Griechenland ist für viele der Inbegriff des Segelns im Süden. Tiefblaues Meer, weiß getünchte Dörfer auf kargen Hügeln, Tavernen am Wasser und ein Licht, das alles klarer erscheinen lässt. Doch Griechenland ist nicht gleich Griechenland. Das Land bietet zwei sehr unterschiedliche Segelwelten, die kaum gegensätzlicher sein könnten: die windige, herbe Schönheit der Kykladen in der Ägäis und das grüne, geschützte Ionische Meer im Westen. Wer die beiden kennt, trifft eine viel bessere Wahl für seinen Törn.

Zwei Welten, ein Land

Der Unterschied zwischen Ost und West ist vor allem eine Frage des Windes und der Landschaft. Die Ägäis mit den Kykladen ist offen, weit und im Sommer oft kräftig vom Wind durchpustet. Die Inseln sind karg, felsig und von jener berühmten Postkartenschönheit aus weißen Würfelhäusern und blauen Kuppeln. Das Ionische Meer im Westen dagegen ist grüner, milder und geschützter. Hier wachsen Pinien und Olivenbäume bis ans Wasser, die Wege zwischen den Inseln sind kurz, und der Wind ist meist gutmütiger. Beide Reviere sind wunderschön, aber sie verlangen und schenken Unterschiedliches.

Die Kykladen: für alle, die Wind und Weite suchen

Die Kykladen sind das Revier der erfahreneren Segler. Im Hochsommer weht hier der Meltemi, ein kräftiger Nordwind, der über Tage anhalten und ordentlich Welle aufbauen kann. Wer mit ihm umzugehen weiß, erlebt großartiges, sportliches Segeln unter strahlend blauem Himmel. Wer ihn unterschätzt, lernt schnell Demut. Dafür entschädigen Inseln wie Paros, Naxos oder das berühmte Santorin mit ihren weißen Dörfern, langen Stränden und der unverwechselbaren Stimmung der Ägäis. Die Distanzen sind hier größer als im Westen, und die Häfen können bei Meltemi voll und unruhig sein. Es ist ein Revier, das fordert und genau dafür geliebt wird.

Grüne ionische Bucht in Griechenland mit Segelyacht vor Anker und kleiner Kapelle
Das Ionische Meer ist grün, geschützt und gutmütig, das ideale Einsteigerrevier.
Bild: KI-generiert

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Das Ionische Meer: entspannt und familienfreundlich

Im Westen ticken die Uhren anders. Das Ionische Meer rund um die Inseln Lefkas, Kefalonia, Ithaka und Korfu gilt als eines der entspanntesten Reviere des Mittelmeers. Der Wind kommt meist als angenehme Nachmittagsbrise, die Wege zwischen den Inseln sind kurz, und überall warten geschützte Buchten und kleine Häfen mit Tavernen. Das macht das Ionische Meer ideal für Einsteiger, für Familien und für alle, die Erholung über Herausforderung stellen. Man segelt am Vormittag ein paar gemütliche Stunden, ankert mittags zum Baden in einer grünen Bucht und liegt am Abend vor einer Taverne, in der frischer Fisch auf den Tisch kommt. Viele Charterbasen rund um Lefkas machen den Einstieg unkompliziert.

Häfen, Ankern und die Taverne am Abend

In beiden Revieren gehört das abendliche Festmachen zum Ritual. Häufig liegt man längsseits oder mit dem Heck zur Pier eines kleinen Ortes, oft direkt vor einer Taverne, deren Wirt einen Liegeplatz anbietet, wenn man bei ihm isst. Das ist gelebte griechische Gastfreundschaft und einer der schönsten Teile eines Törns. Daneben locken überall Ankerbuchten, im Ionischen Meer grün und geschützt, in den Kykladen offener und je nach Windrichtung ruhig oder ungemütlich. Eine gute Portion Aufmerksamkeit beim Ankern lohnt sich, denn der Untergrund hält nicht überall gleich gut.

„Die Kykladen sind etwas für die Segelhand, das Ionische Meer etwas fürs Herz. Wer ehrlich einschätzt, was er sucht, findet in Griechenland garantiert sein Revier.“

Der Wind macht den Unterschied

Kein Faktor prägt die beiden Reviere so sehr wie der Wind. In den Kykladen ist der Meltemi der Taktgeber. Er weht vor allem im Hochsommer aus Norden, oft kräftig und über mehrere Tage, und verlangt eine vorausschauende Törnplanung mit sicheren Häfen in Reichweite. Im Ionischen Meer dagegen herrscht meist ein freundlicheres Muster mit einer thermischen Nachmittagsbrise, die am Abend wieder einschläft. Genau dieser Unterschied entscheidet darüber, welches Revier zu deinem Können und deinen Vorstellungen passt.

Die beste Zeit und der Start

Die Hauptsaison liegt im Hochsommer, dann ist es am wärmsten, in den Kykladen aber auch am windigsten. Wer es ruhiger mag, kommt im Frühsommer oder im Frühherbst, wenn der Meltemi noch nicht oder nicht mehr in voller Stärke bläst und die Häfen leerer sind. Die meisten Törns starten von einem Charterstützpunkt, im Westen häufig rund um Lefkas und Korfu, in der Ägäis oft ab Athen oder von einer der größeren Inseln. Von dort sind die jeweiligen Reviere gut erreichbar.

Die Saronischen Inseln: der entspannte Einstieg ab Athen

Zwischen den beiden großen Welten gibt es noch einen dritten, oft übersehenen Geheimtipp: die Saronischen Inseln direkt vor den Toren Athens. Inseln wie Ägina, Poros, Hydra und Spetses liegen dicht beieinander, der Wind ist meist moderat, und die Wege sind kurz. Das macht das Revier ideal für einen ersten Griechenland-Törn oder für alle, die wenig Zeit für die Anreise haben, denn vom Flughafen Athen ist man schnell an Bord. Besonders Hydra mit seinem autofreien Hafenstädtchen und den im Halbrund ansteigenden Häusern ist ein Erlebnis. Wer Griechenland kennenlernen will, ohne sich gleich dem Meltemi auszusetzen, findet hier einen wunderbaren Einstieg.

Praktisches: Anreise, Charter und Geld

Die meisten erreichen ihr Revier per Flug und übernehmen ein Charterschiff vor Ort. Für das Ionische Meer fliegt man oft nach Preveza oder Korfu, für die Saronischen Inseln und Teile der Ägäis nach Athen, für die südlichen Kykladen gibt es Basen auf größeren Inseln. Die Charterpreise schwanken stark mit der Saison, am teuersten ist der Hochsommer. Dazu kommen die laufenden Kosten vor Ort: Hafengebühren, gelegentlich eine Abgabe, Treibstoff und natürlich die Abende in den Tavernen. Eine aktuelle Seekarte und ein guter Hafenführer gehören an Bord, denn so freundlich die Reviere sind, die eine oder andere Untiefe und manch tückische Ankerbucht wollen gekannt sein.

Mit Kindern und Familie

Gerade für Familien ist Griechenland ein dankbares Ziel, vor allem im Westen und auf den Saronischen Inseln. Kurze Etappen lassen Langeweile gar nicht erst aufkommen, das warme, klare Wasser lädt zum Baden ein, und in den Buchten und kleinen Häfen finden auch die Kleinsten schnell Beschäftigung. Wer mit Kindern segelt, plant ohnehin entspannter und genau das passt zum gutmütigen Charakter dieser Reviere. Die Kykladen mit ihrem kräftigen Wind hebt man sich für später auf, wenn die Crew eingespielt ist.

Kurz gefragt

Welches Revier ist besser für Einsteiger?
Das Ionische Meer. Kurze Wege, geschützte Buchten und gutmütiger Wind machen es entspannt. Die Kykladen sind eher etwas für erfahrenere Crews.

Wie schlimm ist der Meltemi wirklich?
Er ist beherrschbar, aber ernst zu nehmen. Mit guter Planung und Respekt vor der Vorhersage ist er Teil des Reizes, nicht der Schrecken der Ägäis.

Reicht eine Woche?
Für eines der beiden Reviere gut. Beide in einem Törn zu verbinden ist wegen der Entfernungen kaum sinnvoll, da entscheidet man sich besser für eine Seite.

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Am Ende eine Frage des Typs

Griechenland zwingt dich zu keiner Entscheidung gegen das eine oder andere, sondern lädt dich ein, beim nächsten Mal die andere Welt zu entdecken. Suchst du sportlichen Wind, weite Horizonte und die ikonischen weißen Dörfer, dann zieht es dich in die Kykladen. Willst du grüne Buchten, kurze Wege und entspannte Abende, dann ist das Ionische Meer dein Revier. Beide schenken dir am Ende dasselbe: dieses besondere griechische Gefühl, wenn die Sonne hinter den Inseln versinkt und der Tag in einer Taverne am Wasser ausklingt.

Weiterlesen: Kroatien und Adria: Reviere & Ankerbuchten · Ostsee-Törn für Einsteiger

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