Moin, ihr Lieben. Heute mal was, das jeder an Bord hat und fast keiner anguckt: den Feuerlöscher. Der hängt da in seiner Halterung, seit ihr das Boot gekauft habt, verstaubt vor sich hin, und alle denken: Ist ja da, passt schon. Und dann kommt der Tag, an dem es qualmt, ihr greift zu dem Ding, drückt ab, und es kommt nichts. Nichts, Leute. Weil das Pulver zu einem Klumpen versteinert ist und der Druck längst weg. Ein Feuerlöscher, den keiner kontrolliert, ist kein Sicherheitsgerät. Der ist Deko.
Deshalb reden wir heute nicht übers Löschen, sondern übers Kontrollieren. Denn der beste Löscher nützt euch nichts, wenn er im Ernstfall streikt. Und das prüft ihr in fünf Minuten selbst.
Warum gerade an Bord die Kontrolle so wichtig ist
Ein Boot ist für einen Feuerlöscher ein hartes Leben. Ständig Vibration vom Motor, Feuchtigkeit, Salz, Temperaturschwankungen zwischen Bullenhitze im Sommer und Frost im Winterlager. All das setzt dem Ding zu. Die Vibration lässt das Löschpulver mit der Zeit zu einem festen Klumpen zusammenbacken. Die Feuchtigkeit greift das Ventil an. Und der Druck entweicht schleichend, ohne dass ihr es merkt.
An Land in der Garage hängt so ein Löscher jahrelang unbehelligt. An Bord altert er schneller. Genau deshalb gehört er nicht ins Regal der vergessenen Dinge, sondern auf die Kontrollliste jeder Saison.
Die Fünf-Minuten-Kontrolle
Ihr braucht kein Fachmann zu sein, um die wichtigsten Dinge selbst zu prüfen. Nehmt euren Löscher einmal aus der Halterung und geht das hier der Reihe nach durch.
- Der Druck. Die meisten Löscher haben ein kleines Manometer. Der Zeiger muss im grünen Bereich stehen. Steht er im roten, ist der Druck weg, und das Ding ist nutzlos. Ganz klare Sache.
- Die Plombe und der Sicherungsstift. Sind Splint und Plombe noch dran und unversehrt? Fehlt der Stift oder ist die Plombe aufgebrochen, wurde der Löscher schon mal ausgelöst oder daran gespielt. Dann gehört er geprüft.
- Das Datum. Auf jedem Löscher steht ein Prüf- oder Herstelldatum. Feuerlöscher müssen in festen Abständen vom Fachmann gewartet werden, meist alle zwei Jahre. Ist der Termin überfällig, ab damit zur Prüfung.
- Das Pulver auflockern. Und jetzt der wichtigste Handgriff bei Pulverlöschern: Nehmt das Ding in die Hand, dreht es ein paarmal auf den Kopf und schüttelt es kräftig. Ihr müsst spüren und hören, wie das Pulver locker durchrieselt. Fühlt es sich an wie ein fester Klotz, der nicht wandert, ist das Pulver verbacken, und dann kommt im Ernstfall nichts raus.
- Die Halterung. Sitzt der Löscher fest, aber schnell entnehmbar? Er muss im Seegang halten und trotzdem mit einem Griff draußen sein. Eine verrostete oder wackelige Halterung taugt nichts.
Merkt euch den Schüttel-Trick: Einmal im Monat den Pulverlöscher vom Haken, ein paarmal kräftig kopfüber schütteln, wieder dran. Das hält das Pulver locker und kostet zehn Sekunden. Diese zehn Sekunden können euer Boot retten.
Habt ihr überhaupt genug und die richtigen?
Wenn ihr schon dabei seid, stellt euch gleich zwei weitere Fragen. Erstens: Habt ihr genug Löscher an Bord, und hängen sie an den richtigen Stellen? Einer tief in der Backskiste vergraben nützt nichts. Er gehört griffbereit dorthin, wo es am ehesten brennt, in die Nähe von Motorraum und Pantry, aber so, dass ihr im Brandfall noch drankommt und nicht durch die Flammen müsst.
Zweitens: Sind es die richtigen? An Bord habt ihr es meist mit brennenden Flüssigkeiten wie Sprit und mit Elektrik zu tun. Der Löscher muss für diese Brandklassen geeignet sein. Für den Motorraum gibt es zudem clevere automatische Löschanlagen, die von selbst auslösen, wenn es dort heiß wird. Das ist eine Überlegung wert, denn beim Motorbrand kommt ihr oft gar nicht schnell genug an den Löscher.
Was ihr selbst dürft und was der Fachmann macht
Die Kontrolle, das Schütteln, den Sichtcheck, das macht ihr selbst, so oft ihr wollt. Die eigentliche Wartung mit Öffnen, Nachfüllen und Prüfen des Innenlebens gehört aber in Fachhände. Ein geprüfter Löscher bekommt eine Prüfplakette mit Datum. Verlasst euch nicht auf einen Löscher ohne gültige Prüfung, egal wie voll er aussieht.
Und wenn so ein alter Löscher durchgefallen ist? Dann tauscht ihn aus. Für das bisschen Geld bekommt ihr im Ernstfall die Sicherheit, dass das Ding funktioniert. Am falschen Ende gespart ist hier wirklich der dümmste Fehler.
Der Merksatz zum Schluss
Ein Feuer an Bord ist die vielleicht gefährlichste Sache, die euch passieren kann, weil ihr nicht einfach weglaufen könnt. Umso bitterer, wenn dann das eine Gerät versagt, das euch retten soll. Deshalb: Guckt euren Löscher an, prüft den Druck, schüttelt das Pulver, achtet aufs Datum. Regelmäßig, nicht einmal im Bootsleben.
Wie so eine Kontrolle am echten Löscher aussieht und woran ihr einen tauben erkennt, zeige ich euch im Video. Der Merksatz für heute: Ein Feuerlöscher ist nur so gut wie seine letzte Kontrolle. Also kontrolliert ihn. Das war’s von eurem Bootsdoktor, bleibt sicher da draußen.
Weiterlesen: Feuer an Bord: Vorbeugung und Löschmittel
Häufig gestellte Fragen
Wie kontrolliere ich meinen Feuerlöscher an Bord selbst?
In fünf Minuten: Manometer prüfen (Zeiger muss im grünen Bereich stehen), Plombe und Sicherungsstift auf Unversehrtheit checken, das Prüfdatum ansehen und bei Pulverlöschern das Ding ein paarmal kopfüber schütteln, damit das Pulver nicht verbackt. Auch die Halterung muss fest sitzen und schnell erreichbar sein.
Warum muss man einen Pulverlöscher schütteln?
Weil die ständige Vibration an Bord das Löschpulver mit der Zeit zu einem festen Klumpen zusammenbacken lässt. Ein verbackter Löscher gibt im Ernstfall nichts oder nur einen Schwall heraus. Wer ihn regelmäßig kopfüber schüttelt, hält das Pulver locker und rieselfähig.
Wie oft muss ein Feuerlöscher gewartet werden?
Die fachmännische Wartung mit Öffnen und Prüfen des Innenlebens steht meist alle zwei Jahre an, das Datum steht auf dem Löscher und der Prüfplakette. Die eigene Sichtkontrolle und das Schütteln könnt ihr dagegen jederzeit selbst machen, am besten einmal im Monat.
Schlagwörter
Du hast eine Frage zum Thema?
Stell sie hier – eine:r unserer Expert:innen beantwortet sie dir persönlich. Mit deinem Einverständnis veröffentlichen wir Frage und Antwort für die ganze Community.

