Moin. Wenn Du ein Boot hast und im Osten der Republik nach einem Revier suchst, das es so vorher nicht gab, dann horch jetzt auf. Seit dem 29. Juni 2026 hängen im Lausitzer Seenland fünf große Seen an einem Stück Wasser. Du legst auf dem einen See ab und tuckerst über schiffbare Kanäle bis zum nächsten. Ohne Trailer, ohne Slippen, ohne Umsetzen.
Das klingt unspektakulär, ist aber ein kleines Wunder. Wo vor wenigen Jahrzehnten noch Bagger Braunkohle aus dem Boden rissen, liegt heute Europas größtes künstliches Wassersportrevier. Und der letzte fehlende Knoten ist jetzt geknüpft.
Was am 29. Juni wirklich passiert ist
Offiziell freigegeben wurde der sogenannte Fünf-Seen-Verbund. Dahinter steckt eine simple, für Bootsfahrer aber entscheidende Sache: Senftenberger See, Großräschener See, Geierswalder See, Partwitzer See und Sedlitzer See sind nun erstmals durchgängig über schiffbare Überleiter miteinander verbunden. Zusammen ergibt das bis zu 5.300 Hektar zusammenhängende, befahrbare Wasserfläche.
Zur Einordnung: Das ist kein hübsches Detail für die Tourismusbroschüre, sondern der vorläufige Höhepunkt eines Jahrhundertprojekts. 150 Jahre lang wurde hier Braunkohle gefördert. Aus den gefluteten Tagebauen ist Deutschlands jüngste Wasserlandschaft geworden. Wie sehr das zieht, zeigt eine einzige Zahl: Im brandenburgischen Teil der Region stiegen die Übernachtungen von 338.000 im Jahr 2015 auf rund 700.000 im Jahr 2025. Mehr als verdoppelt, in zehn Jahren.
„Wir gratulieren der gesamten Region herzlich zu diesem Meilenstein, der eine starke Basis für weitere Entwicklung ist.“ Christian Woronka, Geschäftsführer der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg.
Was das für Dich an Bord bedeutet
Bisher war jeder dieser Seen im Grunde ein eigenes, abgeschlossenes Becken. Wolltest Du zwei davon befahren, hieß das: Boot raus, auf den Trailer, zum nächsten See, wieder rein. Genau dieser Knoten ist jetzt durchschlagen.
Du kannst eine echte Tour planen. Morgens auf dem Senftenberger See ablegen, über den Koschener Kanal hinüber zum Geierswalder See, weiter Richtung Partwitz, abends an einer anderen Marina festmachen. Das ist die Sorte Wasserwandern, die man sonst von der Müritz oder den Masuren kennt, nur eben fabrikneu und ohne die ganz großen Bootsmassen.
Für die Praxis heißt das auch: Charter wird interessant. Wer kein eigenes Boot mitschleppen will, leiht sich vor Ort eins und hat plötzlich nicht ein Becken, sondern ein ganzes Netz vor dem Bug. Genau das macht ein Revier für Bootsfahrer attraktiv. Nicht die Größe eines einzelnen Sees, sondern die Frage, wie weit Du kommst, ohne anzuhalten.
Die Regeln, die Du vorher kennen solltest
Bevor Du Leinen los machst: Ein Wassersportrevier ohne Regeln gibt es nicht, und die Lausitz ist da angenehm klar. Das Wichtigste in Kürze.
- Führerschein: Motorboote bis 15 PS darfst Du in Brandenburg wie in Sachsen führerscheinfrei fahren. Segelboote sind ohnehin führerscheinfrei. Erst darüber brauchst Du den Sportbootführerschein Binnen.
- Tempo: Auf dem Senftenberger und dem Großräschener See gilt für kleine Fahrzeuge Tempo 15 km/h. Auf dem Geierswalder und dem Partwitzer See sind 30 km/h erlaubt. Wer zügiger unterwegs sein will, hat hier also seinen Platz.
- Kanäle: Die Verbindung läuft über die Überleiter zwischen den Seen. Der Koschener Kanal zwischen Senftenberger und Geierswalder See darf kostenfrei genutzt werden.
- Festmachen: Anlegen kannst Du an den Marinas, Stadt- und Yachthäfen sowie an Wasserwanderrastplätzen, unter anderem am Senftenberger, Geierswalder und Großräschener See.
Die Faustregel lautet also: kleines Boot, moderate Motorisierung, und Du kommst hier ohne Papierkram weit. Genau das richtige Revier für Einsteiger, Familien und alle, die das Bootfahren erst einmal in Ruhe ausprobieren wollen.
Wo Du am besten startest
Der naheliegende Einstieg ist der Senftenberger See. Er ist der etablierteste der fünf, hat Stadthafen, Bootsverleih und Strände, und von dort führt der Koschener Kanal direkt weiter ins Netz. Wer ein Motorboot ohne Führerschein leihen will, wird hier fündig, die 15-PS-Grenze ist genau auf dieses Revier zugeschnitten.
Von dort tastest Du Dich weiter: Geierswalde mit seiner Marina, der junge Großräschener See mit dem Stadthafen am alten Tagebaurand, dazu Partwitz und der frisch angebundene Sedlitzer See. Plane die erste Tour nicht zu groß. Das Schöne an einem vernetzten Revier ist, dass Du jederzeit umkehren oder verlängern kannst.
Warum das mehr ist als ein neuer See
Reviere entstehen selten neu. Die meisten Gewässer, auf denen wir fahren, gibt es seit Generationen. Hier wächst gerade vor unseren Augen eines heran, gebaut aus einer Landschaft, die einmal komplett zerstört war. Das ist die eigentliche Geschichte hinter den 5.300 Hektar.
Für Dich als Bootsfahrer zählt am Ende aber etwas Konkretes: ein zusammenhängendes, gut erreichbares Revier zwischen Berlin und Dresden, mit klaren Regeln, niedriger Einstiegshürde und Platz zum Wachsen. Wenn Du in dieser Saison ein neues Stück Wasser ausprobieren willst, dann steht es jetzt offen. Leinen los.
Titelfoto: © Wirtschaftsregion Lausitz, Niklas Arnold (Pressefoto, Lausitzer Seenland).
Weiterlesen: Bootsführerschein: Welchen brauchst Du für welches Gewässer?
Häufig gestellte Fragen
Welche
Seit dem 29. Juni 2026 sind der Senftenberger See, der Großräschener See, der Geierswalder See, der Partwitzer See und der Sedlitzer See erstmals durchgängig über schiffbare Kanäle verbunden. Zusammen ergeben sie bis zu 5.300 Hektar befahrbare Wasserfläche.
Brauche
Motorboote bis 15 PS dürfen in Brandenburg und Sachsen führerscheinfrei gefahren werden, Segelboote ebenfalls. Erst über 15 PS ist der Sportbootführerschein Binnen nötig.
Wie
Für kleine Fahrzeuge gilt auf dem Senftenberger und dem Großräschener See Tempo 15 km/h, auf dem Geierswalder und dem Partwitzer See 30 km/h.
Wo
Bootsverleih und Stadthafen gibt es vor allem am Senftenberger See. Festmachen kannst Du außerdem an den Marinas, Yachthäfen und Wasserwanderrastplätzen am Geierswalder und am Großräschener See.
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