Moin. Wenn ich Einsteigern ein Revier nennen soll, in dem Bootsurlaub sofort funktioniert, ohne Gezeiten, ohne Seegang, ohne Prüfungsstress, dann lande ich immer wieder an derselben Stelle: mitten in Mecklenburg. Die Müritz und die Mecklenburgische Seenplatte sind das größte vernetzte Wassersportrevier Mitteleuropas, über tausend Seen, verbunden durch Kanäle und Flüsschen, und das Beste daran: Einen großen Teil davon darfst Du ganz ohne Führerschein befahren.

Trotzdem wird das Revier von Küstenseglern gern belächelt. „Badewanne“, heißt es dann. Wer das sagt, war nie da. Lass mich Dir zeigen, warum die Seenplatte mehr kann, als ihr Ruf verspricht, und wie Du Deinen ersten Törn dort planst.

Was die Seenplatte besonders macht

Die Zahlen zuerst: Die Müritz ist mit gut 110 Quadratkilometern der größte See, der komplett innerhalb Deutschlands liegt. Um sie herum spannt sich ein Netz aus Seen und Wasserstraßen, das von Plau am See über Waren und Röbel bis nach Rheinsberg, Neustrelitz und weiter bis zur Havel reicht. Du kannst hier eine Woche fahren, ohne denselben Hafen zweimal zu sehen, oder in drei Wochen bis Berlin und zurück.

Der Charakter des Reviers: entschleunigt. Auf den Verbindungsstrecken gilt meist Tempo 6 bis 12 km/h, geankert wird in stillen Buchten mit Seeadler-Begleitung, und abends liegst Du in Städtchen wie Waren oder Röbel, die sich in den letzten zwanzig Jahren zu echten Wassersport-Zentren gemausert haben. Wer Action sucht, ist hier falsch. Wer runterkommen will, findet nirgendwo mehr Wasser dafür.

Führerscheinfrei: die Charter-Besonderheit

Jetzt zum Punkt, der die Seenplatte für Einsteiger so attraktiv macht: die Charterbescheinigung. Auf ausgewiesenen Strecken der Region darfst Du führerscheinfrei Hausboote und Motorboote bis 15 km/h chartern, nach einer Einweisung von etwa drei Stunden durch den Vercharterer. Das ist deutschlandweit fast einmalig und der Grund, warum hier halb Berlin seinen ersten Bootsurlaub macht. Ein paar Dinge solltest Du wissen:

  • Die Einweisung ernst nehmen: Drei Stunden machen keinen Schiffsführer. Nimm die Zeit mit dem Einweiser ernst, üb das Anlegen zweimal mehr, und lies vorher unsere Grundlagen zum Anlegen und Ablegen.
  • Nicht alle Strecken sind frei: Die Charterbescheinigung gilt nur auf definierten Strecken, und auf der offenen Müritz gelten bei Wind Einschränkungen. Dein Vercharterer gibt Dir die aktuelle Karte mit.
  • Wer den Schein hat, hat mehr Revier: Mit SBF Binnen fallen die Beschränkungen, und schnellere Boote werden charterbar.

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Die Route: eine Woche Seenplatte klassisch

  • Tag 1, Waren (Müritz): Übernahme, Einweisung, erste Nacht im Stadthafen. Waren ist die heimliche Hauptstadt des Reviers, mit Promenade, Müritzeum und allem Proviant der Welt.
  • Tag 2, über die Müritz nach Röbel (ca. 15 km): Der erste echte Schlag über den großen See. Bei ruhigem Wetter ein Genuss, bei Wind wartest Du besser den Vormittag ab, die Müritz kann kurze, kabbelige Welle.
  • Tag 3, Müritz-Nationalpark und Bolter Kanal (ca. 20 km): Vorbei am Nationalparkufer Richtung Süden. Ankern ist hier nur an erlaubten Stellen drin, dafür siehst Du mit etwas Glück Fisch- und Seeadler.
  • Tag 4 und 5, die kleine Seenkette bis Rheinsberg (ca. 40 km): Jetzt kommt der schönste Teil: enge Kanäle, stille Seen, Schleusen wie die in Diemitz, dazwischen Badebuchten. In Rheinsberg wartet das Schloss als Kulisse fürs Abendbier.
  • Tag 6 und 7, gemütlich zurück nach Waren: Mit Zwischenstopp in der Ankerbucht Deiner Wahl. Plane den letzten Tag mit Puffer, Schleusen kosten in der Hochsaison Wartezeit.

Das Schleusen selbst ist übrigens kein Hexenwerk, aber es hat seine Regeln, von der Reihenfolge bis zur Leinenführung. Die stehen ausführlich in unserem Ratgeber Schleusen und Kanäle sicher befahren.

Praktisches für die Planung

  • Beste Zeit: Mai, Juni und September sind die Sahnemonate: warm genug, aber ohne den Hochsaison-Stau an den Schleusen. Im Juli und August ist das Revier voll, dann hilft frühes Losfahren.
  • Kosten: Hausboot-Charter beginnt je nach Größe und Saison bei etwa 1.200 Euro pro Woche, dazu Sprit, Hafengelder (meist 15 bis 30 Euro pro Nacht) und Kaution. Wildes Ankern ist vielerorts erlaubt und kostenlos, im Nationalpark aber tabu.
  • Ausrüstung: Mückenschutz ist keine Empfehlung, sondern Überlebensstrategie. Dazu Fernglas für die Adler und ein Faltrad fürs Landprogramm.
  • Regeln: Auch ohne Führerschein gelten die Verkehrsregeln auf dem Wasser, inklusive Promillegrenzen. Und die Wasserschutzpolizei kontrolliert hier durchaus.

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Mein Fazit: Understatement mit tausend Seen

Die Mecklenburgische Seenplatte ist kein Hochsee-Abenteuer, und genau das ist ihre Stärke. Sie ist das Revier, in dem aus Landratten Bootsleute werden, in dem Familien ihre erste Woche an Bord überstehen, ohne sich zu zerstreiten, und in dem selbst alte Salzbuckel zugeben müssen: So ein stiller Abend vor Anker mit Seeadler überm Mast hat was. Buch Dir eine Woche, nimm die Einweisung ernst, und lass Dich entschleunigen. Die Badewanne kann mehr, als Du denkst.

Häufig gestellte Fragen


Braucht

Auf ausgewiesenen Charterstrecken der Mecklenburgischen Seenplatte gilt die Charterbescheinigung: Nach rund dreistündiger Einweisung durch den Vercharterer dürfen Hausboote und Motorboote bis 15 km/h führerscheinfrei gefahren werden. Außerhalb dieser Strecken und für schnellere Boote ist der SBF Binnen nötig.


Was

Die Wochencharter beginnt je nach Bootsgröße und Saison bei etwa 1.200 Euro. Dazu kommen Kraftstoff, Hafengelder von meist 15 bis 30 Euro pro Nacht, Endreinigung und Kaution. Wildes Ankern außerhalb des Nationalparks ist vielerorts erlaubt und kostenlos.


Wann

Mai, Juni und September bieten warmes Wetter bei deutlich weniger Betrieb an Schleusen und in Häfen. Juli und August sind Hochsaison mit Wartezeiten an den Schleusen, dann lohnt frühes Losfahren am Morgen.


Darf

Nein. Am Ostufer liegt der Müritz-Nationalpark, dort ist Ankern nur an ausgewiesenen Stellen oder gar nicht erlaubt. Außerhalb der Schutzgebiete ist Ankern in vielen Buchten gestattet. Die Befahrens- und Ankerregeln stehen in den Revierkarten der Vercharterer.


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