Moin, ihr Lieben. Es ist Ende Oktober, der Wetterbericht sagt für heute Nacht minus vier Grad, und euer Boot steht noch da wie im September. Nicht eingewintert, Wasser im System, und ihr sitzt 200 Kilometer weit weg.

Das ist keine erfundene Lage. Die haben wir hier jedes Jahr, meistens beim ersten Kälteeinbruch, und dann klingelt bei uns das Telefon.

Deshalb heute die Notfallordnung: was ihr macht, wenn die Zeit für das ordentliche Einwintern nicht mehr reicht.

Die einzige Lösung, die wirklich hilft: Wasser raus

Frost bricht nichts, weil es kalt ist. Frost bricht etwas, weil Wasser sich beim Gefrieren ausdehnt. Kein Wasser, kein Schaden. So einfach ist die Regel, und alles andere ist Beiwerk.

Wenn ihr also nur eine Stunde habt, dann nutzt sie dafür, das Restwasser loszuwerden. Nicht für Frostschutz einfüllen, nicht für Abdecken, nicht für Heizen.

  • Ablasshähne und Stopfen am Motorblock öffnen. Wo sie sitzen, steht im Handbuch, und das solltet ihr wissen, bevor es dunkel und kalt ist.
  • Die Abgassammler und Abgasknie leeren. Genau da steht das Wasser, das keiner auf dem Zettel hat, und genau da wird es teuer.
  • Den Wassernotausschalter beziehungsweise die Wassersammelstellen abnehmen, damit auch die letzten Nester leerlaufen.
  • Prüfen, ob es wirklich läuft. Ein geöffneter Hahn, aus dem nichts kommt, ist kein gutes Zeichen, sondern meist verstopft. Mit dem Draht durch, bis es fließt.

Wenn das Wasser draußen ist, habt ihr die Nacht überstanden. Das ordentliche Einwintern mit Frostschutz und Konservierung macht ihr dann in Ruhe am Wochenende.

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Beim ersten Frost rufen alle gleichzeitig an. Wer seinen Termin früh macht, steht nicht im Dunkeln am Ablasshahn. Der Bootsdoktor wintert ordentlich ein.
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Was ihr zusätzlich tun könnt, und was davon Unsinn ist

Es kursieren allerhand Ideen, wie man einen Motor über eine Frostnacht bringt. Sortieren wir die einmal.

Decken über den Block: bringt für sich genommen fast nichts. Eine Decke erzeugt keine Wärme, sie hält nur welche. Ein kalter Motorblock unter einer Decke ist am Morgen immer noch ein kalter Motorblock.

Elektrische Wärmedecke oder Motorvorwärmer: funktioniert tatsächlich, wenn Strom da ist. Das ist die Variante, die wir hier auch schon eingesetzt haben, wenn nachts vier Grad minus angesagt waren. Sie ist aber eine Überbrückung für eine Nacht, keine Lösung für den Winter.

Heizlüfter: auf keinen Fall. Das ist eine der häufigsten Brandursachen im Winterlager, und dort stehen die Boote dicht beieinander. Da brennt selten nur eines.

Eine Decke wärmt nicht, sie hält nur. Und ein Heizlüfter im Boot ist keine Notlösung, sondern der nächste Notfall.

Und dann guckt euch die Batterie an

Wenn ihr ohnehin am Boot seid: Nehmt euch die Batterien vor, das dauert fünf Minuten und ist genauso wichtig.

Mit einem vernünftigen Testgerät bekommt ihr mehr als nur die Spannung. Ihr seht die verbleibende Kapazität in Prozent und ob eine Zelle Probleme macht. Bei uns zeigte ein Gerät neulich 84 Prozent Restlebensdauer bei einer Batterie und einen beginnenden Zellenschluss bei der nächsten.

Das Warnzeichen, das ihr auch ohne Gerät findet: Eine aufgeblähte Batterie gehört sofort raus. Fasst das Gehäuse an den Seiten an. Wenn es sich wölbt, hat sich innen etwas von den Platten gelöst, und das Ding wird heiß. Das ist ein Kurzschluss in Zeitlupe, und den wollt ihr nicht im Boot haben, schon gar nicht über einen Winter, in dem niemand hinschaut.

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Damit es nächstes Jahr nicht wieder knapp wird

Der eigentliche Fehler passiert nicht in der Frostnacht. Er passiert im September, wenn man denkt, es sei noch reichlich Zeit.

  • Macht euch einen festen Termin, nicht ein Gefühl. Ein Datum im Kalender, spätestens Mitte Oktober.
  • Schaut vorher nach, wo an eurem Motor die Ablassstellen sitzen. Diese Suche im Dunkeln bei Regen ist der schlechteste Zeitpunkt.
  • Legt euch das Material rechtzeitig hin. Im Oktober ist Frostschutz überall ausverkauft, wenn die erste Kaltfront kommt.
  • Wenn ihr es zeitlich nicht schafft, sagt es früh in der Werkstatt. Beim ersten Frost rufen alle gleichzeitig an.

Und wenn es doch mal knapp wird: Wasser raus schlägt alles andere. Das ist die eine Sache, die eine Nacht rettet.

Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Passt auf eure Kisten auf, der Winter fragt nicht.

Häufig gestellte Fragen


Was mache ich, wenn heute Nacht Frost kommt und das Boot nicht eingewintert ist?

Wasser raus, das schlägt alles andere. Ablasshähne und Stopfen am Motorblock öffnen, Abgassammler und Abgasknie leeren und die Wassersammelstellen abnehmen. Kein Wasser im System bedeutet kein Frostschaden. Das ordentliche Einwintern mit Frostschutz kannst Du danach in Ruhe nachholen.


Helfen Decken über dem Motorblock?

Kaum. Eine Decke erzeugt keine Wärme, sie verzögert nur das Auskühlen. Eine elektrische Wärmedecke oder ein Motorvorwärmer funktioniert dagegen, ist aber eine Überbrückung für eine Nacht und keine Lösung für den Winter.


Woran erkenne ich eine defekte Batterie?

Ein Testgerät zeigt die verbleibende Kapazität und beginnende Zellenschlüsse an. Ohne Gerät hilft der Griff ans Gehäuse: Wölbt sich die Batterie, hat sich innen Material von den Platten gelöst. Sie wird heiß und gehört sofort aus dem Boot.


Wann sollte ich spätestens einwintern?

Setz Dir einen festen Termin, spätestens Mitte Oktober, und schau vorher nach, wo die Ablassstellen an Deinem Motor sitzen. Beim ersten Kälteeinbruch ist Frostschutz vielerorts ausverkauft und in den Werkstätten rufen alle gleichzeitig an.


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