Moin. Ich verrate Dir jetzt etwas, das erfahrene Ostseesegler am liebsten für sich behalten würden: Das entspannteste Inselrevier Europas liegt nicht im Mittelmeer. Es liegt eine Tagesfahrt von der deutschen Küste entfernt, zwischen Flensburger Förde und Großem Belt. Die Dänen nennen es das Südfünische Inselmeer, bei uns heißt es schlicht: die Dänische Südsee.
Der Name klingt nach Marketing, aber er trifft den Kern. Dutzende Inseln und Inselchen, kurze Schläge, geschützte Gewässer, Häfen wie aus dem Bilderbuch. In unserem Ostsee-Guide für Einsteiger habe ich das Revier nur angerissen und versprochen, dass sich ein eigener Blick lohnt. Hier ist er: der komplette Revierguide fürs Inselhüpfen, mit Route, Häfen, Kosten und allem, was Du vor dem ersten dänischen Sommer wissen musst.
Warum die Dänische Südsee süchtig macht
Drei Gründe machen dieses Revier besonders. Erstens die Distanzen: Zwischen den meisten Häfen liegen 10 bis 25 Seemeilen, das sind entspannte Halbtagesschläge mit Zeit für einen späten Start und ein frühes Anlegerbier. Zweitens der Schutz: Die Inseln brechen Wind und Welle, echte Schwergewichtssee baut sich hier selten auf. Drittens die Infrastruktur: Die dänischen Häfen sind hervorragend gepflegt, das Bezahlen läuft unkompliziert über Automaten oder Apps, und selbst im kleinsten Hafen gibt es saubere Sanitäranlagen und meist einen Grillplatz mit Abendrot-Garantie.
Dazu kommt die dänische Gelassenheit. Hier drängelt niemand an der Hafeneinfahrt, und wenn es eng wird, wird zusammengerückt. Päckchenliegen gehört dazu und ist keine Zumutung, sondern halbe Kontaktbörse.
Die Route: von der Flensburger Förde ins Inselmeer
Ein bewährter Wochentörn ab Flensburg könnte so aussehen, wohlgemerkt als Gerüst, nicht als Korsett:
- Sønderborg (ab Flensburg ca. 15 sm): Der perfekte Auftakt. Die Einfahrt durch den Alssund mit Schloss-Kulisse ist großes Kino, die Stadt lebendig, der Stadthafen mittendrin.
- Ærøskøbing auf Ærø (ca. 25 sm): Für viele der schönste Kleinstadthafen der Ostsee. Kopfsteinpflaster, Stockrosen, windschiefe Häuschen aus dem 18. Jahrhundert. Wer hier abends durch die Gassen geht und nicht ins Schwärmen kommt, dem ist nicht zu helfen.
- Svendborg auf Fünen (ca. 20 sm): Die heimliche Hauptstadt des Reviers. Der Svendborgsund ist ein Traum unter Segeln, die Stadt bietet alles vom Rigger bis zum Eisladen. Achtung auf den Strom im Sund, der kann ordentlich setzen.
- Die kleinen Perlen Drejø, Skarø oder Avernakø (je 5 bis 10 sm): Miniatur-Inseln mit Miniatur-Häfen. Hier gibt es nichts außer Ruhe, Natur und einem Kaufmannsladen, und genau das ist der Punkt.
- Zurück über Marstal (Ærø) und die Als-Ostküste: Marstal ist raue Seefahrerstadt mit großartigem Seefahrtsmuseum, danach in Tagesschlägen zurück Richtung Förde.
Das Ganze summiert sich auf gut 100 Seemeilen in einer Woche, machbar für jede Crew, die schon einmal einen Törn geplant hat. Mit zwei Wochen Zeit hängst Du den Großen Belt mit Lundeborg und die Westseite Fünens dran.
Was Du wissen musst, bevor Du losfährst
- Beste Zeit: Juni bis August ist Hochsaison mit vollen Häfen ab 16 Uhr. Mein Favorit: die zweite Augusthälfte und der September, leere Häfen, stabileres Wetter, warme Ostsee.
- Geld: Dänemark rechnet in Kronen, praktisch alles läuft über Karte oder App. Hafengebühren liegen je nach Bootsgröße meist zwischen 25 und 40 Euro.
- Navigation: Das Revier ist gut betonnt, aber stellenweise flach. Wer die Fahrwasser respektiert und die Karte liest, hat kein Problem, wer Abkürzungen über die Flachs nimmt, lernt den dänischen Grund kennen. Er ist zum Glück meist weich.
- Wind und Welle: Vorherrschend West bis Südwest, im Inselmeer gut gedämpft. Bei Starkwind aus Ost wird es in einigen Häfen unruhig, dann lohnt der Blick auf die geschützte Alternativseite der Inseln.
- Regeln: Gastlandflagge Dänemark, Promillegrenze beachten, und in Naturschutzbereichen gelten Befahrensregeln. Nichts davon ist kompliziert, alles davon gehört zur Vorbereitung.
Mein Fazit: das perfekte Aufsteiger-Revier
Die Dänische Südsee ist das Revier, in dem aus Häfensammlern Segler werden. Kurze Wege, ehrliches Wetter, null Stress und trotzdem jeden Tag ein neues Ziel: Mehr Törn pro Urlaubstag bekommst Du nirgendwo an der Ostsee. Wenn Du nach der Einsteiger-Runde vor der eigenen Haustür bereit für die erste Auslandswoche bist, dann ist das hier Dein Revier. Kurs Nord, und grüß mir Ærøskøbing!
Häufig gestellte Fragen
Wo liegt die Dänische Südsee?
Die Dänische Südsee, dänisch das Südfünische Inselmeer, liegt zwischen der Flensburger Förde, der Südküste Fünens und dem Großen Belt. Zu den bekanntesten Zielen gehören Sønderborg, Ærøskøbing und Marstal auf Ærø, Svendborg sowie kleine Inseln wie Drejø und Skarø.
Ist die Dänische Südsee für Anfänger geeignet?
Ja, sie gilt als eines der einsteigerfreundlichsten Reviere Europas: kurze Distanzen von 10 bis 25 Seemeilen zwischen den Häfen, durch Inseln geschützte Gewässer, gute Betonnung und dichte Hafeninfrastruktur. Respekt verlangen nur die Flachs abseits der Fahrwasser und der Strom in den Sunden.
Was kostet ein Hafen in Dänemark?
Je nach Bootsgröße und Hafen meist zwischen 25 und 40 Euro pro Nacht, bezahlt wird unkompliziert am Automaten oder per Hafen-App in dänischen Kronen. Strom und sehr gepflegte Sanitäranlagen sind in der Regel inklusive oder gegen kleinen Aufpreis.
Wann ist die beste Zeit für einen Törn in der Dänischen Südsee?
Hauptsaison ist Juni bis August, dann sind beliebte Häfen ab dem Nachmittag gut gefüllt. Ruhiger und oft wettermäßig stabiler ist die zweite Augusthälfte bis in den September, mit angenehm warmer Ostsee und deutlich leereren Häfen.
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