Moin, ihr Lieben. Manchmal schreibt die Werkstatt die besseren Geschichten. Ich hatte gerade erklärt, warum der Ölwechsel in den Herbst gehört und nicht ins Frühjahr. Ein paar Minuten später rollt das nächste Boot auf den Hof. Und genau an dem sehen wir, wovon ich geredet habe.
Ich hätte mir den Beweis nicht besser bestellen können. Gefreut hat mich das trotzdem nicht.
Was die Kamera im Brennraum zeigt
Jedes Boot, das bei uns reinkommt, kriegt zwei Untersuchungen, bevor wir irgendwas schrauben. Wie beim Onkel Doktor. Erst wird die Kompression gemessen, dann geht Marcel mit der Endoskopkamera durchs Zündkerzenloch in die Brennräume. Und zwar ruhig, nicht zappeln, sonst sieht man auf dem Bildschirm gar nichts.
Bei diesem Motor war es eindeutig. In einem Zylinder steht Feuchtigkeit im Brennraum. Da gehört sie nicht hin, und da kommt sie auch nicht von allein wieder raus.
Die Vorgeschichte war genau die, vor der ich warne: Boot im Herbst abgestellt, altes Öl drin, Ölwechsel fürs Frühjahr eingeplant, ab in die Scheune. Das Öl hat den Winter über Wasser gesammelt, und ein Teil davon sitzt jetzt da, wo im Sommer verbrannt wird.
Ist die Maschine jetzt hinüber?
Nein. Und das muss ich ehrlich dazusagen, weil sonst jeder gleich das Schlimmste denkt.
Der Mann hat Glück gehabt. Es ist ein Zylinder von sechs. Hätten alle so ausgesehen, würden wir hier über einen anderen Betrag reden. So sprühen wir was rein, damit es nicht weitergeht, und kriegen die Kiste wieder zum Laufen.
Aber umsonst ist das nicht. Feuchtigkeit im Zylinder heißt Rost an der Laufbahn, und was da einmal angefressen ist, wird nicht wieder neu. Die Lebensdauer von dem Motor ist kürzer geworden. Wie viel, sagt euch keiner. Sicher ist nur: Das war vermeidbar.
Es gibt Leute, die können sich alle vier, fünf Jahre eine neue Maschine leisten. Ich nicht. Und ich behaupte mal, ihr auch nicht. Muss man aber auch gar nicht, wenn man den Herbst ernst nimmt.
Ablassen ist nicht einwintern
Jetzt kommt der Punkt, an dem viele denken, sie hätten alles richtig gemacht.
Bei vielen Motoren gibt es die kleinen Ablassschrauben am Block, oft blau markiert. Aufdrehen, Wasser rauslaufen lassen, fertig. Frost kann nichts mehr sprengen, also ist der Motor eingewintert. Denkt man.
Gegen Frost hilft das. Gegen Feuchtigkeit nicht. Die Feuchtigkeit sitzt im Motor, an den Wänden, in der Luft im Block, und die geht nicht durch so ein kleines Löchlein raus. Die bleibt da den ganzen Winter und arbeitet.
Deshalb sage ich es noch mal: Ein vernünftiges Einwinterungsmittel ist nicht einfach Frostschutz. Da sind Additive drin, die konservieren. Die legen einen Film auf die Flächen, an die sonst nur feuchte Luft kommt. Das ist der ganze Unterschied zwischen „Wasser raus“ und „Motor geschützt“. Wie das beim Zweikreiser läuft, steht in meinem Stück zur Zweikreiskühlung.
So bleibt der Brennraum über Winter trocken
Das ist alles keine Raketentechnik. Es sind ein paar Handgriffe, und die macht man jetzt, solange das Boot noch zugänglich ist.
- Ölwechsel vor dem Abstellen. Motor warmfahren, altes Öl raus, Filter neu, frisches Öl rein. Das ist die Grundlage, alles andere baut darauf auf.
- Vernünftiges Marineöl nehmen. Kein Billigöl vom Discounter. Es kommt auf die Additive an. Welche das genau sind, verraten die Hersteller nicht, und ich weiß es auch nicht. Aber ich sehe jeden Herbst den Unterschied.
- Sprit abstellen, Vergaser leer machen. Was im Vergaser stehen bleibt, verharzt über Winter. Das ist dann das nächste Problem im Frühjahr.
- Konservieren statt nur ablassen. Einwinterungsmittel mit Additiven durch den Motor, wie oben beschrieben.
- Wer es richtig gut machen will: Zündkerzen raus und in jeden Zylinder ein bisschen Ballistol oder ein anderes Konservierungsöl reinnebeln. Leicht, nicht fluten. Dann die Kerzen wieder rein. Das kostet zehn Minuten und schützt genau die Stelle, an der es bei diesem Boot schiefgegangen ist.
Und noch was für den Kauf: Wenn ihr ein gebrauchtes Boot anguckt, lasst die Brennräume mit der Kamera ansehen. Kompression allein sagt euch nicht alles. Ein Zylinder kann noch ordentlich Druck machen und trotzdem schon Rost an der Wand haben.
Merksatz für diesen Herbst: Wasser raus ist Frostschutz. Konservieren ist Motorschutz. Wer nur das eine macht, findet das andere im Frühjahr mit der Kamera.
Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut, und denkt dran, was ich euch gesagt habe.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt Feuchtigkeit in den Zylinder eines Bootsmotors?
Meist über altes Öl und feuchte Luft im Winterlager. Gebrauchtes Öl enthält Kondenswasser, und wenn der Motor monatelang kalt steht, schlägt sich Feuchtigkeit an den Innenflächen nieder, auch im Brennraum. Besonders gefährdet sind Boote, die mit altem Öl und ohne Konservierung in Scheune oder Carport abgestellt werden.
Ist ein Motor mit Feuchtigkeit im Zylinder kaputt?
Nicht zwangsläufig. Ist nur ein Zylinder betroffen und wird früh reagiert, lässt sich der Motor meist wieder in Gang bringen. Der Rost an der Zylinderlaufbahn verkürzt aber die Lebensdauer, und dieser Schaden lässt sich nicht rückgängig machen.
Reicht es, beim Einwintern das Kühlwasser abzulassen?
Gegen Frost ja, gegen Feuchtigkeit nein. Über die Ablassschrauben läuft das Wasser ab, die feuchte Luft im Motor bleibt aber drin. Ein Einwinterungsmittel mit konservierenden Additiven legt einen Schutzfilm auf die Innenflächen, das Ablassen allein tut das nicht.
Soll man Öl in die Zylinder sprühen, bevor das Boot ins Winterlager geht?
Das ist eine sinnvolle Zusatzmaßnahme: Zündkerzen herausdrehen, in jeden Zylinder leicht ein Konservierungsöl wie Ballistol einnebeln und die Kerzen wieder einsetzen. Wichtig ist, nur zu nebeln und nicht zu fluten.
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