Moin, ihr Lieben. Es ist Saisonstart, das Boot kommt ins Wasser, der erste Törn ruft, und dann das: Der Motor dreht, aber er springt nicht an. Jedes Frühjahr dasselbe Theater, und fast immer steckt eine Kleinigkeit dahinter, die große Wirkung hat. Ein Verbrennungsmotor braucht zum Laufen nur zwei Dinge im richtigen Moment: einen ordentlichen Zündfunken und sauberen Sprit. Genau da suchen wir, der Reihe nach.

Erst denken, dann schrauben

Bevor ihr wild Teile tauscht, stellt euch zwei Fragen. Kommt ein kräftiger Funke an der Kerze an? Und kommt sauberer Kraftstoff an den Vergaser oder die Einspritzung? Wenn ihr diese beiden Punkte sauber abklärt, habt ihr das Problem meistens schon eingekreist. Planloses Tauschen kostet nur Geld und Nerven.

Die Zündung und der kleine grüne Teufel

Fangen wir bei der Zündung an, denn hier sitzt der häufigste Übeltäter. Unter der Verteilerkappe und an den Kontakten bildet sich über den Winter gern Oxidation. Wir nennen das hier in der Werkstatt den kleinen grünen Teufel, weil sich diese grünen Beläge auf den Kontakten festsetzen und den Strom nicht mehr sauber durchlassen. Macht die Verteilerkappe auf und schaut rein. Sieht es da drinnen verranzt und grün aus, ist das schon die halbe Miete.

Genauso wichtig sind die Zündkerzen. Sind sie verrußt, nass oder uralt, kommt kein vernünftiger Funke. Und jetzt ein Wort an die Sparfüchse: Wenn ihr die Zündkabel anfasst, dann tauscht bitte alle, nicht nur das eine, das offensichtlich kaputt ist. Ein einziges altes Kabel zwischen lauter neuen ist falsche Sparsamkeit, denn das nächste ist dann auch bald durch. Alle raus, alle frisch, dann habt ihr Ruhe.

„Bei der Zündung gilt: Niemals nur ein Kabel tauschen. Entweder alle oder keins. Alles andere ist falsche Sparsamkeit, die euch im Sommer wieder einholt.“

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Kontakte und Stecker pflegen

Ein Tipp, den ich seit Jahren predige: Zieht die Kombistecker und Kontakte einmal ab, gebt etwas Kontaktspray oder Ballistol drauf, steckt sie ein paar Mal hin und her und wieder zusammen. Und vergesst die Sicherungsschelle nicht. Oxidierte oder lockere Kontakte sorgen für genau die unerklärlichen Aussetzer, an denen man sich sonst die Zähne ausbeißt. Das kostet fast nichts und löst erstaunlich viele Probleme.

Wenn der Funke da ist: der Sprit

Stimmt die Zündung und der Motor will trotzdem nicht, ab zum Kraftstoff. Stand der Sprit den ganzen Winter im Tank, kann er alt und schlecht geworden sein. Im Vergaser verharzen die feinen Düsen, gerade wenn vorher nicht richtig eingewintert wurde, und dann kommt nichts mehr durch. Auch Wasser im Tank ist ein Klassiker, deshalb ist ein Wasserabscheider Gold wert. Und zieht der Motor irgendwo Nebenluft, also Luft statt Sprit, läuft er unrund oder gar nicht.

So geht ihr systematisch vor

  • Funke prüfen. Kerze raus, an Masse halten, durchdrehen. Springt ein kräftiger blauer Funke über, ist die Zündung grundsätzlich da.
  • Verteilerkappe öffnen. Grüne Beläge, Risse oder feuchte Kontakte? Reinigen oder erneuern.
  • Kerzen ansehen. Verrußt oder nass? Tauschen.
  • Sprit checken. Kommt frischer, sauberer Kraftstoff an? Filter und Wasserabscheider prüfen.
  • Kontakte pflegen. Kombistecker abziehen, säubern, mit Kontaktspray wieder zusammen.

Wenn Zündung und Sprit stimmen und es trotzdem klemmt

Manchmal sind die zwei üblichen Verdächtigen in Ordnung und der Motor will trotzdem nicht. Dann lohnt der Blick auf die Basis. Hat die Batterie genug Saft, oder dreht der Anlasser nur müde? Eine schwache Batterie nach dem Winter ist häufiger schuld, als man denkt. Sitzen die Massekontakte fest und sauber? Und stimmt die Kompression überhaupt noch, oder hat der Motor ein Ventil- oder Kopfdichtungsproblem? Letzteres prüft man mit einem Kompressionsmesser, und spätestens hier ist es bei einem unsicheren Befund klüger, jemanden mit Erfahrung draufschauen zu lassen, bevor man teure Teile auf Verdacht tauscht.

Vorbeugen ist die halbe Miete

Die meisten Startprobleme im Frühjahr sind hausgemacht und entstehen im Herbst. Wer den Motor richtig einwintert, den Sprit stabilisiert oder den Tank passend vorbereitet und die Kontakte schützt, hat im Frühjahr deutlich weniger Ärger. Eine halbe Stunde Sorgfalt vor dem Winter erspart euch die Fummelei am ersten schönen Tag, wenn eigentlich das Wasser ruft.

Dieter zeigt es Schritt für Schritt

Im Video gehe ich an einer Maschine genau diese Punkte durch und zeige euch, worauf es bei Verteilerkappe, Kerzen und Kabeln ankommt.

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Das Wichtigste in einem Satz

Springt das Boot nicht an, sucht ruhig und systematisch nach Funke und Sprit, statt wild Teile zu tauschen. Mit ein bisschen Kontaktpflege und frischem Material läuft die Gurke meistens schneller wieder, als ihr denkt. Und dann nichts wie raus aufs Wasser.

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