Moin, ihr Lieben. Jedes Jahr im Frühjahr stehen sie wieder bei mir in der Halle, die Maschinen mit dem aufgerissenen Block. Und jedes Mal ist die Geschichte dieselbe. Im Herbst war keine Zeit mehr, der Frost kam schneller als gedacht, und jetzt ist der Motor hin. Dabei ist richtiges Einwintern keine Hexerei. Man muss nur wissen, worauf es ankommt, und es rechtzeitig machen.
Warum Frost deinen Motor killt
Im Kühlsystem deiner Maschine steht Wasser. Und Wasser dehnt sich aus, wenn es gefriert. Mit einer Kraft, gegen die kein Motorblock ankommt. Ein einziger kräftiger Frost reicht, und der Block bekommt einen Riss. Das ist dann kein kleiner Schaden mehr, den man eben so flickt. Ein gerissener Block bedeutet im schlimmsten Fall einen neuen Motor, und der kostet richtig Geld. Genau deshalb gehört jede Maschine, die Frost abbekommen kann, vor dem Winter konserviert.
Das Zauberwort heißt Glykol
Eingewintert wird mit Frostschutzmittel, also Glykol. Hier müsst ihr aber aufpassen, denn Glykol ist nicht gleich Glykol. Für das Kühlsystem der Maschine nehmt ihr ein geeignetes Konzentrat. Für Trinkwassertank und Toilettensystem braucht ihr ein spezielles, lebensmittelechtes Glykol, das auch so gekennzeichnet ist. Das eine gehört nicht ins andere.
Und jetzt der Fehler, den ich am häufigsten sehe: Die Leute verdünnen das Konzentrat und verdünnen es noch mal, bis am Ende kaum noch Schutz drin ist. Dann platzt die Kiste trotzdem. Deshalb gilt: Messen, nicht schätzen. Mit einem kleinen Messgerät, einem Refraktometer, prüft ihr genau, bis zu welcher Minustemperatur euer Frostschutz stabil ist. Das kostet ein paar Euro und erspart euch den großen Ärger.
So winterst du die Maschine richtig ein
- Maschine warm fahren. Das Thermostat muss geöffnet haben, sonst kommt das Glykol gar nicht überall hin. Eine kalte Maschine mit geschlossenem Thermostat lässt sich nicht sauber konservieren.
- Glykol einpressen. Über die Spülohren am Antrieb wird mit einer Pumpe das Frostschutzmittel in den Kühlkreislauf gedrückt, während die Maschine läuft. So steht am Ende die ganze Maschine voll im Glykol, nicht nur ein Teil.
- An die Abgassammler denken. Genau da bleibt sonst gern Restwasser stehen. Und wenn das gefriert, reißt euch so ein dünnwandiger Sammler genauso auf wie der Block. Deshalb wird durchgepresst, bis hinten sauberes Glykol herauskommt.
- Bloß nicht nur das Wasser ablassen. Das ist der Klassiker unter den Fehlern. Es bleiben immer Reste im System, und die reichen für einen Frostschaden. Wasser raus allein ist keine Einwinterung.
Wer im Winter noch an der Maschine arbeitet und sie zwischendurch laufen lässt, presst hinterher wieder frisches Glykol rein, solange Frost droht. Klingt nach Aufwand, ist aber billiger als ein neuer Block.
„Eine Stunde Einwintern im Herbst spart dir im Frühjahr einen vierstelligen Schaden. Diese Rechnung geht immer auf.“
Was sonst noch in den Winter gehört
Wenn die Maschine schon warm ist, macht gleich den Ölwechsel. Altes Öl enthält Säuren und Wasser, und die fressen über die langen Standmonate an den Lagern. Frisches Öl rein, dann steht die Maschine sauber über den Winter. Trinkwassertank, Boiler und Toilette bekommen ihr lebensmittelechtes Glykol, damit auch da nichts einfriert. Und die Batterien gehören möglichst aus dem Boot, an einen frostfreien Ort und ans Erhaltungsladegerät.
Außenborder und Antrieb nicht vergessen
Habt ihr einen Außenborder, läuft das ein bisschen anders, aber das Prinzip bleibt. Der Motor wird über die Spülohren mit Frostschutz gespült, der Vergaser oder das Einspritzsystem konserviert, und das Getriebeöl im Unterteil sollte vor dem Winter gewechselt werden. Schaut beim Ablassen genau hin: Ist das Getriebeöl milchig, ist Wasser drin, und dann wollt ihr wissen, woher. Eine undichte Stelle, die ihr im Herbst findet, ist viel billiger als ein zerstörtes Getriebe im Frühjahr.
Beim Z-Antrieb gehört der Blick auf die Faltenbälge und die Anoden dazu. Brüchige Bälge über den Winter zu ignorieren, rächt sich später. Und die Anoden bleiben blank, niemals überpinseln, das ist ein eigenes leidiges Thema für sich.
Die häufigsten Einwinter-Fehler
Drei Dinge sehe ich immer wieder. Erstens das Glykol zu stark verdünnen, bis es nicht mehr schützt. Zweitens die Maschine kalt konservieren, sodass das Mittel gar nicht überall hinkommt. Und drittens das Boot zu spät dranzunehmen, weil ja angeblich noch kein Frost kommt. Verlasst euch nicht auf den Wetterbericht eine Woche im Voraus. Ist das Boot einmal eingewintert, kann ihm der erste Kälteeinbruch nichts mehr anhaben. Andersherum reicht eine einzige kalte Nacht, um einen ungeschützten Block zu sprengen.
Dieter zeigt es in der Halle
Im Video seht ihr, wie wir das mit dem Glykol und dem Refraktometer in der Werkstatt machen, und worauf es beim Einpressen ankommt.
Das Wichtigste in einem Satz
Macht das Einwintern nicht auf dem letzten Drücker, und macht es richtig: warme Maschine, sauber gemessenes Glykol, durchpressen bis in den letzten Winkel. Dann steht euer Boot im Frühjahr startklar da, statt mit einem Riss im Block. So einfach ist das, Leute.
Weiterlesen: Anoden niemals überpinseln
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