Moin, ihr Lieben. Ich habe schon viele glückliche Käufer erlebt und leider auch viele, die sich vor lauter Verliebtheit ein Fass ohne Boden ans Bein gebunden haben. Der Unterschied liegt fast immer in einer einzigen Stunde: der Besichtigung. Wer da mit wachen Augen und kühlem Kopf durchgeht, sieht, was Sache ist. Wer nur auf den schönen Lack guckt, kauft die Sorgen des Vorbesitzers gleich mit. Heute zeige ich euch, worauf ich bei einer Besichtigung als Erstes schaue.

Erst die Papiere, dann das Boot

Bevor ich überhaupt auf das Boot klettere, will ich die Papiere sehen. Gehört das Boot dem Verkäufer wirklich, gibt es Rechnungen, ein Scheckheft, Nachweise über größere Reparaturen? Ein Verkäufer, der hier herumdruckst, sagt mir schon eine ganze Menge, bevor ich den ersten Schraubenzieher in die Hand nehme. Ein gepflegtes Boot hat eine Geschichte, und die lässt sich belegen.

Der Rumpf: hier steckt das große Geld

Das Boot gehört für eine ehrliche Besichtigung aus dem Wasser, alles andere ist Augenwischerei. Am Unterwasserschiff suche ich nach Rissen, nach Reparaturstellen und vor allem nach Osmose. Das sind kleine Bläschen unter dem Antifouling, und wenn man sie aufdrückt, kommt eine säuerlich riechende Flüssigkeit heraus. Osmose ist kein Weltuntergang, aber eine Sanierung kostet richtig Geld, und das muss vom Preis runter.

Dann nehme ich den Klopftest. Mit dem Knöchel oder einem Plastikhammer klopfe ich den Rumpf ab und höre auf den Klang. Klingt es klar, ist das Laminat gesund. Klingt es dumpf und stumpf, sitzt da Feuchtigkeit oder eine Delamination, und das ist eine teure Baustelle. Die Kielbolzen schaue ich mir auch an, denn Rost und Risse rund um den Kiel sind ein echtes Warnsignal.

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Deck und Aufbau: tretet überall drauf

Aufs Deck gehe ich nicht spazieren, ich trete bewusst auf jede Stelle. Gibt das Deck unter dem Fuß nach oder fühlt sich weich an, ist Feuchtigkeit in den Kern gezogen, und das ist eine fiese, teure Sache. An den Beschlägen, der Reling und den Fenstern suche ich nach undichten Stellen und Korrosion. Wasser, das jahrelang an der falschen Stelle eindringt, richtet im Verborgenen mehr Schaden an, als man von außen je sieht.

Der Motor: kalt starten, nicht vorgewärmt

Beim Motor lasse ich mich nicht abspeisen mit einer Maschine, die schon lief, als ich ankam. Ich will den Kaltstart sehen, denn der verrät die Wahrheit. Springt er willig an, qualmt er blau oder weiß, läuft er rund? Dann schaue ich nach Öl- und Wasserspuren, prüfe den Ölstand und vor allem die Farbe. Ist das Öl hell und milchig, ist Wasser drin, und dann ist höchste Vorsicht geboten. Am Getriebeöl mache ich dasselbe. Bei einem teuren Boot hole ich für den Motor lieber einen Fachmann dazu, das ist gut angelegtes Geld.

„Ein übersehener Motorschaden frisst euch die ganze schöne Rechnung in einer einzigen Position auf. Genau deshalb schaue ich beim Motor doppelt hin, bevor irgendwer Geld in die Hand nimmt.“

Die Probefahrt ist Pflicht, keine Kür

Und jetzt kommt der Punkt, an dem viele schwach werden: Kauft mir kein Boot, das ihr nicht gefahren seid. Auf der Probefahrt zeigt sich, was im Hafen verborgen bleibt. Bringt der Motor unter Last seine Drehzahl, bleibt die Temperatur im grünen Bereich, vibriert nichts, hält das Boot Kurs? Ein Verkäufer, der eine Probefahrt verweigert, hat dafür fast immer einen Grund, und der ist selten zu eurem Vorteil.

Im Video: Probelauf beim Gebrauchtkauf

Warum der Probelauf beim Gebrauchtkauf über teure Überraschungen entscheidet, zeigt Dieter der Bootsdoktor.

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Mein Rat zum Schluss

Nehmt euch Zeit, lasst euch nicht drängen, und hört auf euer Bauchgefühl. Jeder Mangel, den ihr findet, ist ein Argument für den Preis, kein Grund zur Panik. Und wenn das Boot teuer ist oder ihr unsicher seid, holt euch einen Gutachter oder einen Fachmann dazu. Die eine Stunde Begutachtung ist das billigste Geld, das ihr beim Bootskauf ausgebt. Den Rest erledigt ihr mit der Checkliste für den Gebrauchtbootkauf.

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