Moin. Für den Neuling sieht das Wasser vor einer Hafeneinfahrt aus wie ein Bällebad aus roten und grünen Tonnen, wild verstreut und ohne Sinn. Für den, der das System einmal verstanden hat, ist es eine Straße mit klarer Beschilderung. Und genau das sind Seezeichen: die Verkehrsschilder des Wassers. Sie sagen Dir, wo Du fahren darfst, wo die Untiefe lauert und wo Du besser einen großen Bogen machst. Wer sie lesen kann, navigiert entspannt. Wer sie ignoriert, sitzt irgendwann auf.

Die gute Nachricht: Das ganze System folgt einer Handvoll Regeln. Hast Du die einmal drin, verstehst Du jede Tonne, egal ob vor Rügen oder in der Bretagne. Fangen wir mit dem Wichtigsten an.

Das Lateralsystem: die roten und grünen Tonnen

Das Rückgrat der Betonnung ist das Lateralsystem. Es markiert die Seiten eines Fahrwassers, also die befahrbare Rinne, durch die auch die großen Schiffe müssen. Rot auf der einen Seite, grün auf der anderen. Die entscheidende Frage ist nur: Welche Farbe gehört auf welche Seite?

Hier kommt die wichtigste Merkregel Deines Bootslebens, gültig in Europa und weiten Teilen der Welt (dem sogenannten IALA-Gebiet A): Rot an Backbord beim Einlaufen. Wenn Du von See in einen Hafen oder ein Fahrwasser einläufst, lässt Du die roten Tonnen links (Backbord) und die grünen rechts (Steuerbord) liegen. Läufst Du wieder aus, dreht sich das Bild logischerweise um.

Die Formen helfen Dir zusätzlich, auch bei schlechtem Licht:

  • Rote Tonnen sind stumpf, also zylindrisch oder haben ein liegendes, dosenförmiges Toppzeichen. Eselsbrücke: rot und stumpf.
  • Grüne Tonnen sind spitz, also kegelförmig, oder tragen ein spitzes Toppzeichen. Grün und spitz.

Merke Dir „rot an Backbord beim Reinkommen“, und die halbe Betonnung ist geknackt. Diese eine Regel bringt Dich sicher durch die allermeisten Hafeneinfahrten der Ostsee, Nordsee und des Mittelmeers.

Woher weiß ich, wo „rein“ ist?

Eine berechtigte Frage, denn nicht immer ist offensichtlich, wo das Fahrwasser beginnt. Grundsätzlich verläuft die Betonnungsrichtung von See her in den Hafen, den Fluss hinauf oder im Uhrzeigersinn um ein Land herum. Im Zweifel steht die Richtung in der Seekarte, oft mit einem kleinen Pfeilsymbol. Deshalb gehört das Lesen der Seekarte für jeden dazu, der mehr als die Hausbucht befahren will. Karte und Betonnung ergänzen sich, keins ersetzt das andere.

Die Kardinalzeichen: hier lauert die Gefahr

Neben den roten und grünen Tonnen des Fahrwassers gibt es die gelb-schwarzen Kardinalzeichen. Die sind wichtig, denn sie warnen vor einer Gefahrenstelle, einer Untiefe, einem Wrack, einem Felsen. Und sie sagen Dir gleich dazu, auf welcher Seite Du sicher vorbeikommst, nämlich nach der Himmelsrichtung, in der das freie Wasser liegt.

Es gibt vier davon, nach den Haupthimmelsrichtungen benannt. Du erkennst sie an der gelb-schwarzen Färbung und an den zwei schwarzen Kegeln als Toppzeichen, die je nach Zeichen unterschiedlich zeigen.

  • Nordzeichen: Passiere es nördlich, dann bist Du sicher. Die Kegel zeigen beide nach oben.
  • Südzeichen: südlich passieren. Beide Kegel zeigen nach unten.
  • Ostzeichen: östlich passieren. Die Kegel zeigen voneinander weg, oben und unten, wie ein Ei.
  • Westzeichen: westlich passieren. Die Kegel zeigen aufeinander zu, wie ein Weinglas. Eselsbrücke: W wie Weinglas und West.

Die Grundregel ist einfach: Fahr an der Seite vorbei, die der Himmelsrichtung des Zeichens entspricht. Ein Nordzeichen passierst Du auf seiner Nordseite. So bleibst Du garantiert im tiefen Wasser und die Gefahr im Rücken.

Weitere Zeichen, die Du kennen solltest

Mit Lateral- und Kardinalzeichen bist Du schon gut gerüstet. Ein paar weitere begegnen Dir regelmäßig, und die solltest Du zuordnen können.

  • Zeichen für isolierte Gefahren: schwarz mit roten Querstreifen und zwei schwarzen Bällen oben. Es steht direkt über einer einzelnen Gefahr mit freiem Wasser ringsherum. Halte Abstand.
  • Sicheres-Fahrwasser-Zeichen: rot-weiß längsgestreift, oft mit einem roten Ball oben. Es sagt: Hier ist ringsum tiefes, sicheres Wasser, häufig markiert es die Mitte oder den Anfang eines Fahrwassers.
  • Gelbe Sonderzeichen: markieren besondere Gebiete, etwa Sperrgebiete, Badezonen, Kabeltrassen oder Messstationen. Sie haben mit der Wassertiefe nichts zu tun, sondern weisen auf eine Besonderheit hin.

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Betonnung bei Nacht: die Feuer

Wenn es dunkel wird, verschwinden die Farben, aber die Zeichen bleiben. Viele Tonnen und alle wichtigen Seezeichen tragen Leuchtfeuer mit einer bestimmten Kennung, also einem festen Rhythmus aus Blitzen und Pausen. Rote Tonnen zeigen rotes Licht, grüne grünes, die Kardinalzeichen weißes Licht mit einer charakteristischen Blitzfolge.

Diese Kennungen stehen in der Seekarte und im Leuchtfeuerverzeichnis. Du musst sie nicht auswendig lernen, aber Du solltest wissen, dass ein Zeichen nachts über seine Lichtkennung eindeutig identifizierbar ist. Wer nachts einläuft, gleicht die blinkenden Feuer mit der Karte ab und weiß so jederzeit, welche Tonne er gerade vor sich hat.

Vom Bällebad zur Straße

Seezeichen wirken am Anfang wie eine Geheimsprache, sind aber eine der logischsten Sachen an Bord. Merk Dir die eine große Regel, „rot an Backbord beim Reinkommen“, verstehe die vier Kardinalzeichen mit ihren Kegeln, und schon liest Du das Wasser wie eine beschilderte Straße. Der Rest kommt mit der Praxis.

Nimm Dir die Seekarte Deines Reviers und geh die Zeichen einmal in Ruhe durch, bevor Du das nächste Mal ablegst. Dann sind die roten und grünen Tonnen keine Rätsel mehr, sondern gute Bekannte, die Dich sicher nach Hause bringen. Genau dafür sind sie da.

Weiterlesen: Seekarte lesen lernen: die Grundlagen

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Häufig gestellte Fragen


Was bedeutet rot an Backbord?

Es ist die wichtigste Betonnungsregel im europäischen IALA-Gebiet A: Wenn Du von See in ein Fahrwasser oder einen Hafen einläufst, lässt Du die roten Tonnen an Backbord (links) und die grünen an Steuerbord (rechts) liegen. Beim Auslaufen dreht sich das Bild um.


Wie erkenne ich, auf welcher Seite ich an einem Kardinalzeichen vorbeifahre?

An der Himmelsrichtung im Namen. Ein Nordzeichen passierst Du auf seiner Nordseite, ein Südzeichen auf der Südseite und so weiter. Die zwei schwarzen Kegel als Toppzeichen zeigen die Richtung an, beim Westzeichen bilden sie ein Weinglas, das hilft beim Merken.


Woran unterscheide ich rote und grüne Tonnen bei schlechtem Licht?

An der Form. Rote Tonnen sind stumpf, also zylindrisch oder dosenförmig. Grüne Tonnen sind spitz, also kegelförmig. Merkhilfe: rot und stumpf, grün und spitz. Nachts helfen die Lichtkennungen, rote Tonnen zeigen rotes, grüne grünes Licht.