Moin. Ich bin der Klaus-Günther, Jahrgang 1947, mein ganzes Leben hier in Buxtehude zu Hause. Mit dem Motorbootfahren habe ich erst spät angefangen, da war ich schon über fünfzig. Ein Nachbar wollte damals so eine alte Kajütboot-Schale loswerden, halb durchgegammelt war die. Meine Margret hat den Kopf geschüttelt und gesagt, der Klaus is nu auch tüdelig geworden. Aber ich hab das Ding in die Einfahrt gestellt und zwei Winter dran rumgeschraubt. Heute liegt die kleine Verdränger bei uns am Steg an der Este, acht Meter lang, und Margret is die Erste, die rein will, wenn das Wetter passt.

Wer hier an der Este wohnt, der lernt eins von ganz alleine. Du machst nich, was du willst, sondern was das Wasser will. Die Este geht mit der Tide, und das Sperrwerk gibt den Takt vor. Ich leg ab, wenn das Wasser aufläuft, dann trägt es mich raus auf die Elbe. Gegen die Strömung anzustinken, das macht man genau einmal. Danach lässt man das.

Am liebsten fahren wir elbauf nach Hamburg rein. Das is jedes Mal wieder was. Du tuckerst da durch den Hafen, und neben dir liegen diese Pötte, so groß wie ganze Häuserblocks, da kommst du dir vor wie ein Spielzeug. Aber Vorsicht is angesagt. Die Großen haben immer Vorfahrt, und die Welle von so einem Frachter, die schmeißt dir den Kaffee aus die Hand. Einmal hat uns so ein Schwung erwischt, da is der ganze Tee von Margret durch die Kajüte geflogen. Seitdem heißt es bei uns. Erst festmachen, denn kieken.

Andersrum, elbab Richtung Stade und Glückstadt, da wird es weit und windig. Du riechst das Meer, lange bevor du es siehst. Bloß unterschätzen darf man das nich. Mit dem Motorboot auf der Unterelbe is das kein Sonntagsausflug. Wenn der Wind gegen den Strom steht, baut sich da ruckzuck so eine kurze, steile Welle auf, die schüttelt ein kleines Boot ganz schön durch. Ich guck vorher immer auf die Tide und woher der Wind kommt. Das klingt nach viel Gedöns, aber es hat mir manche böse Überraschung erspart.

Was mir das Bootfahren wirklich gebracht hat, sind aber gar nicht die Seemeilen. Es sind die Leute am Steg. Da hilft einer dem andern beim Kranen, man leiht sich Werkzeug, und abends sitzt man zusammen, wenn einer den Grill anschmeißt. Mein bester Kumpel, der Heinz, is so ein Stegnachbar. Wir haben zusammen mehr Dichtungen gewechselt und mehr Bier getrunken, als gut für uns war.

Nu bin ich bald achtzig, und beim Anlegen knacken die Knochen lauter als früher. Aber solange ich die Leinen noch selber werfen kann, gebe ich das Boot nich her. Wer auch so anfangen will, dem sag ich bloß eins. Fang klein an, lern dein Revier in- und auswendig, und hör auf die alten Hasen am Steg. Das Wasser verzeiht keine Großspurigkeit. Aber wer ihm mit Respekt kommt, der kriegt Stunden geschenkt, die vergisst man nich mehr.

Bliev gesund un kumm gut wedder.
Klaus-Günther Steffens, Buxtehude