Moin, ihr Lieben. Ihr habt euer Boot ordentlich eingewintert, alles abgedeckt, Frostschutz drin, Plane drüber. Und dann steht da noch die Batterie im Boot und wartet auf den Frühling.
Genau die ist das Teil, über das ich mir im Winterlager die meisten Sorgen mache. Nicht weil sie kaputtgehen könnte, das wäre ärgerlich. Sondern weil sie brennen kann.
Zellenschluss: was das ist und wie ihr ihn findet
Batterien neigen dazu, wenn sie zu alt werden, einen Zellenschluss zu bekommen. In der Batterie sitzen Bleiplatten, und mit den Jahren löst sich davon Material ab. Irgendwann berührt sich etwas, das sich nicht berühren soll.
Ihr müsst dafür kein Messgerät haben. Es gibt zwei Zeichen, die jeder findet:
- Das Gehäuse wird bauchig. Fasst die Batterie an den Seiten an. Wenn sie sich wölbt, statt gerade zu sein, arbeitet innen etwas.
- Sie wird warm. Eine Batterie, die im Stand warm ist, ohne dass etwas dranhängt, hat ein Problem. Das ist im Grunde ein Kurzschluss, nur langsam.
Und so eine Batterie soll über den Winter in einem Boot stehen, das dicht neben dem nächsten Boot in einer Halle steht? Leute, das geht nicht. Wir reden hier nicht über einen Batterieschaden, wir reden über einen Hallenbrand.
Mein Rat: raus damit
Nehmt die Batterien möglichst aus dem Boot. Das ist die einfachste und sicherste Lösung, und sie kostet euch zwanzig Minuten.
Ausnahme: Wenn ihr wisst, dass die Batterien nagelneu oder relativ neu sind, und ihr hängt ein ordentliches Ladegerät mit Erhaltungsladung dran, dann könnt ihr sie drin lassen. Bei allem, was älter ist und dessen Zustand ihr nicht kennt, gilt: raus.
Zu Hause lagert ihr sie kühl, aber frostfrei, auf einer festen Unterlage und nicht direkt auf Beton. Und dann kommt der Teil, den die meisten vergessen: Eine Batterie will über den Winter geladen werden, nicht einmal im März, sondern durchgehend.
Eine Batterie, die im Stand warm wird, ist kein Fall für den Frühling. Die kommt heute raus.
Ladegerät und Diagnosegerät sind zwei verschiedene Dinge
Das wird oft in einen Topf geworfen, und deshalb kaufen Leute das Falsche.
Ein Ladegerät mit Erhaltungszyklus hält die Batterie über den Winter auf Spannung, ohne sie zu überladen. Das brauchst Du für die Lagerung. Es gibt kompakte Geräte, die das gut können und wenig kosten, ich benutze hier zum Beispiel eins von NOCO. Wichtig ist nicht die Marke, sondern dass es eine echte Erhaltungsladung fährt und nicht stumpf weiterlädt.
Ein Diagnosegerät misst dagegen, was die Batterie überhaupt noch kann. Es zeigt euch die verbleibende Kapazität und die Restlebensdauer in Prozent und erkennt Zellenschlüsse, bevor ihr sie fühlen könnt. Wir arbeiten hier mit so einem Gerät, das ist Profibereich, aber die Aussage ist eindeutig: Eine Batterie mit 84 Prozent Restlebensdauer nimmt man mit ins nächste Jahr. Eine mit beginnendem Zellenschluss nicht.
Wenn ihr kein solches Gerät habt: Viele Werkstätten messen euch die Batterien beim Einwintern durch. Das dauert fünf Minuten pro Stück.
Die Pole nicht vergessen
Wenn die Batterien draußen sind, guckt euch die Polklemmen an. Ihr wisst, wen ich meine: den kleinen grünen Teufel, also die Oxidation, die sich auf den Kontakten breitmacht.
Reinigt die Pole und die Klemmen, und dann kommt Polfett drauf. Das ist ein Cent-Artikel und verhindert, dass es im nächsten Frühjahr wieder von vorn losgeht. Übergangswiderstände an oxidierten Polen sind die Ursache für die Hälfte aller Startprobleme, die im Mai bei uns auf dem Hof stehen.
Merkt euch für den Herbst drei Sätze. Batterie anfassen: bauchig oder warm heißt raus und entsorgen. Alte Batterien gehören nicht ins Winterlager. Und was drinbleibt, hängt an einem Ladegerät mit Erhaltungsladung, nicht an nichts.
Das war’s von eurem Bootsdoktor aus Pretzier. Passt auf, was ihr über den Winter stehen lasst.
Häufig gestellte Fragen
Woran erkenne ich einen Zellenschluss?
An zwei Dingen, für die Du kein Messgerät brauchst: Das Gehäuse wölbt sich an den Seiten, und die Batterie wird im Stand warm, obwohl nichts angeschlossen ist. Beides bedeutet, dass sich innen Material von den Bleiplatten gelöst hat.
Soll ich die Batterien über Winter im Boot lassen?
Möglichst nicht. Nimm sie heraus und lagere sie kühl, aber frostfrei. Drinbleiben können sie nur, wenn sie neu oder relativ neu sind und an einem Ladegerät mit echter Erhaltungsladung hängen. Alte Batterien mit unbekanntem Zustand gehören nicht ins Winterlager.
Was ist der Unterschied zwischen Ladegerät und Diagnosegerät?
Ein Ladegerät mit Erhaltungszyklus hält die Batterie über den Winter auf Spannung, ohne sie zu überladen. Ein Diagnosegerät misst dagegen die verbleibende Kapazität und Restlebensdauer und erkennt Zellenschlüsse, bevor man sie fühlen kann.
Wozu Polfett?
Es verhindert Oxidation an Polen und Klemmen. Übergangswiderstände an oxidierten Polen sind eine der häufigsten Ursachen für Startprobleme im Frühjahr, und das Fett kostet fast nichts.
Weiterlesen: Einwintern vergessen und heute Nacht kommt Frost · Bordnetz absichern: Sicherungen und Verkabelung
Du hast eine Frage zum Thema?
Stell sie hier – eine:r unserer Expert:innen beantwortet sie dir persönlich. Mit deinem Einverständnis veröffentlichen wir Frage und Antwort für die ganze Community.

