passiert ist. Ein Fleck hinter dem Backskistendeckel ist eine Undichtigkeit. Ein Fleck an der Außenwand hinter dem Polster ist eine Kältebrücke ohne Luft. Das sind zwei verschiedene Probleme mit zwei verschiedenen Lösungen, und keins davon heißt Putzmittel.

Wer die Ursache findet, hat das Thema für Jahre erledigt. Wer nur die Flecken sieht, hat es jedes Frühjahr neu.

Häufig gestellte Fragen


Ab wann entsteht Schimmel an Bord?

Sobald die relative Luftfeuchte dauerhaft über etwa 70 Prozent liegt und die Luft steht. Dazu kommen kalte Flächen, an denen die Feuchte ausfällt, meist hinter Polstern, in Schapps an der Außenwand und unter Matratzen.


Warum wird mein Boot feucht, obwohl es abgedeckt ist?

Weil die Feuchtigkeit größtenteils aus dem Boot selbst kommt: aus Polstern, Holz, Teppich, Segeln und Restwasser in der Bilge. Eine dichte Abdeckung hält diese Feuchte zusätzlich fest, statt sie entweichen zu lassen.


Hilft ein Luftentfeuchter gegen Schimmel?

Als Ergänzung ja, als alleinige Maßnahme nein. Er entzieht der Luft Feuchtigkeit, erreicht ohne Zirkulation aber die geschlossenen Fächer und die Flächen hinter den Polstern gar nicht.


Was mache ich, wenn schon Schimmel da ist?

Erst entfernen, dann trocknen, dann die Ursache abstellen. Mit Handschuhen und offenen Luken arbeiten, bei größeren Flächen mit Maske. Anschließend klären, ob an der Stelle eine Undichtigkeit oder eine Kältebrücke ohne Luftzirkulation vorliegt.


Weiterlesen: Winterlager: Halle, Freiland oder Wasser? · Frischwasser und Abwasser an Bord managen