Moin, ihr Lieben. Heute erzähle ich euch die Geschichte eines Motors, der einfach nicht kalt werden wollte, und von einem Ersatzteilpreis, der mich fast vom Stuhl gehauen hat. Auf der Bühne: ein alter Volvo Penta 4.3 Innenborder mit hartnäckigen Überhitzungsproblemen. Der Verdächtige, den jeder zuerst im Blick hat: das Thermostat. Aber wie so oft steckte hinter dem kleinen Übeltäter ein viel größeres Problem.

Was das Thermostat macht und warum man es nicht rauswerfen darf

Kurz zur Erinnerung: Das Thermostat ist der Türsteher im Kühlkreislauf. Es hält das Kühlwasser zurück, bis der Motor seine Betriebstemperatur hat, und öffnet dann. Ein Motor lebt von dieser Temperatur, genau wie euer Auto, dessen Anzeige bei 90 Grad stehen bleibt. Deshalb an dieser Stelle wieder mein Dauerbrenner: Das Thermostat bei Überhitzungsproblemen einfach auszubauen ist keine Reparatur, sondern Pfusch. Der Motor läuft dann dauerhaft zu kalt, verschleißt schneller und versifft innerlich. Das Thermostat ist fast nie allein schuld, es ist nur der Bote.

Der wahre Übeltäter: Rost vom falschen Einwintern

Bei unserem Volvo war die Sache nach dem Öffnen klar: Das ganze Kühlsystem war voller massiver Rostablagerungen. Rostbrocken, Rostschlamm, zugesetzte Kanäle. Und woher kommt so etwas? In diesem Fall vom falschen Einwintern. Der Motor war über Winter ohne Glykol abgestellt worden, nur Wasser abgelassen, fertig. Leute, das rächt sich doppelt: Restwasser gammelt in den Ecken, und die blanken Gussflächen rosten munter vor sich hin, Jahr für Jahr. Nach ein paar Wintern habt ihr innen eine Rostwüste, die kein Thermostat der Welt mehr ausgleicht.

Deshalb, ganz klare Sache: Glykol beim Einwintern ist keine Kür, sondern Pflicht. Es schützt nicht nur vor Frost, es konserviert auch das Innenleben des Kühlsystems. Wie das komplett geht, steht in der Anleitung Bootsmotor einwintern Schritt für Schritt. Wer es letzten Herbst versäumt hat: Der Schaden schwimmt schon in eurem Kühlwasser, einmal spülen und kontrollieren lohnt sich.

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483 Euro für ein Gehäuse? Schweißen statt schmeißen

Zurück zu unserem Patienten. Das Thermostatgehäuse war gebrochen, also Neuteil bestellen? Der Blick in die Preisliste: 483,34 Euro. Für ein Gussgehäuse! Da haut es den stabilsten Mechaniker vom Hocker. Die Lösung in solchen Fällen, gerade bei alten Motoren: schweißen lassen statt neu kaufen. Ein guter Schweißbetrieb macht so ein Gussteil für einen Bruchteil des Neupreises wieder dicht. Merkt euch das für alle Oldie-Motoren, bei denen die Ersatzteilpreise inzwischen Liebhaberpreise sind: Erst fragen, ob sich das Teil instand setzen lässt, dann bestellen.

Was dagegen gar nicht geht: das Thermostat mit dem Hammer „reparieren“. Auch das hatten wir hier schon auf der Werkbank, ein verklemmtes Thermostat, das jemand mit sanfter Gewalt wieder gangbar kloppen wollte. Leute, das Ding ist ein Präzisionsbauteil für ein paar Euro. Wer daran herumdengelt, baut sich eine Zeitbombe ins Kühlsystem. Kaputtes Thermostat gleich neues Thermostat, Ende der Diskussion.

Und noch was Lebenswichtiges: der Blower

Eine Sache noch, weil sie bei diesem Boot ebenfalls Thema war und weil sie Leben rettet: der Explosionsschutz-Blower, also das Gebläse, das vor dem Start die Benzindämpfe aus dem Motorraum saugt. Benzindämpfe sind schwerer als Luft, sie sammeln sich unsichtbar in der Bilge, und ein Zündfunke reicht. Deshalb gilt bei jedem Benzin-Innenborder eisern: Vor jedem Motorstart ein paar Minuten Blower laufen lassen. Immer. Ohne Ausnahme. Das ist keine Empfehlung, das ist eine Lebensversicherung. Wenn euer Blower defekt ist, wird er repariert, bevor das Boot wieder fährt.

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Der Merksatz vom Bootsdoktor

Was nehmt ihr mit? Überhitzung hat fast immer eine Geschichte, und die beginnt oft im Winter davor. Richtig einwintern mit Glykol, Thermostat als Bauteil respektieren, alte Gussteile schweißen lassen statt Mondpreise zu zahlen, und den Blower heiligen. Dann bleibt euer Motor auf Betriebstemperatur, und ihr bleibt entspannt. Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Macht’s gut!

Häufig gestellte Fragen


Darf man das Thermostat bei Überhitzung einfach ausbauen?

Nein. Ohne Thermostat läuft der Motor dauerhaft unter Betriebstemperatur, was Verschleiß und Ablagerungen fördert. Das Thermostat ist bei Überhitzung fast nie die alleinige Ursache, sondern meist nur das Symptom, dahinter stecken oft zugesetzte Kühlkanäle, Rost oder defekte Impeller.


Wie entsteht Rost im Kühlsystem eines Bootsmotors?

Häufigste Ursache ist falsches Einwintern ohne Glykol: Restwasser und blanke Gussflächen korrodieren über die Wintermonate, Jahr für Jahr. Die Rostablagerungen setzen nach und nach Kühlkanäle, Thermostat und Kühler zu, bis der Motor überhitzt. Glykol schützt vor Frost und konserviert das System.


Lohnt sich das Schweißen eines gebrochenen Thermostatgehäuses?

Bei älteren Motoren oft ja: Originalteile kosten teils mehrere hundert Euro (im gezeigten Fall 483 Euro), während ein Fachbetrieb das Gussteil für einen Bruchteil davon schweißen kann. Bei Oldie-Motoren gilt generell: erst Instandsetzung prüfen, dann Neuteil bestellen.


Wozu dient der Blower beim Benzin-Innenborder?

Das Gebläse saugt vor dem Start explosive Benzindämpfe aus Motorraum und Bilge. Da Benzindämpfe schwerer als Luft sind, sammeln sie sich unsichtbar unten im Boot. Deshalb vor jedem Motorstart einige Minuten den Blower laufen lassen, ein defekter Blower muss vor der nächsten Fahrt repariert werden.


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