Moin, ihr Lieben. Der häufigste Fehler bei der Fehlersuche ist nicht, dass man die Ursache nicht findet. Es ist, dass man bei der ersten aufhört.
Hier stand ein Volvo Penta kurz vor der Übergabe an den Kunden. An der Maschine war fast alles neu, bis auf die Lichtmaschine. Und trotzdem hat uns das Ding drei verschiedene Probleme nacheinander vorgesetzt, von denen jedes einzelne für sich schon gereicht hätte, um die Saison zu ruinieren.
Genau darum geht es heute: Was macht ihr, wenn ein Fehler behoben ist und es trotzdem nicht läuft?
Problem eins: er stirbt nach eineinhalb Minuten ab
Der Motor lief an, lief warm, und dann war Schluss. Nicht sofort, sondern reproduzierbar nach etwa einer Minute und zwanzig Sekunden. Immer wieder.
Die Jungs kamen zu mir ins Büro und wussten nicht weiter. Werkstatthandbuch geholt, Grundeinstellung des Vergasers geprüft. Alles stimmte. Und genau da liegt die Falle.
Die Grundeinstellung ist eine Grundeinstellung, keine Lösung. Sie ist der Ausgangspunkt für jeden Motor dieses Typs, nicht die richtige Einstellung für genau euren. Der Vergaser war schlicht zu mager eingestellt. Die eineinhalb Minuten waren exakt die Zeit, bis das vorhandene Gemisch aufgebraucht war.
Wir haben ihn dann Stück für Stück fetter gedreht, immer nur ein kleines Stück, dazwischen laufen lassen. So findet man das.
Problem zwei: der Funke verschwindet, wenn er warm wird
Das ist die fieseste Sorte Fehler überhaupt, weil sie kalt nicht auftritt. Ihr prüft alles auf der Bank, alles gut, und dann setzt es bei Betriebstemperatur aus.
Die Ursache hier: Kupferpaste am Verteiler. Gut gemeint, an der falschen Stelle. Solange alles kalt ist, passiert nichts. Sobald es warm wird, ist der Zündfunke weg.
Merkt euch das als Grundsatz: Wenn ein Fehler nur warm auftritt, sucht ihn dort, wo sich etwas ausdehnt oder leitfähig wird. Übergangswiderstände, Isolierungen, Pasten und Fette, die da nicht hingehören. Am Ende ist der Verteiler bei uns komplett ersetzt worden.
Ein behobener Fehler ist kein Beweis dafür, dass es nur einer war.
Problem drei: kurz vor der Abholung geht der Schalter nicht
Motor läuft, alles gut, Kunde kommt. Und dann reagiert der Antriebsschalter nicht.
Kein Schaltproblem, kein Elektronikdefekt. Ein Kabelbruch im Verlängerungskabel. Von außen sieht so ein Kabel tadellos aus, die Isolierung ist heil, nichts scheuert. Innen ist die Litze durch.
Solche Brüche sitzen fast immer an denselben Stellen: dort, wo das Kabel bewegt wird, direkt hinter dem Stecker, oder an einer engen Schlaufe. Wer sie sucht, misst nicht nur durch, sondern bewegt das Kabel dabei.
Wie ihr systematisch vorgeht
- Beschreibt den Fehler mit einer Zahl. Nicht „er geht manchmal aus“, sondern „nach 80 Sekunden“. Ein reproduzierbarer Zeitpunkt ist schon die halbe Diagnose.
- Trennt kalt und warm. Tritt der Fehler nur bei Betriebstemperatur auf, ist es ein anderer Kandidatenkreis als bei einem Fehler von Anfang an.
- Grundeinstellung heißt Ausgangspunkt. Wenn nach Handbuch alles stimmt und es trotzdem nicht läuft, ist nicht das Handbuch falsch, sondern euer Motor eben nicht der Durchschnitt.
- Nach der Reparatur weiterprüfen. Lasst den Motor nach jeder behobenen Ursache lange genug laufen, dass der nächste Fehler Zeit hat, sich zu zeigen.
Und noch eine Sache zu den Benzinpumpen
Weil es hier gerade passt und mich das Thema jedes Jahr einholt: Lasst bei diesen alten Maschinen die Finger von elektrischen Benzinpumpen als Ersatz für die mechanische.
Das wird gern gemacht, weil so eine Pumpe wenig kostet und die Montage einfach aussieht. In der Praxis bringt es bei einem Motor, der für eine mechanische Pumpe konstruiert ist, mehr Probleme als Vorteile. Ich habe die mechanische bei dieser Maschine geprüft, und die tut genau das, was sie soll.
Am Ende ist die Kiste angesprungen und gelaufen, wie sie soll. Drei Ursachen, drei Reparaturen, ein zufriedener Kunde. Wer nach der ersten aufgehört hätte, hätte ihn mit einem Motor losgeschickt, der ihm auf dem Wasser stehen bleibt.
Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Und denkt dran: erst suchen, dann freuen.
Häufig gestellte Fragen
Mein Motor stirbt nach kurzer Zeit ab, woran liegt das?
Ein reproduzierbarer Zeitpunkt deutet oft auf ein zu mageres Gemisch hin. Die Zeit bis zum Absterben entspricht dann der Zeit, bis das vorhandene Gemisch aufgebraucht ist. Die Grundeinstellung aus dem Handbuch ist dabei nur der Ausgangspunkt, nicht die fertige Einstellung für Deinen Motor.
Warum tritt ein Zündaussetzer nur bei Betriebstemperatur auf?
Weil sich etwas ausdehnt oder leitfähig wird. Typische Kandidaten sind Übergangswiderstände, beschädigte Isolierungen und Pasten oder Fette an Stellen, an die sie nicht gehören. Kupferpaste am Verteiler ist ein klassisches Beispiel.
Wie finde ich einen Kabelbruch?
Nicht nur durchmessen, sondern das Kabel beim Messen bewegen. Brüche sitzen fast immer dort, wo das Kabel bewegt wird, direkt hinter dem Stecker oder in einer engen Schlaufe. Von außen sieht die Isolierung dabei völlig unversehrt aus.
Kann ich eine mechanische Benzinpumpe durch eine elektrische ersetzen?
Bei Motoren, die für eine mechanische Pumpe konstruiert sind, bringt der Umbau in der Praxis mehr Probleme als Vorteile. Prüfe lieber die vorhandene mechanische Pumpe, bevor Du sie ersetzt.
Weiterlesen: Vergaser reinigen und überholen · Boot springt nicht an? So checkst du Zündung und Sprit
Du hast eine Frage zum Thema?
Stell sie hier – eine:r unserer Expert:innen beantwortet sie dir persönlich. Mit deinem Einverständnis veröffentlichen wir Frage und Antwort für die ganze Community.

