Es gibt einen alten Spruch unter Seglern, und er trifft den Kern: Wenn du anfängst, übers Reffen nachzudenken, ist es bereits Zeit dafür. Reffen, also das Verkleinern der Segelfläche bei zunehmendem Wind, ist eine der wichtigsten Fertigkeiten an Bord und zugleich eine, die Einsteiger gern zu lange hinauszögern. Dabei macht das richtige Reffen das Segeln nicht langsamer, sondern sicherer, bequemer und oft sogar schneller. Schauen wir uns an, wann und wie ihr richtig refft.
Warum überhaupt reffen?
Ein Segelboot ist auf einen bestimmten Windbereich ausgelegt. Wird es zu viel, passieren mehrere Dinge auf einmal: Das Boot krängt stark, der Druck am Ruder steigt, und die Yacht will immer weiter in den Wind schießen. Das ist nicht nur unbequem, sondern kostet auch Geschwindigkeit, denn ein übermäßig krängendes Boot rutscht seitlich ab und das Ruder bremst. Wer rechtzeitig refft, bringt das Boot wieder ins Gleichgewicht. Es läuft aufrechter, ruhiger und liegt besser in der Hand. Reffen ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern von Seemannschaft.
Der richtige Zeitpunkt
Der häufigste Fehler ist, zu spät zu reffen. Bei zunehmendem Wind wird das Manöver mit jeder Minute schwieriger und gefährlicher, weil die Kräfte an Deck wachsen. Deshalb gilt die goldene Regel: rechtzeitig reffen, am besten, bevor es wirklich nötig wird. Ein gutes Zeichen ist anhaltende starke Krängung, ein hoher Ruderdruck oder die erste Bö, die euch unangenehm wird. Und noch ein Tipp aus der Praxis: Wer überlegt, ob er reffen soll, hat die Frage damit meist schon beantwortet. Lieber einmal zu früh die Fläche verkleinern und sich entspannt zurücklehnen.
So wird gerefft
Wie gerefft wird, hängt vom System an Bord ab. Beim klassischen Bindereff wird das Großsegel teilweise heruntergelassen und das überschüssige Tuch am Baum festgebunden. Viele moderne Yachten haben ein Reffsystem, mit dem sich das vom Cockpit aus erledigen lässt, oder ein Rollreff, bei dem das Segel um den Mast oder im Mast aufgerollt wird. Beim Vorsegel übernimmt das meist die Rollgenua, die sich stufenlos einrollen lässt. Wichtig ist bei allen Systemen, dass ihr den Ablauf für euer Boot kennt und ihn bei ruhigem Wetter geübt habt, denn im Sturm ist kein guter Zeitpunkt zum Lernen.
„Reffen übt man bei schönem Wetter, nicht im Sturm. Wer den Ablauf bei fünf Windstärken zum ersten Mal durchspielt, hat eine Stufe zu spät damit angefangen.“
Eine bewährte Reihenfolge hilft. Meist wird zuerst das Boot etwas angeluvt oder in den Wind gestellt, um Druck aus dem Segel zu nehmen, dann wird das Großsegel gerefft, anschließend das Vorsegel verkleinert. Achtet darauf, dass das Boot nach dem Reffen noch ausgewogen segelt, also weder stark luvgierig noch leegierig ist. Ein gut abgestimmtes Reff bringt beide Segel in ein sinnvolles Verhältnis.
Reffsysteme im Überblick
| System | Prinzip | Eigenschaft |
|---|---|---|
| Bindereff | Segel teilweise herunter, Tuch am Baum binden | einfach, zuverlässig, etwas Arbeit an Deck |
| Reffsystem im Cockpit | Reffleinen nach achtern geführt | komfortabel, vom Cockpit bedienbar |
| Rollreff Groß | Segel rollt in oder um den Mast | stufenlos, bequem, technisch aufwändiger |
| Rollgenua | Vorsegel rollt um das Vorstag | stufenlos verkleinerbar, Standard heute |
Reffen heißt vorausschauen
Gutes Reffen ist am Ende eine Frage der Vorausschau. Wer den Wetterbericht im Blick hat, die Wolken liest und die ersten Böen ernst nimmt, refft in Ruhe, bevor es hektisch wird. Übt den Ablauf an einem moderaten Tag, bis er sitzt, und traut euch früh. Ein rechtzeitig gerefftes Boot ist ein sicheres, schnelles und entspanntes Boot. Wie ihr den Wind und seine Böen frühzeitig einschätzt, lest ihr im Beitrag Wetter verstehen für Bootsfahrer.
Weiterlesen: Wetter verstehen für Bootsfahrer · Segeltrimm-Grundlagen
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