Moin. Das UKW-Funkgerät ist das wichtigste Sicherheitsgerät an Bord, wichtiger als jedes Navigationswunder. Denn wenn es wirklich ernst wird, ist es Deine direkte Leitung zu Hilfe. Und trotzdem sitzt vielen Bootsfahrern der Angstschweiß auf der Stirn, wenn sie das Mikrofon in die Hand nehmen sollen. Was sage ich? Auf welchem Kanal? Und mache ich mich zum Affen, wenn ich es falsch mache? Diese Unsicherheit ist gefährlich, denn im Notfall darf man nicht zögern. Deshalb reden wir heute nicht übers Kaufen und nicht über den Schein, sondern über die Praxis: Wie funkst Du richtig, sicher und ohne Dich zu blamieren?

Funken ist wie eine kleine Sprache mit klaren Regeln. Wer sie einmal beherrscht, greift entspannt zum Mikrofon. Fangen wir an.

Der wichtigste Kanal: die 16

Merk Dir eine Zahl, wenn Du sonst nichts behältst: Kanal 16. Das ist der internationale Anruf- und Notkanal, die Herzkammer des Seefunks. Auf Kanal 16 hörst Du mit, wenn Du unterwegs bist, denn hier laufen Notrufe und wichtige Sicherheitsmeldungen. Und hier rufst Du zuerst, wenn Du jemanden erreichen willst.

Aber, und das ist entscheidend, Kanal 16 ist kein Plauderkanal. Du rufst dort nur an und wechselst dann sofort auf einen Arbeitskanal, um dein eigentliches Gespräch zu führen. Wer die 16 mit Geschwätz über den Fang von gestern blockiert, versperrt im Zweifel jemandem in Not den Weg. Die 16 gehört den Wichtigen Dingen: rufen und retten. Halte sie frei.

Die drei Notrufe: Mayday, Pan-Pan, Sécurité

Jetzt zum Kern der Sache, den drei Rangstufen von dringenden Meldungen. Sie klingen fremd, aber sie sind weltweit gleich und glasklar gestaffelt. Wer sie kennt, versteht sofort, wie ernst eine Lage ist.

  • Mayday ist der höchste Notruf. Er bedeutet unmittelbare Lebensgefahr oder die Gefahr, das Schiff zu verlieren. Feuer, Sinken, ein Mensch über Bord in Lebensgefahr. Mayday hat absoluten Vorrang, alle anderen schweigen.
  • Pan-Pan ist die Dringlichkeitsmeldung. Es ist ernst, aber noch keine unmittelbare Lebensgefahr. Der Motor ausgefallen und Du treibst auf eine Küste zu, eine ärztliche Frage an Bord, so etwas. Wichtig, aber eine Stufe unter Mayday.
  • Sécurité ist die Sicherheitsmeldung. Sie kündigt Informationen zur Navigation oder zum Wetter an, eine Sturmwarnung, ein Treibgut, ein manövrierunfähiges Schiff im Fahrwasser. Kein Notruf für Dich, aber wichtig zum Mithören.

Diese drei Wörter sind kein Hexenwerk, aber sie retten Leben, weil jeder Zuhörer sofort weiß, woran er ist. Präg sie Dir ein, damit Du im Ernstfall nicht suchst.

So setzt Du einen Notruf ab

Wenn es wirklich brennt, zählt jede Sekunde und jede klare Information. Ein Notruf folgt deshalb einem festen Schema, das Du Dir am besten ausgedruckt neben das Funkgerät klebst. Die wichtigsten Angaben in der richtigen Reihenfolge:

Du sagst dreimal Mayday, dann den Namen Deines Bootes. Dann kommt das Wichtigste: Wo bist Du, möglichst als Position. Was ist passiert, die Art der Not. Wie viele Menschen an Bord sind. Und welche Hilfe Du brauchst. Ruhig sprechen, deutlich, nicht hetzen. Lieber einmal klar als dreimal panisch. Wer die Position durchgibt, gibt den Rettern das wertvollste Geschenk, denn ohne zu wissen, wo Du bist, kann Dir keiner helfen.

Die meisten modernen Geräte haben zusätzlich einen DSC-Notknopf, den digitalen Seenotruf. Ein Druck, und das Gerät sendet automatisch eine Notmeldung mit Deiner Kennung und, wenn angeschlossen, Deiner GPS-Position. Das ist genial, aber es funktioniert nur, wenn Dein Gerät richtig mit Deiner Funkkennung programmiert ist. Kümmere Dich vorher darum, nicht im Notfall. Und den roten Knopf drückst Du natürlich nur im echten Notfall, nicht aus Neugier.

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Die Etikette: kurz, klar, diszipliniert

Abseits der Notfälle gibt es eine Funkkultur, und wer sie beherrscht, wird sofort als jemand erkannt, der weiß, was er tut. Die Regeln sind simpel und dienen alle einem Zweck: dass möglichst viele den knappen Funkraum nutzen können.

  • Erst hören, dann senden. Bevor Du sprichst, hör kurz rein, ob der Kanal frei ist. Reinquatschen in ein laufendes Gespräch ist der klassische Anfängerfehler.
  • Fasse Dich kurz. Funk ist kein Telefon. Sag, was gesagt werden muss, und dann ist gut. Lange Monologe blockieren den Kanal für alle.
  • Sprich deutlich und benutze das Buchstabieralphabet. Namen und wichtige Wörter buchstabierst Du mit Alpha, Bravo, Charlie. Das verhindert Missverständnisse, gerade bei Rauschen.
  • Kein Privatgeschwätz. Der Seefunk ist für die Schifffahrt da, nicht für den Plausch. Halte ihn sachlich und kurz.
  • Die Verfahrenswörter. Ein schlichtes „over“, wenn Du eine Antwort erwartest, und „out“ am Ende des Gesprächs, schaffen Klarheit, wer wann dran ist.

Übrigens: Einen Funkcheck, also die Prüfung, ob Dein Gerät sendet, machst Du bitte nicht auf Kanal 16, sondern auf einem Arbeitskanal oder über die dafür vorgesehenen Dienste. Auch das gehört zur Rücksicht auf den wichtigsten Kanal.

Warum das Üben so wichtig ist

Und hier kommt mein eindringlicher Rat. Der Umgang mit dem Funkgerät muss sitzen, bevor Du ihn brauchst. Im Notfall, bei Panik, mit zitternden Händen, ist nicht der Moment, das erste Mal einen Notruf zu formulieren. Deshalb: Mach Dich vertraut mit Deinem Gerät, geh das Notrufschema im Kopf durch, präg Dir die drei Notruf-Wörter ein. Ein Funkgerät, das Du sicher bedienst, ist ein Lebensretter. Ein Funkgerät, vor dem Du Angst hast, ist nur ein teurer Kasten.

Und ja, für den Betrieb eines Seefunkgeräts brauchst Du ein Funkzeugnis, das ist Pflicht und hat seinen guten Grund. Aber der Schein allein macht Dich noch nicht sicher. Die Sicherheit kommt aus der Vertrautheit, und die baust Du auf, indem Du das Wissen frisch hältst und im Kopf durchspielst.

Mein Fazit

Richtig zu funken ist keine Geheimwissenschaft, sondern eine erlernbare, klare Fertigkeit. Halte Kanal 16 frei und nutze ihn zum Rufen und für Notfälle. Kenne die drei Stufen Mayday, Pan-Pan und Sécurité. Hab das Notrufschema griffbereit und die Position immer im Kopf. Und pfleg im Alltag die Funkdisziplin: kurz, klar, diszipliniert.

Wer das beherrscht, nimmt das Mikrofon ohne Zögern in die Hand, im Alltag wie im Ernstfall. Und genau diese Selbstverständlichkeit ist es, die im entscheidenden Moment den Unterschied macht. Übe es, solange alles ruhig ist. Dann bist Du bereit, wenn es das nicht mehr ist. Bleib sicher da draußen, und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Weiterlesen: UKW-Funkgeräte für Boote: die Kaufberatung und Funkzeugnisse SRC, UBI und LRC erklärt

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Häufig gestellte Fragen


Wofür ist Kanal 16 im Seefunk da?

Kanal 16 ist der internationale Anruf- und Notkanal. Hier hörst Du unterwegs mit, weil Notrufe und Sicherheitsmeldungen darüber laufen, und hier rufst Du zuerst an, um dann sofort auf einen Arbeitskanal zu wechseln. Kanal 16 ist kein Plauderkanal und muss für Anrufe und Notfälle frei bleiben.


Was ist der Unterschied zwischen Mayday, Pan-Pan und Sécurité?

Es sind die drei Dringlichkeitsstufen im Seefunk. Mayday ist der höchste Notruf bei unmittelbarer Lebensgefahr oder drohendem Schiffsverlust. Pan-Pan ist die Dringlichkeitsmeldung bei ernster, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlicher Lage. Sécurité kündigt Sicherheitsinformationen zur Navigation oder zum Wetter an.


Wie setze ich einen Notruf über Funk ab?

Dreimal Mayday, dann der Bootsname, die Position, die Art der Not, die Zahl der Personen an Bord und die benötigte Hilfe, ruhig und deutlich gesprochen. Am wichtigsten ist die Position. Moderne Geräte haben zusätzlich einen DSC-Notknopf, der automatisch eine Notmeldung mit Kennung und GPS-Position sendet, sofern das Gerät richtig programmiert ist.