Moin, ihr Lieben. Es gibt einen Irrtum, der jedes Jahr Abgassammler kostet, und er klingt völlig vernünftig: „Ich habe eine Zweikreiskühlung, da steht alles unter Frostschutz.“
Stimmt nur zur Hälfte. Und die andere Hälfte ist ausgerechnet das teuerste Teil an eurer Abgasanlage.
Hier steht ein überholter 4,3-Liter-Innenborder mit Zweikreiskühlung, an dem sich das gut zeigen lässt.
Zwei Kreise heißt: nur einer ist versorgt
Beim Zweikreissystem läuft der Motorblock dauerhaft in einem geschlossenen Kreislauf mit Frostschutzgemisch. Das ist die ganze Idee dahinter, und deshalb ist er auch dauerhaft geschützt, bei einer ordentlichen Mischung bis etwa minus 40 Grad. Um den Block müsst ihr euch im Herbst nicht kümmern.
Aber schaut mal außen an die Maschine. Die Abgassammler und die Abgasknie hängen nicht in diesem Kreislauf. Die werden mit ganz normalem Wasser gekühlt, also mit dem, was ihr während der Fahrt über den Impeller aus dem Revier aufnehmt.
Und dieses Wasser steht nach dem Saisonende genau dort drin. Über Monate. Bei jedem Frost.
Warum ausgerechnet diese Teile
Weil sie richtig Geld kosten. Ein Satz Abgassammler ist kein Kleinteil, und wer sie einmal ersetzt hat, vergisst das nicht so schnell.
Und weil sie ohnehin die Bauteile sind, die am schnellsten gammeln. Ich sehe hier Abgasanlagen, bei denen ich sagen würde: Ein guter Teil davon ist schlicht Rost, und der Rest ist das, was vom Metall noch übrig ist. Diese Teile stehen in der heißesten und feuchtesten Ecke der Maschine, das ist ihr Schicksal.
Wenn ihr sie über den Winter mit Rohwasser stehen lasst, beschleunigt ihr genau diesen Prozess und riskiert obendrein einen Frostschaden. Das ist die Kombination, die keiner braucht.
Beim Zweikreiser ist der Block versorgt und die Abgasseite nicht. Wer nur an den Block denkt, wintert das Billige ein und lässt das Teure stehen.
Wie wir es machen
Das Prinzip ist einfach: Wir verdrängen das Rohwasser durch biologisches Glykol, bis hinten sauber gefärbtes Mittel herauskommt.
- Ein Behälter mit biologisch abbaubarem Glykol, darin eine Tauchpumpe.
- Die Ansaugseite des Rohwasserkreislaufs auf den Behälter legen.
- Motor laufen lassen, Pumpe an, und das Glykol durch den Kreislauf drücken.
- Am Auspuff beobachten, bis dort das gefärbte Mittel ankommt. Dann ist die Strecke durch, und ihr könnt abstellen.
Das dauert wenige Minuten, und es ist der Unterschied zwischen konservierten und über den Winter vor sich hin rostenden Abgasteilen.
Wichtig dabei: Nehmt biologisch abbaubares Glykol, kein KFZ-Kühlerfrostschutz. Das Zeug verlässt euren Motor am Auspuff und geht ins Wasser oder auf den Platz. Welches Mittel wohin gehört, haben wir hier ausführlich auseinandergenommen.
Weiterlesen: Glykol beim Einwintern: welches Zeug wohin gehört
Zwei Kleinigkeiten, die dabei anfallen
Den Keilriemen nehmen wir ab. Ein Riemen, der ein halbes Jahr unter Spannung über denselben Scheiben steht, bekommt Standstellen und altert schneller. Runter damit, und im Frühjahr sauber neu spannen.
Und prüft die Mischung im geschlossenen Kreis. Der Block ist zwar dauerhaft unter Frostschutz, aber dauerhaft heißt nicht ewig. Ein Refraktometer sagt euch in zehn Sekunden, bis wohin die Mischung noch trägt. Wer das nie prüft, verlässt sich auf eine Zahl aus einem Jahr, an das er sich nicht erinnert.
Merkt euch für den Herbst: Beim Einkreiser wintert ihr alles ein. Beim Zweikreiser wintert ihr die Abgasseite ein, und den Block prüft ihr nur. Wer das verwechselt, spart am falschen Ende.
Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut, und lasst die Sammler nicht absaufen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich einen Motor mit Zweikreiskühlung überhaupt einwintern?
Ja, aber anders. Der Motorblock läuft im geschlossenen Kreis dauerhaft unter Frostschutz und ist geschützt. Die Abgassammler und Abgasknie hängen dagegen im Rohwasserkreislauf und stehen nach der Saison voll Wasser. Genau die müssen eingewintert werden.
Wie wintert man die Abgasseite ein?
Mit einer Tauchpumpe biologisch abbaubares Glykol aus einem Behälter durch den Rohwasserkreislauf drücken, während der Motor läuft, bis am Auspuff gefärbtes Mittel herauskommt. Dann ist die Strecke gefüllt.
Warum kein KFZ-Frostschutz für den Rohwasserkreislauf?
Weil das Mittel den Motor am Auspuff wieder verlässt und damit in das Wasser oder auf den Lagerplatz gelangt. Dafür ist ausschließlich biologisch abbaubares Glykol geeignet.
Sollte der Keilriemen über den Winter gespannt bleiben?
Besser nicht. Ein Riemen, der monatelang unter Spannung über denselben Scheiben steht, bekommt Standstellen und altert schneller. Abnehmen und im Frühjahr sauber neu spannen.
Weiterlesen: Abgassammler zugesetzt: das schleichende Hitzeproblem · Bootsmotor einwintern: Schritt für Schritt
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