Moin. Es gibt genau einen Tag im Jahr, an dem Du Dein Rigg wirklich sehen kannst: den Tag, an dem der Mast liegt.
Solange er steht, guckst Du von unten an ein Profil hoch und siehst, dass alles noch dran ist. Das ist keine Prüfung, das ist eine Hoffnung. Alles, was ein Rigg wirklich gefährlich macht, sitzt oben, sitzt klein und sieht von unten aus wie nichts.
Deshalb ist der Krantag im Herbst nicht nur Logistik. Er ist Deine Gelegenheit.
Zuerst: Wie alt ist Dein stehendes Gut?
Das ist die Frage, die über alles andere entscheidet, und viele Eigner können sie nicht beantworten.
Die Erfahrung aus der Praxis ist ziemlich eindeutig: Zwischen dem zehnten und zwölften Jahr nehmen Schäden am stehenden Gut deutlich zu, ebenso jenseits von etwa 20.000 Seemeilen. Nicht weil an einem Stichtag etwas passiert, sondern weil Materialermüdung sich addiert.
Und jetzt der Teil, der Geld kostet: Viele Versicherer decken Riggschäden nur bis zu einem bestimmten Alter des Riggs. Verbreitet ist die Anforderung, das stehende Gut spätestens nach 15 Jahren oder 20.000 Seemeilen zu erneuern. Wer darüber liegt und einen Mastbruch hat, steht im Zweifel mit dem Schaden allein da, und zwar nicht nur mit dem Rigg, sondern auch mit allem, was der Mast beim Fallen mitnimmt.
Schau also in Deine Police, und schau in die Unterlagen. Wenn Du das Alter des Riggs nicht kennst und niemand es Dir sagen kann, ist das für sich genommen schon ein Befund.
Was Du prüfst, wenn der Mast liegt
Nimm Dir eine Stunde, gutes Licht und eine Lupe. Du suchst keine gerissenen Drähte, die findest Du auch so. Du suchst Anfänge.
- Terminals und Pressungen. Die häufigste Stelle für Risse. Sieh Dir jede Presshülse rundum an, besonders am Übergang zum Draht.
- Toggles, Bolzen, Splinte. Alles, was ein Gelenk bildet, arbeitet. Wo Spiel entsteht, entstehen Kerben.
- Die Drähte selbst, Zentimeter für Zentimeter durch die Hand ziehen. Ein einzelner gebrochener Draht piekst, bevor Du ihn siehst. Ein Fleischwolf am Handschuh ist ein Befund.
- Salinge und ihre Beschläge, dazu die Nieten. Nieten, die dunkel umrandet sind, arbeiten.
- Der Mastfuß und alle Durchbrüche im Profil. Dort ist das Material geschwächt, und dort sammelt sich Wasser.
- Rollreffanlage und Vorstag, weil dort Draht und Lager gemeinsam altern und man vom Deck aus gar nichts sieht.
Der wichtigste Satz dazu: Auch Draht, Wantenspanner und Terminals, die tadellos aussehen, können Haarrisse haben, und die erhöhen das Risiko eines plötzlichen Bruchs erheblich. Wer unsicher ist, lässt bei kritischen Teilen prüfen, statt zu schätzen.
Ein Rigg kündigt seinen Bruch nicht an. Es sammelt Ermüdung und gibt dann auf einmal nach, meistens bei Wind, meistens nachts.
Der Krantag selbst
- Vorher aufklaren. Fallen aus dem Mast oder zumindest markieren und niederholen, Windmesser und Antennen abnehmen, Radarreflektor sichern.
- Beschlage die Fallen so, dass Du sie wiederfindest. Ein Mast, aus dem im Frühjahr niemand mehr weiß, welches Fall wo endet, kostet einen halben Tag.
- Kabel beschriften. Bevor der Stecker am Mastfuß gezogen wird, klebt ein Zettel dran. Im April erinnert sich niemand.
- Wanten und Stagen abnehmen und ordentlich aufschießen, nicht knicken. Ein Knick im Draht ist ein Schaden, kein Transportzustand.
Lagerung: der Fehler, den fast alle machen
Der Mast liegt im Gestell, die Wanten liegen am Profil an, damit nichts herumhängt. Sieht ordentlich aus, ist aber genau falsch.
An den Kontaktstellen zwischen Wanten und Mastprofil entsteht Korrosion, weil dort zwei unterschiedliche Metalle über Monate feucht aufeinanderliegen. Fachleute raten deshalb ausdrücklich davon ab, das stehende Gut am Mast zu lagern.
Nimm die Wanten ab, spül sie mit Süßwasser, trockne sie und lagere sie separat, aufgeschossen und beschriftet. Dasselbe gilt für Mast, Baum und Spinnakerbaum: einmal mit Wasser und einem Spritzer Spülmittel abwaschen, damit Salz und Schmutz herunterkommen. Salz zieht Feuchtigkeit, und Feuchtigkeit über sechs Monate ist der eigentliche Gegner.
Schreib auf, was Du gesehen hast
Das klingt bürokratisch und ist der Teil, der Dir im Ernstfall hilft.
Mach Fotos von jedem Terminal, notiere das Datum, halte fest, was ersetzt wurde und wann das Rigg gestanden hat. Wenn später etwas passiert, musst Du belegen können, dass das Rigg vorher in Ordnung war. Ohne Dokumentation ist das eine Behauptung.
Und wenn Du beim Durchgehen ein ungutes Gefühl hattest, aber nichts Konkretes gefunden hast: Hol jemanden dazu. Ein Rigger braucht für einen liegenden Mast eine überschaubare Zeit. Ein Mastbruch braucht Dein ganzes Boot.
Häufig gestellte Fragen
Wann muss stehendes Gut erneuert werden?
Schäden nehmen erfahrungsgemäß zwischen dem zehnten und zwölften Jahr sowie jenseits von etwa 20.000 Seemeilen deutlich zu. Viele Versicherer verlangen den Austausch spätestens nach 15 Jahren oder 20.000 Seemeilen und decken Riggschäden nur bis zu einem bestimmten Alter des Riggs.
Worauf achte ich beim Riggcheck?
Auf Terminals und Presshülsen, Toggles, Bolzen und Splinte, die Drähte selbst, Salinge samt Nieten, den Mastfuß und alle Durchbrüche sowie Rollreffanlage und Vorstag. Gesucht werden Haarrisse, Korrosion, Spiel und Scheuerstellen, nicht bereits offensichtliche Brüche.
Darf ich die Wanten über den Winter am Mast lassen?
Besser nicht. An den Kontaktstellen zwischen Wanten und Mastprofil entsteht Korrosion, weil zwei Metalle über Monate feucht aufeinanderliegen. Nimm das stehende Gut ab, spüle es mit Süßwasser und lagere es separat und beschriftet.
Wie bereite ich den Mast auf das Legen vor?
Fallen niederholen oder markieren, Windmesser, Antennen und Radarreflektor abnehmen oder sichern, die elektrischen Anschlüsse am Mastfuß vor dem Trennen beschriften und Wanten ordentlich aufschießen, ohne sie zu knicken.
Weiterlesen: Boot kranen: der Ablauf, die Kosten und wer haftet · Segelmanöver: Wende und Halse
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