Moin. Segel sind der teuerste Verschleißartikel an Deinem Boot. Sie sehen jahrelang gleich aus und verlieren trotzdem jedes Jahr an Form, und der Zeitpunkt, an dem Du am meisten dafür oder dagegen tun kannst, ist ausgerechnet der, an dem Du nicht segelst.
Der Winter entscheidet, ob Dein Segel im Frühjahr da weitermacht, wo es aufgehört hat, oder ob es eine Saison gealtert ist, ohne einen Meter gefahren zu sein.
Der Hauptfeind heißt UV, nicht Wind
Das überrascht viele. Nicht der harte Schlag beim Halsen killt Segeltuch, sondern die Sonne. UV-Strahlung ist der wichtigste Faktor bei der Alterung von Segeltuch, und sie wirkt jeden Tag, an dem das Segel offen liegt, auch ohne dass Du fährst.
Daraus folgt die billigste Maßnahme überhaupt: Persenning drüber, jedes Mal. Ein Großsegel, das den Sommer über ungeschützt im Baum liegt, verliert schneller als eines, das nach jedem Törn zugedeckt wird. Und beim Rollvorsegel ist der UV-Schutzstreifen am Achterliek kein Zierstreifen, sondern das einzige, was zwischen Sonne und Tuch steht. Ist er ausgeblichen und mürbe, gehört er erneuert, bevor er das Segel darunter mitnimmt.
Waschen: mit wenig, nicht mit viel
Vor dem Einlagern kommt das Salz raus. Salz zieht Feuchtigkeit, und Feuchtigkeit über sechs Monate ist genau das, was Du nicht willst.
- Süßwasser und eine weiche Bürste. Warmes Wasser reicht für das meiste, und die meisten Flecken gehen damit weg.
- Keine aggressiven Reiniger. Sie greifen Beschichtung und Imprägnierung an. Danach ist das Tuch nicht sauberer, sondern durchlässiger.
- Niemals in die Waschmaschine. Das ist kein Vorsichtshinweis, das ist eine Garantie: Das Segel kommt kaputt wieder heraus.
- Vollständig trocknen lassen, und zwar wirklich vollständig, bevor es zusammenkommt.
Ein feuchtes Segel, das eingerollt liegen bleibt, schimmelt in Tagen. Und Schimmel bekommst Du aus Segeltuch kaum wieder heraus.
Das ist der Fehler, der die meisten Segel ruiniert: Nach dem letzten Törn wird das nasse Segel eingepackt, weil es regnet und alle nach Hause wollen. Zwei Wochen später ist es zu spät. Wenn Du nicht trocknen kannst, roll es locker und lose ein und komm in den nächsten Tagen wieder, aber lass es nicht bis zum Frühjahr liegen.
Rollen oder falten?
Beides geht, wenn Du eine Regel beachtest: Nie zweimal an derselben Kante. Ein Segel, das jahrelang exakt gleich gefaltet wird, bekommt Dauerknicke, und die bleiben.
Für laminierte Segel ist Rollen die bessere Wahl, idealerweise vom Kopf zum Unterliek. Für klassisches Tuch funktioniert auch das Falten im Zickzack gut, wenn Du die Faltkanten von Jahr zu Jahr versetzt.
Und dann gilt für die Lagerung dasselbe wie für alles andere an Bord: trocken, luftig, nicht in einem dicht verschlossenen Plastiksack. Ein Sack ohne Luftaustausch ist eine Schimmelkammer, egal wie trocken das Segel beim Einpacken war.
Der Winterservice beim Segelmacher
Viele Segelmacher bieten genau dafür einen Winterservice an: waschen, prüfen, kleine Reparaturen, danach eingelagert bis zum Frühjahr. Manche nennen es Segelhotel.
Das kostet Geld und lohnt sich aus zwei Gründen, die wenig mit Bequemlichkeit zu tun haben.
Erstens findet jemand die Schäden, die Du nicht siehst. Aufgehende Nähte am Achterliek, Scheuerstellen dort, wo das Segel an Salingen und Spreizen anliegt, ausgeschlagene Kauschen, brüchige Fenster. Alles Dinge, die im Mai bei Wind zum echten Problem werden.
Zweitens ist der Winter die Zeit, in der der Segelmacher Kapazität hat. Dieselbe Reparatur im April, wenn alle gleichzeitig kommen, dauert länger und kostet Dich im Zweifel die ersten Törns.
Was Du selbst prüfst, bevor es weggeht
- Die Nähte am Achterliek, Zentimeter für Zentimeter. Dort steht die Last, und dort geht es zuerst auf.
- Alle Auflagepunkte: Wo das Segel an Salingen, Spreizen oder der Reling scheuert, wird das Tuch dünn.
- Kauschen, Rutscher und Schlitten auf Spiel und Ausschlag.
- Der UV-Schutzstreifen am Rollvorsegel auf Bleiche und Risse.
- Die Fenster, falls vorhanden. Blind ist unschön, brüchig ist ein Riss in spe.
Notier Dir, was Du findest, und gib den Zettel mit ab. Ein Segelmacher, der weiß, wo er hinsehen soll, arbeitet schneller und findet mehr.
Am Ende ist es dieselbe Rechnung wie beim Motor: Ein Segel, das jedes Jahr gewaschen, geprüft und trocken gelagert wird, hält deutlich länger als eines, das nur benutzt wird. Nur dass beim Segel niemand merkt, wenn man es schleifen lässt. Bis es reißt.
Häufig gestellte Fragen
Was macht Segeltuch am schnellsten kaputt?
UV-Strahlung. Sie ist der wichtigste Faktor bei der Alterung von Segeltuch und wirkt jeden Tag, an dem das Segel ungeschützt liegt. Persenning und ein intakter UV-Schutzstreifen am Rollvorsegel sind deshalb die wirksamsten Maßnahmen überhaupt.
Wie wasche ich meine Segel?
Mit Süßwasser, warmem Wasser und einer weichen Bürste. Keine aggressiven Reiniger, die greifen Beschichtung und Imprägnierung an. Und niemals in der Waschmaschine, dabei geht das Segel kaputt.
Segel rollen oder falten?
Beides funktioniert, solange nicht jedes Jahr an derselben Kante gefaltet wird, sonst entstehen Dauerknicke. Laminierte Segel rollt man besser, idealerweise vom Kopf zum Unterliek. Gelagert wird trocken und luftig, niemals in einem dicht verschlossenen Plastiksack.
Lohnt sich der Winterservice beim Segelmacher?
Meistens ja. Er findet Schäden, die man selbst übersieht, etwa aufgehende Nähte am Achterliek und Scheuerstellen an Salingen. Außerdem hat der Segelmacher im Winter Kapazität, während dieselbe Reparatur im April die ersten Törns kosten kann.
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