Zwei gleiche Boote, dasselbe Revier, derselbe Wind, und doch zieht das eine dem anderen davon. Der Unterschied sitzt selten im Rumpf und fast immer in den Segeln. Trimm ist die Kunst, aus dem vorhandenen Wind das Beste herauszuholen, und das Schöne daran ist: Sie kostet nichts außer Aufmerksamkeit. Wer die wichtigsten Stellschrauben versteht, segelt schneller, höher am Wind und vor allem entspannter, weil das Boot ausbalanciert läuft statt zu kämpfen.
Was Trimm überhaupt bewirkt
Ein Segel ist kein flaches Tuch, sondern ein Flügel. Seine Form, das sogenannte Profil, entscheidet darüber, wie viel Vortrieb es erzeugt. Ein tiefes, bauchiges Profil bringt viel Kraft und passt zu wenig Wind. Ein flaches Profil erzeugt weniger Bremswirkung und passt zu viel Wind. Beim Trimmen geht es darum, diese Profiltiefe, ihre Lage im Segel und die Verwindung des Tuchs an den jeweiligen Wind anzupassen. Wer das verinnerlicht, hört auf, wahllos an Leinen zu ziehen, und beginnt, gezielt zu arbeiten.
Das Großsegel: die wichtigsten Stellschrauben
Am Großsegel habt ihr die meisten Möglichkeiten. Die Großschot regelt vor allem die Verwindung und den Anstellwinkel des oberen Segelteils. Der Traveller, also der Großschotschlitten, verschiebt den Segeldruck nach Luv oder Lee, ohne die Verwindung stark zu verändern. Mit dem Cunningham zieht ihr das Vorliek straff und holt das Profil nach vorn, was bei zunehmendem Wind das Segel entlastet. Der Niederholer, der Baumkicker, kontrolliert die Verwindung, wenn ihr raumer segelt und die Schot das nicht mehr leistet. Und der Großschot-Unterliekstrecker regelt die Profiltiefe im unteren Segeldrittel.
Die Faustregel lautet: Bei wenig Wind darf das Segel bauchig und voll stehen, damit es Kraft entwickelt. Nimmt der Wind zu, wird flacher getrimmt, das Vorliek strammer gezogen und mehr Verwindung zugelassen, damit der Druck aus dem oberen Segel weicht und das Boot nicht überrannt wird. Ein gutes Zeichen für sauberen Trimm sind die Trimmfäden, die Wollfäden am Segel. Strömen sie auf beiden Seiten ruhig nach hinten, stimmt der Anstellwinkel.
Vorsegel: Holepunkt und Schot
Auch Fock und Genua wollen getrimmt sein. Die Vorschot bestimmt, wie dicht das Segel angestellt ist. Entscheidend ist aber der Holepunkt, also die Position, an der die Schot über den Schlitten läuft. Wandert er nach vorn, wird das Unterliek stärker durchgesetzt und das Segel unten bauchiger. Wandert er nach achtern, flacht das obere Segel ab und öffnet sich. Auch hier helfen die Trimmfäden: Brechen die oberen zuerst, steht der Holepunkt zu weit achtern, brechen die unteren zuerst, zu weit vorn.
„Trimm ist kein Hexenwerk, sondern ein Gespräch mit dem Boot. Die Trimmfäden sind seine Antwort, und wer gelernt hat, sie zu lesen, braucht kein teures Messgerät.“
Die Trimmmittel im Überblick
| Trimmmittel | Wirkung | Wann nutzen |
|---|---|---|
| Großschot | Verwindung und Anstellwinkel oben | Grundtrimm am Wind |
| Traveller | Druckpunkt nach Luv oder Lee | Feintrimm, Böen abfangen |
| Cunningham | Vorliek straff, Profil nach vorn | bei zunehmendem Wind |
| Niederholer | Verwindung auf Raumkursen | halber Wind bis raum |
| Holepunkt | Profiltiefe und Twist im Vorsegel | Vorsegel-Grundtrimm |
| Achterstag | Mastbiegung, flacht Groß ab | viel Wind, Höhe laufen |
Mehr Höhe oder mehr Speed?
Beim Segeln am Wind müsst ihr euch oft entscheiden: hoch an den Wind gehen oder schnell fahren. Beides zugleich gibt es selten. Wer Höhe laufen will, trimmt flacher und dichter und nimmt etwas Geschwindigkeit in Kauf. Wer Speed sucht, fällt ein paar Grad ab und lässt die Segel etwas voller stehen. Welcher Weg der richtige ist, hängt von der Situation ab, vom Seegang und davon, ob ihr ein Hindernis hoch anliegen müsst oder freie Bahn habt.
Übung schlägt Theorie
Am Ende lernt ihr Trimm nicht am Schreibtisch, sondern am Ruder. Spielt mit den Leinen, beobachtet die Trimmfäden, fühlt, wie das Boot auf jede Änderung reagiert. Mit der Zeit bekommt ihr ein Gespür dafür, wann das Boot in der Spur läuft und wann es kämpft. Genau dieses Gespür macht aus einem Segler einen guten Segler, und es ist der günstigste Geschwindigkeitsgewinn, den ihr je bekommt.
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