Moin. Ein Sturm zieht durch, und am nächsten Morgen stehst Du am Steg und schaust in ein anderes Gesicht Deines Bootes. Die Persenning zerfetzt, ein Fender geplatzt, eine Scheuerstelle am Rumpf, im schlimmsten Fall ein abgerissenes Boot, das gegen die Pier geschlagen ist. Der erste Impuls ist Schreck, der zweite Wut. Aber jetzt kommt es auf einen kühlen Kopf an. Denn was Du in den nächsten Stunden richtig oder falsch machst, entscheidet darüber, ob Deine Versicherung zahlt oder Du auf dem Schaden sitzenbleibst. Genau das schauen wir uns an: Was tun, wenn der Sturm zugeschlagen hat?

Wetterextreme nehmen zu, und ein Boot ist ihnen ausgeliefert. Umso wichtiger ist es, den Ablauf im Schadensfall zu kennen, bevor Du ihn brauchst.

Zuerst: Sicherheit und keine Eile mit der Reparatur

Bevor irgendetwas anderes passiert, geht die Sicherheit vor. Betritt ein beschädigtes Boot vorsichtig, gerade wenn es Wasser gemacht hat oder instabil liegt. Ein Boot, das zu sinken droht, ist Sache der Profis, nicht Dein Heldenmoment. Ist die Lage sicher, kommt der wichtigste Grundsatz für die Versicherung: Verändere den Schaden nicht, bevor er dokumentiert ist.

Das ist entscheidend. Wer sofort aufräumt, wegwirft und repariert, vernichtet die Beweise. Die Versicherung will sehen, was passiert ist. Also erst dokumentieren, dann handeln. Die einzige Ausnahme ist die Schadenminderung, dazu gleich mehr, denn die ist sogar Deine Pflicht.

Dokumentieren, dokumentieren, dokumentieren

Dein wichtigstes Werkzeug im Schadensfall ist die Kamera in Deiner Tasche. Halte alles fest, gründlich und aus mehreren Blickwinkeln.

  • Fotos und Videos von allem. Der Gesamtschaden, jedes Detail, die Umgebung, die Situation am Liegeplatz. Lieber zu viele Aufnahmen als zu wenige.
  • Die Ursache festhalten. Wenn erkennbar ist, wie es passierte, eine gerissene Leine, ein losgerissenes Nachbarboot, ein umgestürzter Baum, dann dokumentiere auch das.
  • Zeugen und Nachbarn. Hat jemand etwas gesehen? Notiere Namen. Auch der Hafenmeister ist ein wichtiger Zeuge und oft der Erste, der Bescheid weiß.
  • Die Wetterlage. Ein Nachweis über den Sturm, etwa eine offizielle Wetterwarnung für den Tag, stützt Deine Meldung. Solche Daten lassen sich später schwer beschaffen, denk früh daran.

Merke: Ein gut dokumentierter Schaden wird bezahlt, ein schlecht dokumentierter wird zur Diskussion. Die halbe Stunde mit der Kamera ist die bestbezahlte Arbeit des ganzen Tages.

Hände fotografieren mit dem Smartphone eine beschädigte Stelle am Bug eines Boots zur Schadensdokumentation
Erst dokumentieren, dann handeln: Jede Schadstelle aus mehreren Winkeln festhalten.
Bild: KI-generiert

Deine Pflicht: den Schaden begrenzen

Jetzt zu dem einen Punkt, der auch in Deinem eigenen Interesse liegt: die Schadenminderungspflicht. Du bist verpflichtet, einen weiteren Schaden zu verhindern, so gut Du kannst. Wenn das Boot Wasser macht, musst Du lenzen oder es sichern. Wenn eine offene Stelle den Regen hereinlässt, deckst Du sie provisorisch ab. Wenn es sich losgerissen hat, machst Du es wieder fest.

Das ist kein Widerspruch zum Nicht-Verändern des Schadens. Du behebst nicht, Du verhinderst nur Schlimmeres. Und auch diese Sicherungsmaßnahmen dokumentierst Du, bevor Du sie durchführst. Wer die Schadenminderung unterlässt und der Schaden dadurch größer wird, riskiert, dass die Versicherung den vermeidbaren Teil nicht übernimmt. Handeln ist hier also Pflicht und Vorteil zugleich.

Die Meldung an die Versicherung

Sobald der Schaden dokumentiert und gesichert ist, meldest Du ihn Deiner Versicherung, und zwar zügig. Die meisten Policen verlangen eine unverzügliche Meldung. Ruf an oder schreib, schildere den Hergang sachlich und vollständig, und frag nach dem weiteren Vorgehen. Oft schickt die Versicherung einen Gutachter oder gibt Dir genaue Anweisungen, wie es weitergeht.

Wichtig: Warte mit einer größeren Reparatur, bis die Versicherung grünes Licht gibt oder der Gutachter da war. Wer voreilig reparieren lässt, kann Probleme mit der Erstattung bekommen. Kleinere Sicherungsmaßnahmen sind okay, die große Instandsetzung wird abgestimmt. Heb außerdem alle Belege auf, für Sicherungsmaterial, für die Bergung, für alles. Diese Kosten gehören oft mit zum erstattungsfähigen Schaden.

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Kennst Du Deinen Vertrag?

Der beste Zeitpunkt, die eigene Police zu verstehen, ist lange vor dem Sturm. Denn nicht jede Versicherung deckt alles. Eine reine Haftpflicht zahlt nur Schäden, die Du anderen zufügst, nicht die an Deinem eigenen Boot. Für den eigenen Sturmschaden brauchst Du eine Kaskoversicherung. Und auch da lohnt der Blick ins Kleingedruckte: Welche Naturereignisse sind gedeckt, gibt es eine Selbstbeteiligung, sind bestimmte Auflagen zum Festmachen oder zum Winterlager zu erfüllen?

Manche Policen verlangen zum Beispiel, dass das Boot ordnungsgemäß vertäut oder bei angekündigtem Sturm zusätzlich gesichert ist. Wer diese Auflagen kennt und erfüllt, steht im Schadensfall auf der sicheren Seite. Wer sie ignoriert, erlebt womöglich eine böse Überraschung. Nimm Dir einmal in Ruhe eine halbe Stunde und lies, was Deine Versicherung wirklich verspricht.

Vorbeugen ist besser als abrechnen

Am Ende ist der beste Schadensfall der, der gar nicht erst eintritt. Wenn ein Sturm angekündigt ist, und heute weiß man das meist rechtzeitig, dann sichere Dein Boot zusätzlich. Zusätzliche Leinen, mehr Fender, die Persenning abnehmen oder festzurren, loses Zeug von Deck. Diese Stunde Arbeit vor dem Sturm erspart Dir im Zweifel den ganzen Ärger danach. Wie man ein Boot gegen extreme Wetterlagen sichert, ist ein Thema für sich, und es lohnt sich, das ernst zu nehmen.

Mein Fazit

Ein Sturmschaden ist ärgerlich, aber beherrschbar, wenn Du ruhig und systematisch vorgehst. Sicherheit zuerst, dann alles dokumentieren, den Schaden begrenzen, zügig der Versicherung melden und mit der großen Reparatur warten, bis abgestimmt ist. Und das Wichtigste passiert schon vorher: Kenne Deinen Vertrag, erfülle seine Auflagen, und sichere Dein Boot, wenn es ernst wird.

Wer das beherzigt, verwandelt eine unangenehme Situation in eine bloße Formsache. Das Boot wird repariert, die Versicherung zahlt, und Du hast eine Geschichte mehr zu erzählen. Bereite Dich vor, solange die See ruhig ist. Dann bist Du gewappnet, wenn sie es nicht mehr ist.

Weiterlesen: Bootsversicherung: Haftpflicht und Kasko erklärt und Meteotsunami, Bora und Co: So sicherst Du Dein Boot

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Häufig gestellte Fragen


Was muss ich nach einem Sturmschaden am Boot zuerst tun?

Zuerst auf die eigene Sicherheit achten und ein instabiles oder sinkendes Boot den Profis überlassen. Dann den Schaden gründlich mit Fotos und Videos dokumentieren, bevor Du etwas veränderst. Anschließend den Schaden begrenzen, etwa lenzen oder offene Stellen abdecken, und zügig der Versicherung melden. Mit der großen Reparatur wartest Du, bis sie abgestimmt ist.


Zahlt die Versicherung jeden Sturmschaden am eigenen Boot?

Nur wenn Du eine Kaskoversicherung hast. Eine reine Haftpflicht deckt ausschließlich Schäden, die Du anderen zufügst, nicht die am eigenen Boot. Bei der Kasko lohnt der Blick ins Kleingedruckte: gedeckte Naturereignisse, Selbstbeteiligung und Auflagen zum Festmachen oder Sichern. Wer die Auflagen erfüllt, steht im Schadensfall sicher da.


Darf ich mein Boot nach dem Sturm sofort reparieren?

Kleinere Sicherungsmaßnahmen zur Schadenbegrenzung ja, die sind sogar Pflicht. Mit der größeren Reparatur solltest Du warten, bis die Versicherung zugestimmt hat oder ein Gutachter den Schaden gesehen hat. Wer voreilig repariert, vernichtet Beweise und riskiert Probleme mit der Erstattung. Alle Belege für Sicherung und Bergung aufheben.