Zehn Tage, 870 Boote, rund 1.600 Aktive und etwa 600.000 Menschen an Land: Die 137. Travemünder Woche ist Geschichte, und sie hinterlässt eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Vom 17. bis 26. Juli 2026 war die Lübecker Bucht wieder die Bühne für eines der größten Segelsportfeste der Welt, für spannende Titelkämpfe auf dem Wasser und ein ausgelassenes Volksfest an den Kaikanten. Am Ende stand ein Feuerwerk über der Trave, und mit ihm der Schlusspunkt unter eine Woche, die vor allem eine Klasse von Gästen geprägt hat.
Die RS Games machen Travemünde zum Weltzentrum
Der große Star dieser Travemünder Woche kam von der Insel, genauer gesagt aus vielen Ländern zugleich. Erstmals wurden die RS Games außerhalb Großbritanniens ausgetragen, und Travemünde bekam den Zuschlag. Das Ergebnis war ein Feld der Superlative: 619 Boote und 945 Seglerinnen und Segler aus 29 Nationen und von drei Kontinenten machten die kleinen, sportlichen RS-Jollen und -Kielboote zum bestimmenden Bild der Woche.
Sportlich dominierten die Briten. Weltmeister im RS Feva XL wurden Cassius Day und Harry O’Callaghan, die Europameistertitel im RS 200 und im RS 400 blieben mit Jan Pickard und Laurie Callaghan sowie John Reekie und Justin Denny ebenfalls in britischer Hand. Den Euro Cup der modernen RS 21 sicherte sich der Italiener Davide Albertini Petroni. „Man hat das Gefühl, dass es eine große RS-Familie ist“, sagte Sportdirektor Jens Kath. Und Michiel Geering von RS Sailing schwärmte: „Die Atmosphäre war einzigartig, das Festivalgefühl in Travemünde war außergewöhnlich.“

Deutsche Erfolge in den Klassikern
Neben dem internationalen Trubel behaupteten sich die traditionsreichen Klassen und die deutschen Crews. Im Folkeboot-Goldcup, dem inoffiziellen Weltmeistertitel der klassischen Holzboote, krönte sich Ulf Kipcke vom Kieler Yacht-Club zum dritten Mal und ist damit der erfolgreichste deutsche Folkeboot-Skipper der Geschichte. Bei den Drachen holte Benjamin Morgen aus Hamburg die Norddeutsche Meisterschaft, und im rasanten Formula-18-Katamaran fuhren die Brüder Jesse und Sven Lindstädt zum Gesamtsieg.
Auf der Langstrecke und den Mittelstrecken der Seesegler setzte sich in der ORC-Wertung mehrfach Jürgen Klinghardts „Patent 4″ durch, in der Yardstick-Gruppe gewann zum Abschluss Falk Einecke aus Warnemünde mit der „Geronimo 2.0″. Die Vaurien-Weltmeisterschaft ging überlegen an die Italiener Olmo Cerri und Gioia Bertolani. Über die ganze Woche verteilten sich die 274 Wettfahrten auf 26 Wettbewerbe, und die Siege auf sieben Nationen, wobei Deutschland und Großbritannien mit je zehn Titeln vorn lagen.

Mehr als nur Regatta
Zur Travemünder Woche gehört seit jeher das, was neben dem Wasser passiert. Rund 600.000 Besucher strömten über die Festmeile, feierten auf der Viermastbark Passat, verfolgten das Duell des Volksbank Rotspon Cups auf historischen Yachten und ließen sich abends von Musik und Feuerwerk unterhalten. Getragen wurde das alles von knapp 440 Ehrenamtlichen, ohne die ein Fest dieser Größe nicht denkbar wäre.
Auch das Wetter spielte am Ende mit, wenn auch mit norddeutscher Wechselhaftigkeit. „Mit den zahlreichen Klassen und den großen Feldern hatten wir einige Herausforderungen zu meistern, doch die Organisation hat gut geklappt“, zog Geschäftsführer Frank Schärffe ein zufriedenes Fazit. Und weil selbst der verregnete Schlusssonntag am Abend noch ein Feuerwerk über der Trave zuließ, brachte es Uwe Bergmann von der Veranstaltungsagentur mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Petrus muss ein Travemünder sein.“
Bis zum nächsten Jahr
Für boatsinside war es die erste Travemünder Woche mit eigener Akkreditierung, und wir haben sie Tag für Tag im Ticker begleitet. Was bleibt, ist das Bild einer Woche, die Weltklasse-Sport und großes Volksfest so selbstverständlich verbindet wie kaum ein anderes Segelevent. Die RS Games haben gezeigt, welche internationale Strahlkraft Travemünde hat, die klassischen Klassen haben Tradition und Spannung geliefert, und das Publikum hat gefeiert, als hätte es nie geregnet.
Die 138. Travemünder Woche kommt bestimmt. Wir sind dann wieder dabei. Tschüss, Travemünde, und danke für zehn Tage Segelsommer.
Weiterlesen: Der Tagesticker: alle zehn Tage der Travemünder Woche 2026
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